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Gesellschaft

Freiwillig in der Südstadt

Donnerstag, 6. Oktober 2016 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Claudia Schlösser

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

„So“, sagt Michael Weiß, und dreht die letzte Schraube fest. „Jetzt steht der Korb bombenfest, und Ihr könnt spielen.“ Und während sich der Mann mit der blauen Latzhose den Schweiß von der Stirn wischt, holt der zehnjährige Peer schonmal einen orangefarbenen Basketball aus der Ecke und versucht, den neuen Korb zu treffen. Seit Jahren schon gab es den Plan, auf dem Gelände des Bauspielplatzes am Friedenspark eine Möglichkeit zum Basketballspielen zu schaffen, mit mehr als nur einem einzelnen, schon etwas kaputten Korb. Gelungen ist es aber erst jetzt – mit Hilfe von Firmenmitarbeitern im Ehrenamtseinsatz.

Ehrenamtliche Arbeit im privaten Bereich gibt es so lange, wie es bürgerliche Gesellschaften gibt. Schon seit einiger Zeit engagieren sich aber auch Firmen auf diesem Gebiet. „Corporate Volunteering“ heißt das dann und fasst unterschiedliche Formen des sozialen Engagements einer Firma zusammen: Mitarbeiter werden innerhalb ihrer Arbeitszeit dafür freigestellt, für einen festgelegten Zeitraum in gemeinnützigen Projekten mitzuarbeiten. Zusätzlich zu Zeit, Arbeitskraft, und Know-How stellt das Unternehmen über diese Mitarbeiter gegebenenfalls aber auch noch Sach- und Geldspenden zur Verfügung.

Natürlich sind es vor allem größere Firmen, die es sich leisten können, Mitarbeiter vorübergehend zu entbehren und damit etwas zu tun, was dem eigenen Image sicher dienlich ist. Darum bezeichnen Kritiker das Programm mitunter auch als „Greenwashing-Kampagnen“. Doch was ist die Alternative – es stattdessen zu lassen? Tue Gutes und rede darüber – das dient nicht nur der eigenen Reputation, sondern gibt auch ein Beispiel und regt zum Nachmachen und Mitmachen an. Auch für den ganz privaten ehrenamtlichen Einsatz gilt ja das Win-Win-Prinzip. Der Empfangende kommt in den Genuss der Unterstützung und der Gebende darf sich dafür auch gut fühlen, geholfen zu haben, bekommt möglicherweise auch Dank dafür –  doch der Mehrwert, den er materiell und ideell schafft, ist noch größer. Soziale Einbindung und sinnhaftes Handeln haben eine Wirkung, die nicht zu unterschätzen ist.

 


Vorplatz des Bauspielplatzes Friedenspark VOR der Freiwilligen-Tag der Ford-Mitarbeitern / Foto: Michael Gehrke

„Auch die Unternehmen selbst profitieren“, erzählt Krista Meurer von der Freiwilligen-Agentur aus der Kölner Innenstadt. Die Agentur, die als eingetragener Verein von Fördergeldern, Spenden und Zuschüssen finanziert wird, vermittelt und vernetzt diejenigen, die sich engagieren wollen, mit denjenigen, die Unterstützung brauchen können: Einzelpersonen wie Firmeninitiativen. „Die Einsätze in einem ganz anderen Gebiet, als dem gewohnten Arbeitsumfeld und vor allem das gemeinsame Unterfangen, einer Einrichtung, einem Projekt weiterhelfen zu können, wirkt sich teambildend und bereichernd auf das Arbeitsklima aus. Oftmals bleiben die Kontakte auch über den zeitlich begrenzten Projekteinsatz bestehen.“

In der Tat bleiben viele, die an einem solchen, vom Arbeitgeber getragenen Freiwilligen-Einsatzes teilnehmen, den Projekten auch über die eigentlichen Arbeitsstunden hinaus treu und engagieren sich weiter. So zum Beispiel Claudia Schlösser. Vor 4 Jahren machte die Ford-Mitarbeiterin bei der Initiative „Bündnis für Köln“ zwischen dem Unternehmen und der Stadt mit. Firmenintern als „Community Involvement“ betrieben, bei dem jeder Mitarbeiter pro Jahr zwei Tage oder 16 Arbeitsstunden statt im Betrieb bei gemeinnützigen Projekten mitwirken kann – als bezahlte Arbeitszeit. Claudia Schlösser entschied sich damals für eine Teilnahme an der Kölner Kinderstadt „Pänzhausen“ bei deren Premiere – damals im Nippeser Tälchen. Weil ihr Sohn als Teilnehmer dabei war, bekam sie nicht nur Einblicke in die Arbeit, die hinter dem Projekt steht, sondern auch in dessen direkte Auswirkungen: Der Sohn hatte an den verschiedensten Arbeits-Stationen teilgenommen und sich von den erarbeiteten „Pänzis“, der Währung in Pänzhausen, etwas im kosmosinternen Laden gekauft. Stolz wurde das Objekt am Abend den Geschwistern präsentiert – mit der Mahnung, man solle bitte sehr vorsichtig damit sein, denn dafür habe er schließlich auch gearbeitet. „Das fand ich natürlich super“, erzählt Claudia Schlösser, „denn der Transfer zur Wertigkeit dessen, was wir Eltern vom Lohn unserer Arbeit gekauft hatten, lag ja auf der Hand. So aber wurde es nicht nur erzählt, sondern erlebt. Daraufhin bin ich sofort in den Verein eingetreten und mache seither bei allen Pänzhausen-Projekten mit.“

