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Kein Spielraum für Spielräume?

Sonntag, 10. Juni 2012 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Wie und wo darf Kölns Nachwuchs sich entwickeln? In Artikel 31 der schon 1989 verabschiedeten UN-Kinderrechtskonvention erkennen die Vertragsstaaten das Recht der Kinder auf Spiel an. Dass das Spielen zu einer der wichtigsten Möglichkeiten von Kindern gehört, um sich selbst kennen zu lernen und sich und ihre Umwelt zu begreifen, stellt auch in Köln niemand in Frage. In dieser Woche trifft sich deshalb hier die „ 54. Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz“ zu ihrer Jahrestagung, um drei Tage lang über das Thema „Spielen und Spielplatz“ zu beraten. Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier allerdings weit auseinander.

Kölns Spielplätze sind größtenteils in desolatem Zustand: Holz rottet marode vor sich hin, Metallteile rosten, Schaukeln sind kaputt. Daran will die Stadt nun endlich etwas ändern: Sieben Millionen Euro stehen für eine Sanierung zur Verfügung. Um über die Verteilung zu entscheiden, gab das Jugendhilfeamt schon 2008 beim Jugendamt eine Prüfung in Auftrag. Jeder der insgesamt 662 städtischen Spielplätze wurde bewertet und zudem in einem Kontext begutachtet, der auch stadtteilbezogene Unterschiede wie die Anzahl der Kinder und Jugendlichen im Viertel, die Zahl der Spielplätze und anderes mit einbezieht.

Diese Prüfung ergab, dass rund 200 Spielplätze das benötigen, was im Behördendeutsch „bauliche Maßnahmen“ heißt. Der Plan ist nun, in den nächsten zwei Jahren wenigstens 100 davon zu optimieren. Für die Südstadt gibt es allerdings trotz dieser Initiative keinen Anlass zu Optimismus. Zwar werden auch hier marode Geräte ersatzlos abgebaut, zwar führt der Stadtbezirk „Neustadt-Süd“ die städtische Liste des so genannten „Spieflächenfehlbedarfs“ an, in der ein erhebliches Minus an Spielflächen im Verhältnis zur Zahl der Kinder und Jugendlicher im Viertel amtlich festgehalten ist.

Doch in der Liste der Stadtteile mit dem höchsten Handlungsbedarf für Neuausstattung  sucht man die Südstadt vergeblich. Chorweiler, Seeberg und Buchheim führen diesen „Handlungsbedarfsplan“ an. Am besten – also am wenigsten veränderungsbedürftig – schnitten die Spielplätze der Außenbezirke in Lindenthal, Rodenkirchen und Mühlheim ab. Der größte Handlungsbedarf zur Verbesserung des Spielwertes wird demnach im Kölner Norden und in den rechtsrheinischen Gebieten liegen.

Spielplatz Claudiusstraße.

 

Jedoch gibt es in einem so dicht besiedelten Raum wie der Südstadt keine Brach- und Waldflächen, Baugruben oder Flussläufe, die Kindern und Jugendlichen natürliche Möglichkeiten zum Spiel böten. Deshalb sind auch hier die Spielplätze von zentraler Bedeutung für Kinder und ihre Familien. Es ist aber nicht zu erwarten, dass sich in nächster Zeit von städtischer Seite Wesentliches an der Qualität der Spielplätze der Südstadt tut. Das zeigte sich erst in der letzten Maiwoche wieder, als die Spielgeräte des Spielplatzes Rolandstraße/Ohmstraße abmontiert wurden. Eltern und Anwohner protestierten – der auch von KiTa-Gruppen und Tagesmüttern stark genutzte Spielplatz hat als Hauptattraktion nun noch genau eine Schaukel, eine Rutsche, die allerdings auch noch weg soll, alten Sand und ein paar Bänke. Die mangelhafte Verkehrssicherheit der Geräte wurde erst nach dem Erstellen der Maßnahmenliste festgestellt. Abbau war also nötig, eine Neuausstattung aber nicht mehr.

Warum das so ist, erstaunt, denn die Spielgeräte an der Ohmstraße stammen aus den 80er-Jahren. Offenbar hatten aber weder die Stadt noch die Bezirksvertretung sie  im Mittelpunkt ihrer Sichtung – oder die Ausstattung ist gerade in den letzten Jahren in erhöhtem Tempo gealtert und unvorhersehbar verrottet. Vor einiger Zeit hatten Anwohner, Nutzer und Spielplatzpaten eine private Spende zusammengetragen und die kaum bis gar nicht gewarteten Geräte zu Teilen reparieren lassen. Nun ist dort einfach gar nichts mehr vorhanden, was für spielende Kinder attraktiv sein könnte. Aufgrund der akuten Situation soll dennoch hier so schnell wie möglich eine Ersatzbeschaffung vorgenommen werden. Bis dafür aber eine Finanzierung möglich ist, wird der beliebte und gut besuchte Spielplatz als Sandkasten mit Sitzgelegenheiten vor sich hin dämmern.

