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Lükes Liebes Leben

Einmauern, die Sachsen! – Lükes liebes Leben

Montag, 22. Februar 2016 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Vor knapp zwei Jahren, als die ersten Pegida-Rentner montags murrend durch Dresden schlurften und erklärten, sie seien aber keine Rassisten, hab´ ich an dieser Stelle scherzhaft gefragt, ob die Ossis vielleicht ihr Mäuerchen wiederhaben wollten. Inzwischen ist das kein Scherz und keine Frage mehr. Sie wollen! Nach den widerlichen Vorkommnissen vom Wochenende in Sachsen, wo besoffene Loser einen Bus mit Asylbewerbern attackierten und kundtaten, sie seien das Volk, bis die örtliche Polizei nach zwei Stunden verängstigte Kinder mit Gewalt zum Aussteigen nötigte, um sie der Obhut eines Heimleiters zu übergeben, der AfD-Parteimitglied ist und öffentlich irrlichternde Reden hält, wonach die USA die Flüchtlingsströme auf den Weg geschickt hätten, um Europa zu destabilisieren, bin ich persönlich bereit zur Kapitulation.

Okay, ihr Dumpfbacken, ihr habt gewonnen. Wir schicken euch keine Flüchtlinge mehr. Dafür dürfen wir euch aber -zu eurer eigenen Sicherheit- wieder einmauern. Diesmal sogar auf unsere Kosten. Damit ihr euch wieder so sicher und frei fühlen könnt wie zu den guten alten DDR-Zeiten. Und Ihr keine Angst mehr haben müsst, dass die Moslems euch das Radeberger wegsaufen und sich über eure Schnitzel und Töchter hermachen. Soli gibt’s dann zwar auch keinen mehr, aber das schafft ihr schon mit all eurem Hirn und Tatendrang. Hinter der Mauer dürft ihr dann täglich im Kreis marschieren, „Lügenpresse“, „Wir sind das Volk“, „Deutschland den Deutschen“ oder sonstwas skandieren. Nur „Die Mauer muss weg!“ könnt ihr euch diesmal schenken. Keine Chance. Im Fernsehen kommt ihr dann allerdings auch nicht mehr vor, weil es uns einfach scheißegal ist, was ihr hinter eurem Mäuerchen so treibt. Könnt ja eure eigenen Sender und Zeitungen aufmachen. Die bestehen dann vermutlich nur aus sächsischen Lokalteilen, sprechen aber wenigstens Wahrheit. Der Rest der Welt hat euch  ja wohl ohnehin nie interessiert. Mir doch egal, wo Schina und Affgannistan liegen. Aber nun komme bloß keiner von euch auf die Idee, er könnte kurz vor Beginn der Bauarbeiten noch eben rüber in den Westen machen. Selbst wenn er den Sprachtest bestehen sollte, gibt es keine Chance auf Asyl. Sachsen ist schließlich ein sicheres Herkunftsland. Und das soll auch so bleiben. Unbedingt.?

?Reisegenuss im Erzgebirge? ?
Diese Widerlichkeiten im bald eingemauerten Clausnitz hatten aber auch ein absurd lächerliches Moment in Gestalt des Busses, in dem die Flüchtlinge festsaßen. Offenbar handelt es sich dabei um ein Gefährt, das normalerweise im lokalen Linienverkehr eingesetzt wird. Weshalb es da über der Frontscheibe so ein Display gibt, auf dem das jeweilige Fahrziel angezeigt wird. Da es sich bei dem Flüchtlingstransport aber um einen -vermutlich durchaus lukrativen- Sondereinsatz handelte, hatte der pfiffige Busunternehmer das entsprechende Feld nicht einfach mit „Sonderfahrt“ sondern mit einem veritablen Geniestreich in Sachen Erlebniskultur beschriftet. „Reisegenuss“ stand da im leuchtenden Display.

