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Südstadt

Ich habe gehupt – Lükes liebes Leben

Montag, 18. März 2013 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Meine Südstadt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wer als Journalist ein paar Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat, gibt sich hinsichtlich der Wirkung seines Geschreibsels ja keinerlei Illusion hin. Umso verblüffter war ich, als ich zwei Tage nach meiner letzten Kolumne, in der ich mich über Kleinkinder-Vandalismus und tatenlos zusehende Muttertiere erregt hatte („Frühlingspapst„), vor die Tür trat und sah, wie städtische Mitarbeiter dabei waren, die herausgerissenen Pflastersteine am Platz „An der Eiche“ wieder in ihre angestammten Plätze zu hämmern. Whow! Da wird man ja glatt größenwahnsinnig. Komme da keiner und erzähle mir was von „reiner Zufall“. Dermaßen euphorisiert, hab´ ich  am selben Tag noch gehupt. Ja, schon gut, ich fahre noch Auto. Ungefähr einmal die Woche. Leergut entsorgen, Naherholungsgebiete aufsuchen und so. Also eigentlich ein völlig überflüssiges Gefährt. Aber die Karre hat dreizehn Jahre auf dem Buckel, verkaufen lohnt nicht mehr, drum steht sie jetzt meistens dumm rum, bis sie auseinander fällt. Und das Hupen liegt mir eigentlich auch gar nicht im Blut. Bin ja kein Italiener. Aber in dieser Situation war es mir denn doch ein Bedürfnis. Aha, eine Gefahrensituation? Fußball rollt auf die Straße, Hund zerrt Frauchen-Oma samt Rollator auf die Fahrbahn? Mitnichten.

Monströse Kinderwagen
Auf der Landsbergstraße war lediglich ein Geländewagen vor mir. Eines dieser lächerlichen Vehikel, mit denen man Paris-Dakkar fahren könnte, die aber noch nie Gelände gesehen haben, weil sie in Köln nur innerstädtisch von irgendwelchen Vollpfosten bewegt werden, die unbedingt den Größten haben wollen. Und was macht der Wagenlenker vor mir? Satt sich über den künstlichen Hindernis-Parcours aus Sleeping-Policeman-Hubbeln zur Verkehrberuhigung zu freuen, legt er jedes Mal eine Vollbremsung hin, um anschließend sein monströses Gefährt  gaaanz vorsichtig über die Welles zu bugsieren. Von meinem Kleinwagen-Gehupe ließ sich der Typ natürlich nicht im Mindesten beeindrucken. Besonders lieb sind mir diese Zeitgenossen auch, wenn auf der Autobahn die linke Fahrspur durch irgendwelche Bauereien verengt ist. Da blockieren sie gern den Verkehr, weil sie sich wegen der Überbreite ihrer Off-Road-Limousinen nicht an den LKWs vorbeitrauen. Könnte ja Kratzer geben. Aber deshalb auf die rechte Spur wechseln? Kommt ja gar nicht in Frage! Man kauft sich doch nicht so eine sündhaft teure Karre, um sich dann zwischen Nutzfahrzeugen einzureihen. Mit Verlaub: Kann man diese Mischpoke nicht in Hahnwald oder Marienburg einschließen, sie in die Wahner Heide entsorgen oder sie wenigstens zur Kasse bitten, wenn sie mit  ihren überdimensionierten Kinderwagen in der Innenstadt  zwei Parkplätze beanspruchen?

Kölner in Köln
Da lob´ ich mir doch den Quell der Erheiterung, den mir der örtlichen “Stadtanzeiger“ täglich auf seiner lokalen Klatschseite gewährt. Da Köln doch Weltstadt ist und die Blattmacher sich mindest mit der New York Times in einer Reihe sehen, gibt´s da die Rubrik „Promis in Köln“. Und welche Weltstars tauchen da auf? Jürgen Becker, Anke Engelke, Joachim Król oder Marie-Luise Nikuta… Whow, das sind News! Kölner halten sich in Köln auf! Und wenn da doch mal Auswärtige auftauchen, steht da meist  nur zu lesen, dass sie im kommenden Jahr zu einem Gastspiel im Stadion oder der Arena anrauschen werden. Der beste Gag der letzten 14 Tage hat indirekt auch mit dem Stadtanzeiger zu tun. Konstantin Neven DuMont hat sich für den Job des WDR-Intendanten beworben. Konstantin wer? Genau. Der Sprössling unseres Großverlegers, der eigentlich auserkoren war, den Laden demnächst zu übernehmen, bis er vor drei Jahren zur Lachnummer der Nation avancierte. Unter mehr als hundert verschiedenen Tarnnamen hatte DuMont Jr. wirre Kommentare auf der Seite des Medien-Bloggers Stefan Niggemeier abgesondert. Als der den Absender über die IP-Adresse ermittelte und öffentlich machte, wollte der Verlegersohn es aber auf keinen Fall gewesen sein. Am Ende kostete ihn die hochnotpeinliche Affäre nicht nur den Segen von Big Daddy, sondern auch die sicher geglaubte Karriere im Familienbetrieb. Sockenschuss.

