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Sport

Egal ob Regen, Hagel oder Schnee – der Ball muss rollen

Mittwoch, 24. Mai 2017 | Text: Antje Kosubek | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

„Die schlechte Stimmung war schon vor Dir da“ empfängt mich Phil Bonney, als ich an einem Sonntagmorgen mit einigen Spielern von „Kalaschnikow Friedenspark“ verabredet bin. Es herrscht dicke Luft und wie im echten Fußball ging es um das offensive Passspiel – das einigen wohl zu passiv war. Es wird wild diskutiert, während die Sonne langsam hinter den Wolken hervorblinzelt und etwas Wärme bringt. Zwei Spieler in Trikots von Fortuna Köln winken entnervt ab und plädieren für einen Stürmerwechsel. Doch es geht unverändert weiter. Rund fünfzehn Männer im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte fünfzig jagen in der so genannten Kuhle, dem Bolzplatz im Römerpark, dem Ball hinterher. Dabei erinnert der löcherige Boden des Platzes eher an einen umgepflügten Acker als an einen Fußballplatz. Doch hier gibt es zwei Tore und der Sport steht für alle im Vordergrund.

In der Halbzeitpause habe ich exakt eine knappe Viertelstunde für mein Interview mit Phil. Der gebürtige Engländer wohnt seit über 20 Jahren in der Südstadt. Dazu gesellt sich Golo, er ist einer der ältesten hier, Jahrgang 1960, und von Beginn an dabei.

Meine Südstadt: Seit wann gibt es eure Mannschaft „Kalaschnikow  Friedenspark“?
Golo: „Unsere Mannschaft gibt es seit 1990. Damals spielten wir alle im roten Trikot, wo ‚CCCP‘ (Anm. d. Redaktion: russisch für UdSSR) darauf stand. Also das Original Fußball-Trikot der Sowjetunion. Es war sozusagen das Gedächtnistrikot, dass erste Trikot von ‚Kalaschnikow Friedenspark‘, davon habe ich sogar noch ein paar zu Hause.“
Phil: „Ich spiele hier schon seit über 20 Jahren. Früher hatte Wolfgang Niedecken mit BAP um die Ecke einen Proberaum und sie hatten ab und an auch mit uns Fußball gespielt.“

Und wie kam es zu dem Namen?
Golo: „Durch Harry, der sonst immer mitspielt, aber heute nicht da ist. Aus rein anarchistischen Gründen ist das entstanden. Kalaschnikow war damals ein Reizwort. Sowjetunion, eben CCCP, hier in der BRD auch. Das wollten wir dann mit dem Friedenspark konterkarieren, deswegen ist der Name entstanden.“
Phil ergänzt und lacht: „Als Engländer verstehe ich das als den typisch deutschen Humor!“

 

Ihr spielt wirklich jeden Sonntag hier?
Phil: „Ja klar. Es ist immer ein Freundschaftsspiel. Jeder der sonntags um 10:30 Uhr hier ist, kann mitspielen. Wir teilen uns in zwei Mannschaften auf. Es wird auch viel geflucht und manchmal ist ein bisschen Aggression drin, dass hast Du ja schon gemerkt. Aber jetzt mal im Ernst, wir sind alle gut drauf. Wir spielen jeden Sonntag und zwar egal bei welchem Wetter: ob Regen, Hagel oder Schnee – der Ball muss rollen.“

Wer sind die Spieler von „Kalaschnikow Friedenspark“?
„Wir sind ein Riesen Multi-Kulti-Team. Eigentlich ganz typisch für die Südstadt. ‚Kalaschnikow Friedenspark‘ sind Italiener, Amerikaner, ein paar Deutsche, Tunesier, Polen, andere kommen aus Spanien, Tschechien, Großbritannien, Österreich und Frankreich – früher war auch noch ein Schweizer dabei. Wenn wirklich alle kommen, sind wir 30 Männer aus 10 Nationen. Wir hatten auch mal einen Japaner, der mein Knie bei einem Foul ausrenkte. Ganz brutal die Japaner, fast wie beim 1. FC Köln“ so Phil mit einem dicken Grinsen im Gesicht und erklärt weiter: „Manchmal sind wir wie eine Katzenherde, wir treffen uns um 10:30 Uhr und wenn wir weit vor 11 Uhr anfangen, ist es ein Wunder. Es gibt oft Diskussionen, wer in welcher Mannschaft spielt. Da möchte der eine nicht mit dem anderen spielen, weil der vielleicht ein Trikot anhat, was ihm nicht gefällt. Oder einer möchte nur im Tor stehen, wenn ein anderer nicht in der gegnerischen Mannschaft ist, weil der Schuss sonst zu hart sein könnte.“