Offenbar kam der, im Video dumpf vor sich hin starrende Fahrer auch während der gesamten zwei Stunden nicht auf die Idee, das Ding abzuschalten. Vermutlich würde sein Chef heute erklären, der „Reisegenuss“ sei als besonders nette Geste gegenüber der Flüchtlingen gedacht gewesen. War er aber nicht. Vielmehr dürfte es sich da um einen abgrundtief dummdöseligen Begriff handeln, mit dem er meinte, seiner Firma irgendeinen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen zu können. „Reisegenuss“. Hat er sich das selbst ausgedacht oder gar noch eine Agentur damit beauftragt? Da muss man erstmal drauf kommen. Wenn er es wenigstens mit „Genussreisen“ oder „Reisen für Genießer“ versucht hätte. Aber nö, „Reisegenuss“. Doch der Busunternehmer wird ja demnächst mitsamt seinem Fahrer auch wieder eingemauert. Kann er dann schöne Genusstouren für deutsche Sachsen im deutschen Erzgebirge anbieten.?

?Shabby Chic bei Aldi? ?
So, jetzt aber genug Gülle über unsere sächsischen Integrationsverweigerer gekübelt. Eigentlich wollte ich mich doch nur mit den schönen Dingen des Daseins umgeben. Wie zum Beispiel mit dem „Shabby Chic“. Nie gehört? Haben sie aber bestimmt auch daheim. Ich für meinen Teil muss mich jetzt, so fürchte ich, neu einrichten. Wegen Aldi. Nicht, dass mein Mobiliar gänzlich zerschlissen wäre. Es hat halt Gebrauchsspuren, die sich im Laufe der Jahre nunmal so ansammeln. Hier ein Kratzer, da ein Fleck oder eine Macke, weil der Stubentiger das Tischbein mal wieder für seinen Kratzbaum gehalten hat. In den letzten Jahren war ich mit meinem angetitschten Hausstand fein raus, lag voll im Trend. Eben wegen Shabby Chic.

Worunter der Lifestyle-Kundige einen Mix aus Möbelstücken versteht, die erkennbar Abnutzungspuren haben. Puristen besorgten sich solche Utensilien stilecht auf dem Trödel, aber bald schon bot der designorientierte Handel neuwertige Stücke im Gebrauchtlook an und die einschlägigen Trend-Magazine von „Schöner wohnen“ bis „Brigitte“ gaben Tipps, wie man der neuen Schrankwand einen trendigen Trash-Look verpassen konnte. Und ich saß da und dachte mir: Prima, macht ihr mal. Muss ich nicht mittun. Hab´ ich alles schon daheim. Wann immer ich in einem dieser, mit Sperrmüll von der Stange ausgestatteten Nerd-Cafés hockte, konnte ich mir Gedanken machen, wann dieser Quatsch eigentlich angefangen hatte. Meiner Erinnerung nach ging´s mit den Bluejeans los.

„Stone washed“ gab´s in den 70ern schon, in den 80ern kamen dann als Punk-Übernahme die „bleached“-Versionen mit den weißen Flecken dazu, die man in Batik-Technik mit Domestos in der Waschmaschine auch selbst herstellen konnte. Manchen Trendsettern sollen danach die Haare ausgefallen sein, aber wer schön sein will… Genau. In jüngerer Zeit fanden dann die nagelneuen Höschen mit Schlitzen und Löchern großen Anklang, die im Moment offenbar gerade ein Revival erleben. Nach den Hosen kamen die Teppiche. Wofür nicht zuletzt Star-Designer Jan Kath verantwortlich ist. Der kam irgendwann auf die Idee, traditionelle Perser-Teppiche so herstellen zu lassen, dass sie aussahen, als seien schon Generationen über sie hinweg geschlurft und die Leute fanden es irre originell. Inzwischen gibt’s die trendigen Bettvorleger auch bei IKEA. Und jetzt kommt endlich auch Aldi-Süd ins Spiel. Denn dort entdeckte ich unlängst in meiner Filiale auf der Severinstraße die „Living Style Kommode im aktuellen Shabby Chic Design“ für 69, 99 Euro und dachte: “verdammte Scheiße!“ Wenn der Trend bei Aldi gelandet ist, kann er keiner mehr sein, muss ich mich also in Bälde nach neuem Mobiliar umsehen, um nicht als Gestriger dazustehen. Bleibt mir nur die Hoffnung, dass der Shabby-Trend in absehbarer Zeit vielleicht auch bei Autos ankommt. Da wär´ ich wieder voll modern. Aber danach sieht´s derzeit nicht aus.

Text: Reinhard Lüke

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