Seitdem betreibt Konstantin Neven DuMont im Netz eine Ratgeber-Plattform namens Evidero, die sich – so steht da zu lesen – „der Frage stellt, wie wir alle glücklicher und besser leben können“. Was ja schon mal ein dolles Unternehmenskonzept ist. Und jetzt also die Bewerbung um die Nachfolge der aus gesundheitlichen Gründen ausscheidenden Monika Piel. Und der Witz ist: Der meint das ernst! Und was hat er als Nachweis seiner Kompetenz anzubieten? „Auch wenn ich bisher eher mit Print und Online zu tun hatte, habe ich genügend Erfahrung, was Bewegtbild angeht. Beispielsweise als Moderator im Lokalfernsehen und mit meiner Plattform Evidero, wo auch Videos zu finden sind.“ Hat er letztens in einem Interview erzählt. Dabei besteht seine TV-Erfahrung in einer Plauderrunde, die er einst in unserem drolligen Ortsheimatsender „Center TV“ moderiert hat. Echt irre. Sockenschuss, Profilneurotiker oder einfach nur ein Gernegroß mit Realitätsverlust, der sich an goldenen Löffeln verschluckt hat? Da hätte sich Silvio Berlusconi auch um den Job als Papst bewerben können. Aber bei dem ist ja auch nicht auszuschließen, dass er kurz darüber nachgedacht hat.

Philosophenschwemme
Noch mal Sockenschuss. Letztens saß im Fernsehen mal wieder so ein Übungsleiter irgendeines Ballspielvereins und erklärte seine „Philosophie“, die facto in der Überlegung bestand, dass es Erfolg versprechend sein könnte, vorn mehr Tore zu schießen als hinten welche reinzukriegen. Chapeau! Okay, ich hab´ das mal studiert und bin da vielleicht überempfindlich. Aber wer in aller Welt hat eigentlich damit angefangen, jeden Viertelgedanken, der ihm durch die Rübe rauscht, als „Philosophie“ auszugeben. Im Fußball vermutlich der intellektuelle Überflieger Christoph Daum auf Koks. Aber der inflationäre Gebrauch dieses Dummsprechs erfreut sich ja keineswegs nur bei den Funktionären der Leibesertüchtigung zunehmender Beliebtheit. PR-Agenturen, die Bahn, der Zoo, die Müllabfuhr und natürlich der Einzelhandel – alle haben inzwischen eine „Philosophie“. „Seit Jahren ist es unsere Philosophie, unsere Kunden zufrieden zu stellen“, heißt es da. Was übersetzt ja nix anderes meint als: Wir wollen möglichst viel von unserem Krempel verhökern und ordentlich Geld verdienen. Was ja legitim, aber definitiv keine Philosophie ist, die mit Ach und Krach bei der letzten Rechtschreibreform noch an der „Filosofie“ vorbeigeschrammt ist. Ein wahres Philosophen-Biotop findet sich natürlich auch im Tele-Shopping, wo derzeit in „Bastel-Shows“ wieder massenhaft Bausätze für potthässliche Grußkarten zum Osterfest feilgeboten werden. Wenn ich da durch meinen massenhaften Konsum dieses TV-Angebots richtig liege und die Zuschauerinnen, die sich per Telefon ins Studio durchstellen lassen, richtig einschätze, handelt es sich bei den Stammkundinnen vorwiegend um alleinstehende, ältere Damen mit sächsischem Zungenschlag. Lange Jahre hab´ ich gerätselt, was diese betagten Singles eigentlich mit all den gebastelten drei D-Grußkarten machen, wo sie doch offenbar komplett vereinsamt sind. Auf den Fernseher stellen, sie als Grabbeigaben horten? Seit der letzten Karten-Offensive zu Weihnachten weiß ich, wie der Laden läuft: Die Omis schicken die Dinger, versehen mit den besten Wünschen  und der Bitte um ein Autogramm, an die Moderatoren ihres Shopping-Senders. Da sitzt man doch einfach nur ergriffen vor der Mattscheibe, raucht schnurgerade vor sich hin und findet das Leben einfach wunderbar.

Text: Reinhard Lüke

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