Wie lange ‚trainiert‘ ihr hier immer?
Phil: „Wir sind immer gut zwei Stunden hier und spielen meistens bis 13 Uhr. Heute haben wir Glück, weil der Platz trocken ist. Wenn es regnet, ist es hier eigentlich unbespielbar. Dann wird die Kuhle zu einer riesen großen Pfütze und wir weichen auf die ‚Herz Jesu Arena‘ aus (Anm.: der Platz vor dem gleichnamigen Altenheim am Oberländer Wall).“

 

Foto: Privat

Phil: „Es kann auch passieren, dass mal nur fünf Leute kommen. Dann spielen wir eher eine Art Kleinfeldturnier mit Hütchen. Witziger weise ist das oft dann, wenn schönes Wetter ist, also im Sommer. Niemals wenn es regnet oder schneit!“

Und wer kann bei Euch mitmachen?
Phil: „Wer mitspielen möchte, kann einfach vorbei kommen. Was man nicht vergessen darf, der Park ist ein öffentliches Gelände und für alle da. Das fußballerische Können hier ist sehr durchschnittlich, wir haben manche Leute die könnten sogar in einer echten Liga spielen und andere die sind froh, wenn sie vom Feld gehen, ohne etwas ‚verloren‘ zu haben. Wir haben auch Menschen, mit zwei linken Füßen, so wie ich zum Beispiel (und lacht). Ich bin quasi der Teammanager und Golo der Platzwart. Nachdem hier eine Baustelle war, hatte Golo auch schon mal mit der Schubkarre Erde heran geholt und den Boden planiert. Denn das gehört auch dazu, hier den Platz zu pflegen.“

Carlos ist mit seinen 25 Jahren der jüngste hier und kommt aus Venezuela. Ihn und seinen gleichaltrigen Mitspieler frage ich, was ihre Motivation war, um hier in der „Kuhle“ Fußball zu spielen. Carlos hatte das Team von „Kalaschnikow Friedenspark“ zufällig im Internet entdeckt und suchte eine sportliche Abwechslung. Sein Kompagnon erzählt mir auf der Wiese ganz offen von seinen Depressionen. Er wollte endlich wieder soziale Kontakte knüpfen und versucht so etwas Lebendiges und Positives in seinen Alltag zu bringen. Wie ich sehen kann, gelingt das gut. 

 

Auf dem Spielfeld wird es unterdessen immer lauter. Pfiffe kommen, es wird gedrängelt: „Spielen wir endlich weiter?“ „Ich glaube, wir sollten gehen.“ „Die Pause ist zu Ende!“

Ja, sie wollen spielen. So ist das eben in der Südstadt. Eine Südstadt ohne die Kuhle? Unvorstellbar! Und eine Kuhle ohne die Jungs von „Kalaschnikow Friedenspark“ auch nicht.

Beim Südstadtturnier auf den Poller Wiesen tritt „Kalaschnikow Friedenspark“ mit zwei Mannschaften an. Sie haben an diesem Wettkampf schon mehr als 15-mal teilgenommen. Extra für das Turnier wurde ein neues einheitliches Trikot produziert, natürlich mit dem Schriftzug „Kalaschnikow Friedenspark“.

 

Am 28. Mai 2017 wird um 10:30 Uhr das 11. Internationale Südstadt Fußball-Turnier auf der Bezirkssportanlage Poller Wiesen vor der DLRG angepfiffen. 17 Mannschaften starten bei diesem Benefizturnier, um für die gute Sache, den Sport und natürlich den Pokal zu spielen.  

Weitere Infos findet Ihr hier: 

Interview mit Kostas Doulidis 

 

Facebook-Seite des Turniers

Text: Antje Kosubek

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