 

Damit reiht er sich sehr schön ein in eine Reihe von Schicksalskollegen. Auch der Spielplatz Claudiusstraße, der zwischen dem Friedens- und Römerpark im Grünen liegt, ist nach wie vor ein Ziel für die recht zahlreichen Kleinkinder des Veedels. Auch dort gibt es aber kaum mehr Geräte. Der Grund für den Abbau der Geräte auf den städtischen Spielflächen liegt daran, dass auf den meisten von ihnen das Inventar schlicht alt ist und die Mittel und das Personal für regelmäßige Wartungen fehlen.

 

Köln ist pleite. Schade, dass an den Kindern und deren Entwicklung gespart wird. Zudem wurde die Umsetzung neuer DIN-Normen beschlossen, nach denen viele Geräte den alten Sicherheitsanforderungen nicht mehr entsprechen und die auch die Anschaffung neuer Geräte nicht eben leichter oder unkomplizierter, geschweige denn erschwinglicher machen. 94 Rutschen und 99 Kletterspielgeräte mussten oder müssen demnach im Stadtgebiet abgebaut werden, 140 Spielplätze sind davon betroffen. Schon vor drei Jahren hatte der TÜV auf 69 von 75 Spielplätzen gravierende Mängel im Zustand der Geräte festgestellt. In einigen Fällen wurde gar eine sofortige Sperrung des Spielplatzes gefordert, weil sie eine akute Sicherheitsgefährdung für Kinder darstellten. Erst Ende 2011 räumte die Jugendverwaltung aber wegen des bestehenden Personalmangels einen Bearbeitungsstau ein.

 

Die Spielplätze der Südstadt hat nun eine Gruppe lokaler Experten, bestehend aus einer bunt gemischten Kindergruppe, einem Praxis-Check unterzogen. Ihre Ergebnisse wird sie auf „Meine Südstadt“ in den nächsten Wochen regelmäßig präsentieren.
Denn Spielraum sollte unsere Stadt doch bieten dürfen.

 

 

Die Spieleprofis kommen

Im Bauspielplatz Friedenspark treffen sich täglich Südstadtkinder, um gemeinsam ihre Freizeit mit Spielen zu verbringen. Sie spielen Fantasiespiele auf dem großen Bauplatz, Sportspiele wie Tischtennis, Fuß- und Federball oder kickern aus, wer der Beste mit dem kleinen Ball ist. Zu Karten- und Gesellschaftsspielen finden sich oft Jugendliche, Kinder und Erwachsene gemeinsam ein, das gemeinsame Lernen und Erleben und der Spaß stehen dort im Vordergrund, oftmals ist das Gewinnen eines Spieles zweitrangig.

Montags ab 15:30 Uhr trifft sich die Gruppe der „Spieleprofis“, neben neuen Spielen, die die AG ausprobiert und anspielt, testen sie momentan die Spielplätze der Südstadt.
Dafür haben sich die Kinder im Alter von 8 – 12 Jahren zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, was für sie wichtig ist an einem guten Spielplatz.
Schnell fand die Gruppe ihre Kriterien, die sie für ihren Spielplatzcheck brauchte:
Die Geräte müssen so durchmischt sein, dass kleinere und auch größere Kinder Spaß haben können, natürlich dürfen die Geräte auch nicht defekt sein. Als Basis für jeden Spielplatz sahen die Spieleprofis wenigstens einen Sandkasten, eine Rutsche, eine Schaukel, ein Klettergerüst und für die kleineren Besucher ein paar Wippetiere. Und auch das Drumherum ist für die Kinder wichtig, ob es ausreichend Mülleimer und Bänke gibt, ob Bäume da sind und genügend weitere Freispielfläche vorhanden ist und ob eine klare Abgrenzung zum Straßenverkehr vorhanden ist, so dass das Spielen auf dem Spielplatz sicher ist.
Spielplatz Trajanstraße.

 

Da Spielen und Toben gerade jetzt im beginnenden Sommer Durst machen und auch Lust auf ein Eis, ist für die Spiele-Profis auch die Nähe zu einem Büdchen sehr wichtig, um sich so eine Erfrischung schnell besorgen und aufgetankt wieder weiterspielen zu können.

 

Der Spielplatzcheck orientiert sich an dem Schulnotensystem, von einer 1 (sehr gut) bis zu einem ungenügend ist alles möglich und so mancher Spielplatz hätte, wenn er wirklich ein Schüler wäre, „das Klassenziel nicht erreicht“, ist also mit Pauken und Trompeten in den Augen der kritischen Tester als guter Spielort durchgefallen.

Die Spieleprofis treffen sich immer montags ab 15:30 Uhr im Bauspielplatz am Friedenspark. Kinder, die mitmachen möchten, sind herzlich willkommen.

 

Fazit: Der Spielplatz ist gut, die Tunnelrutsche macht den besonderen Spielreiz aus, es macht Spaß, sie hinunterzusausen. Leider sind nur wenige Geräte da, ein paar mehr wären da besser, zum Beispiel noch was zum Klettern oder zum Schwingen oder Balancieren oder Turnen. Durch die Nähe zum Park gibt es super viel Fläche, so dass man auch Fußball spielen kann. Nach dem Toben kann man im Schatten unter den Bäumen eine Runde chillen. Drei Tischtennisplatten sind toll, da können Kinder viele zeitgleich spielen.
In der Gesamtwertung bekommt der Spielplatz von den Spiele-Profis eine zwei.

Text: Nora Koldehoff

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