Raum für Workshops & Ausstellungen in der kölner Südstadt anmieten

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Lükes Liebes Leben

Hardcore oder Unterhaltung?

Donnerstag, 11. Januar 2018 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

So, das war´s dann wohl mal wieder. Mit Weihnachten, Silvester und entspannten Tagen unterm Tannenbaum. Gestern das Gehölz entschmückt und aus der Stube entfernt. Obwohl der Baum eigentlich noch recht ansehnlich war. Womöglich hätte er sogar noch einen Monat durchgehalten und sich auch mit Luftschlangen und Konfetti ganz hübsch gemacht. Nordmanntanne halt. Das Gewächs ist ja bekannt dafür, dass es wesentlich später am Nadeln fängt als beispielsweise eine Fichte.

Bäumchen im Baum

Nachteil: Die Tanne hat kein Aroma, riecht nach nix. Null. Aber für die nächste Weihnachts-Session hab´ ich eine Idee. Ich greife wieder zur Nordmann und kaufe mir dazu so ein Duftbäumchen, wie es bei manchem Zeitgenossen am Innenspiegel seines PKWs baumelt. Dann nehme ich mal nicht die beliebteste Duftnote „Neuwagen“ sondern greife zu „Fichte“-Aroma. Das hübsche Bäumchen hänge ich dann ich den Baum und schon duftet die ganz Stube wundervoll nach deutschem Wald. Ansonsten war´s ja echt stressig vor den Festtagen. Heilig Abend auf einem Sonntag und (fast) keine Läden geöffnet. Verdi und Mutter Kirche hatten sich vehement gegen die Öffnung ausgesprochen. Zur Schonung der Angestellten. Womit ich leben kann. Aber wenn der Schutz der Arbeitnehmer den Pfaffen derart am Herzen liegt, wieso hatte dann der Andenkenladen auf dem Roncalliplatz unmittelbar am Dom über die Feiertage geöffnet und bot seinen Sakral-Nippes feil? Ich gehe nicht davon aus, dass der von der Kirche selbst betrieben wird, halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass sie da in irgendeiner Form am Gewinn beteiligt ist. Also, werter Arbeitnehmervertreter Woelki, da gehört doch auch mal vor der eigenen Tür gekehrt

Von Schwänzen umgeben

Mir war kurz vor Weihnachten auch noch ein Einkaufserlebnis der besonderen Art vergönnt. Was mit Junior und Katherine Hepburn und Gary Grant zu tun hatte. Da es uns gelungen ist, unseren Sohn zum Fan klassischer Screwball-Comedys zu machen und er sich neulich mit seiner Freundin nochmal Billy Wilders „Some Like it Hot“ angesehen hatte, wollte er ihr zum Fest „Leoparden küsst man nicht“ schenken. Doch die DVD war in ganz Köln nirgendwo mehr aufzutreiben und für eine Online-Bestellung war es auch zu spät. Als ich dann spätnachmittags mit dem frustrierten Nachwuchs aus der City wieder Richtung Südstadt schlappte, kamen wir am Waidmarkt an der Videothek Mühlenbach vorbei, über deren Fortbestand ich mich schon seit Jahren wundere. Okay, ich hab´ da früher manchmal Filme auf VHS fürs Wochenende ausgeliehen (Zurückspulen nicht vergessen!), aber wer braucht heute noch geliehene DVDs ?! Jedenfalls entdeckte Junior im Fenster ein Plakat mit dem Aufdruck „Ausleihe und Verkauf“. Ob wir da nicht nochmal nach den Leoparden schauen könnten, fragte er. Ich bedeutete ihm, dass die Wahrscheinlichkeit, in dem Laden ausgerechnet diesen Hollywood-Klassiker in der Ramschkiste zu finden, gleich Null sei. Aber er ließ nicht locker. Also gut. Kurz vor dem Eingang erklärte er, zwar 1,90 Lang aber noch immer 17, dass ich da wohl allein rein müsse. Wieso das?

Keine Leoparden am Waidmarkt

Er deutete auf ein Schild: „Zutritt unter 18 Jahren nicht gestattet“. Dieses Verbot hatte es meiner Erinnerung nach früher erst innerhalb des Ladens gegeben, um für Unbefugte den Zugang zur durch einen Vorhang abgetrennten pornografischen Abteilung zu unterbinden. Ich ging also rein und sah mich sogleich von erigierten Schwänzen und weit gespreizten Damenschenkeln umgeben. Nicht nur auf DVD-Hüllen sondern auch auf diversen, überall im Raum platzierten Hochglanzplakaten. Ansonsten war außer mir kein lebender Mensch in den Geschäftsräumen zu entdecken. Auch am Tresen nicht. Erst nach einem zaghaften „Hallo!?“ erschien grußlos ein älterer beleibter Herr in einem scheußlichen Weihnachtspulllover. Den Gedanken, ihn direkt nach „Leoparden küsst man nicht“ zu fragen, verwarf ich im Bruchteil einer Sekunde. Wo denn die Kauf-DVDs zu finden seien, wollte ich stattdessen von meinem Gegenüber wissen. Woraufhin der Mann gemächlich den Mund öffnete und mehr knurrte als fragte: „Hardcore oder Unterhaltung?“. Nun hätte ich mit dem Typen natürlich eine Diskussion über die wenig markante Genre-Einteilung beginnen und ihn fragen können, ob nicht auch Pornografie in einem gar nicht so weiten Sinne der Zerstreuung, ergo Unterhaltung diene. Was aber vermutlich wenig Sinn gemacht hätte. So stieß ich blitzschnell „Unterhaltung!“ hervor und verkniff mir gerade noch den Zusatz „natürlich“. Alsdann wies der Typ wortlos auf einen armseligen Ständer, in dem sich allenfalls knapp hundert DVDs langweilten.

Chuck Norris statt Cary Grant

Eher pflichtschuldig denn hoffnungsvoll durchkramte ich daraufhin das Sortiment und fand das Erwartete. 95 Prozent Horror- und Splatterfilme und den kümmerlichen Rest hatte Chuck Norris quasi ganz für sich allein. So entbot ich dem Mann mit dem Pullover ein letztes gequältes Lächeln und ging meiner Wege. Draußen fragte der Sohn dann erwartungsvoll: „Und?“. Woraufhin ich ihm nur erklären konnte, er solle sich auf seinen 18. Geburtstag freuen. Da stünden ihm Erlebnisse bevor, von denen er bislang nicht einmal zu träumen wagte. Weil er dann Details wissen wollte, hatten wir doch noch einen sehr schönen Vorweihnachtsabend.

Der letzte Ferientag

Am gestrigen Sonntag, nachdem er in der Nacht zuvor noch einen Poldi-Döner getestet und für lecker befunden hatte, fiel dem Sohn dann noch ein, dass er gerade den letzten Ferientag seiner Schullaufbahn erlebe. Osterferien seien ja für ihn wegen Abi nicht mehr. Echt jetzt? Schon? Haben wir ihn nicht vor ein paar Jahren erst eingeschult? Seltsames Gefühl. Aber sehen wir es nüchtern. Heißt auch, dass wir Erziehungsberechtigen nicht mehr Urlaub machen müssen, wenn alle Urlaub machen. Auch schön.

Text: Reinhard Lüke

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