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Familie

Horror mit Reiswaffeln und Dinkelstangen

Freitag, 27. August 2010 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Josh Rindfleisch

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Kindertheater ist eine feine Sache. Wenn man das Glück hat, mit der Comedia und dem FWT gleich Häuser im Viertel zu haben, die nicht Fernsehhelden oder Kinderbuch-Bestseller, sondern ambitionierte Stücke für den Nachwuchs auf die Bühne bringen, um so besser. Wenn da nur nicht diese Mütter wären! Dass es bei Aufführungen für Kinder im Saal manchmal nicht minder turbulent zugeht als auf der Bühne – geschenkt. Gegen das körperbetonte Mitgehen bei Spannung und das Kommentieren von Kussszenen („Uaah! Eklig!!!“) ist beim besten Willen nichts zu sagen. Und wenn die lieben Kleinen unruhig werden, weil sie sich langweilen, haben Autoren, Schauspieler und Regisseure eben etwas falsch gemacht. Gutes Kindertheater sollte fesseln. Von der ersten bis zur letzten Minute. Was ja oft auch gelingt.

 

Wenn die Eltern ihren Nachwuchs nur in Ruhe zuschauen ließen. Da Begleit-Väter im Kindertheater eher selten gesichtet werden, sind es in erster Linie die Mütter, die einem gehörig auf den Keks gehen. Dass sie eher den gebildeteren Ständen entstammen, erkennt man an ihrer Garderobe, ihrem Habitus und nicht zuletzt an den Vornamen ihrer Kinder. Und vor allem am Umgang mit ihnen. Chantal und Kevin gehen nicht ins Theater.

 

Erst geht das empörte Genöle los, wenn sie erfahren, dass die im Foyer gekaufte Bionade nicht mit in den Saal genommen werden darf. Und man sieht sie förmlich überlegen, ob sie den Casus nicht mal von einem befreundeten Anwalt prüfen lassen sollten. Dann, kaum hat die Aufführung begonnen, werden mit einem Geräusch, das man sonst nur von Zeltplätzen kennt, kollektiv die Reißverschlüsse gewaltiger Versorgungsrucksäcke aufgezogen und den Kindern Reiswaffeln und Dinkelkekse aufgenötigt. Weil der Leon doch um halb vier immer gern was isst. Und Durst hat er dann auch. (Logisch, bei dem staubtrockenen Futter.) Ein Kind für eine Stunde ohne Nahrung und Flüssigkeit zu lassen, käme ja auch schon fast einem versuchten Tötungsdelikt gleich. Und was macht ein Steppke, wenn man ihm eine knisternde Kekspackung und ein Kaltgetränk hinhält? Eben. Und einmal bei der Nahrungsaufnahme, lässt er sich dann von seiner Erziehungsberechtigten während der Aufführung womöglich noch in ein Gespräch verwickeln, ob er denn zum Abendbrot wieder die leckeren Grünkernbratlinge oder doch lieber nur einen knackigen Salat möchte.

 

Nein, sie verstehen sich gut mit ihren Kindern. Und warum sollten sie die lieb gewonnene Kommunikation mit ihrem Nachwuchs für ein knappes Stündchen unterbrechen, nur weil da vorn auf der Bühne ein paar Schauspieler vorführen, was sie in wochenlangen Proben erarbeitet haben? Eine weitere Unart: Wenn ein Stück ab acht Jahren empfohlen ist, kann man getrost davon ausgehen, dass ein Drittel des minderjährigen Publikums aus gelangweilten Fünfjährigen besteht. Weil der Paul nach Überzeugung der Mutter doch für sein Alter schon unheimlich weit ist. Und sollte er wider Erwarten irgendwas doch nicht verstehen, erklärt Mami ihm das gern. Natürlich möglichst zeitnah während des Stücks.

 

Und nach dem Schlussapplaus möchte der überaus wissbegierige Paul dann womöglich noch gern das Bühnenbild aus nächster Nähe in Augenschein nehmen. Wozu ihn die Frau an seiner Seite bereitwillig auf die Rampe hebt, damit er sich mal umschauen kann. Kommt dann irgendein Mitarbeiter des Hauses mit dem Hinweis daher, dass eine Theaterbühne nicht das IKEA-Kinderparadies sei, wird er mit demonstrativer Entrüstung bedacht. Vielleicht noch ein Fall für den befreundeten Anwalt? Kindertheater ist eine feine Sache. Wenn man nur diese Mütter draußen halten könnte.

 

 

 

Foto aus „Das Dorf aus Holz und Luft“, Kindertheater aus Barcelona

Text: Reinhard Lüke

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