 


Vorplatz des Bauspielplatzes Friedenspark NACH der Freiwilligen-Tag der Ford-Mitarbeitern / Foto: Claudia Schlösser

Weil diese seit 2013 auf dem Gelände des Bauspielplatzes stattfinden, war auch hier die Verbindung schnell hergestellt. Das Team des Bauspielplatzes nämlich hatte sich beim „Ford Global Caring Month 2016“ um Projektunterstützung beworben: Der Vorplatz der Einrichtung sollte aufgewertet, der kaputte Basketballkorb ersetzt und ein zweiter aufgestellt, Schotter auf dem Platz erneuert und die Feuerstelle verschönert werden. Letzere wird nämlich an Wochenenden, an denen sie frei genutzt werden kann, oft sehr nachlässig und zugemüllt hinterlassen.

Das Projekt wurde bewilligt und finanziell getragen. Und Claudia Schlösser, die die Einrichtung von ihren Pänzhausen-Einsätzen inzwischen gut kennt, übernahm die Projektleitung und kam für zwei Tage mit ihren beiden Kollegen Nastya Nardi und Michael Weiß zum Helfen. Das Material wurde geliefert, die Körbe aufgestellt, Schotter geschaufelt und auf dem Platz verteilt, die Sitz-Steine der Feuerstelle zusammen mit den Kindern der Einrichtung mit einem Fliesenmosaik bestückt – und nach zwei Tagen sah der Vorplatz nicht nur besser aus, sondern wurde begeistert angenommen und eingespielt.

Auch der Gemeinschaftsgarten NeuLand an der Alteburger Straße profitierte schon von Freiwilligen-Einsätzen. „Das ganze Projekt NeuLand lebt ja davon, dass jeder, wann er Lust und Zeit hat, mitmachen kann – und das auch tut“, sagt Judith Levold vom NeuLand-Vorstand. „Aber so ein konzertierter Einsatz von einer ganzen Mannschaft, die für einen Tag kommt, bringt uns weit nach vorn. Eine der Firmen, die bei uns mit eingesetzt wurde, das Gebäudetechnik-Unternehmen Wefers, hat uns nicht nur eine tolle Terrasse in den Garten gebaut, sondern auch zu einem späteren Zeitpunkt sehr kurzfristig und kostenlos weitergeholfen, als wir einen Wasserschaden hatten.“

 

Freiwilligen-Tag von Pernod-Mitarbeitern im Gemeinschaftsgarten NeuLand / Foto: Tamara Soliz

Kirsten Meurer ergänzt: „Auch, wenn der mit den jeweiligen Unternehmen vereinbarte Zeitrahmen der Einsätze ein begrenzter ist, werden dadurch in den verschiedenen Einrichtungen Dinge ermöglicht, die sonst das Budget und die personellen Möglichkeiten sprengen würden. Wir vermitteln Firmen in Schulen, Kindergärten, Jugendzentren, Projekten mit Geflüchteten, Gemeinden und Behinderteneinrichtungen. Und auch die verschiedenen Talente der Mitarbeiter kommen zum Einsatz, auch die nicht-jobbezogenen. So konnte bei einem Freiwilligen-Tag im Kinderprojekt Arche zum Beispiel ein Freiwilliger mit den Kindern Judo trainieren, eine andere mit ihnen basteln, ein dritter Fußball spielen und so weiter. Andere Veranstaltungs-Beispiele sind Ausflüge mit Senioren, eine Schulhof-Verschönerung, ein Besuch mit jugendlichen Geflüchteten im Klettergarten, eine gemeinsame Back-Aktion in der Schule mit anschließendem Verteilen der Erzeugnisse, ein Ausflug mit behinderten Kindern zum Drachenfels und ins Aquarium und als nächstes ein gemeinsames Schlittschuhlaufen mit einem Kinderheim, in dem auch geflüchtete Kinder leben.“ Auch der Unternehmensnachwuchs wird direkt mit einbezogen: Die Auszubildenden der RheinEnergie leisteten am 4. Oktober einen Freiwilligen-Tag in zwei Flüchtlingswohnheimen in Köln-Dellbrück, und die Auszubildenden der Firma „facts & fiction“ stellten im vergangenen August ein Willkommensfest für Geflüchtete auf die Beine.

Wer sich nun als Privatmensch gern sozial engagieren möchte und trotz – oder gerade wegen – der vielfältigen Möglichkeiten, nicht weiß, was für ihn oder sie das Passende ist, kann sich bei der Freiwilligen-Agentur entweder informieren, wo welche Art von Hilfe benötigt wird, oder sich auch selbst individuell beraten lassen.

 

 

 

Text: Nora Koldehoff

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