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Im Süden: Letzte Ruhe für die Obdachlosen

Sonntag, 18. November 2012 | Text: Susanne Finken | Bild: Karsten Schöne

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Auf dem Südfriedhof:  Gelbe Ahornblätter sorgen für Farbtupfer im Novembergrau.  In dieser Woche haben zwei  Obdachlose hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Trauergemeinde: vorwiegend Menschen ohne festen Wohnsitz. Potenzielle Störenfriede der Friedhofsruhe, mag mancher befürchten, mit Bierflasche und Hunden unterwegs zu Flur 27. Dort finden diejenigen eine letzte Heimstatt, die vor dem Tod keine feste Adresse hatten. In Köln gibt es viele Friedhöfe, aber nur auf dem Südfriedhof ein Gräberfeld für die Beisetzung Obdachloser. Die „Interessengemeinschaft Bestattung obdachloser Menschen“  hat dieses Grundstück 1997 erworben, erzählt uns Thomas Kremer,  mit dem wir vor Ort verabredet sind.

Als Bestatter in zweiter Generation ist er Fachmann für die letzten Dinge und erklärt uns die Hintergründe: Jedes Jahr sterben in Köln ungefähr 700 Menschen, um deren Bestattung sich niemand kümmert (und für die niemand bezahlt), darunter ungefähr 20 Obdachlose. Für sie alle muss die Stadt einspringen, und sie will die Kosten dabei möglichst gering halten. Also werden die Toten eingeäschert und auf Sammelgrabstätten beigesetzt. Die früher gängige Praxis der anonymen Gräber hat sich geändert:  „Mittlerweile darf niemand mehr gegen seinen Willen anonym beigesetzt werden“, Mittellosigkeit darf dafür kein Kriterium sein.  Kremer, im Vorstand des Katholikenausschusses der Stadt Köln, hat die Interessengemeinschaft mit ins Leben gerufen, weil es seiner christlichen Auffassung widerspricht, Tote spurlos verschwinden zu lassen. Umso mehr bei Menschen, die bereits im Leben kaum Spuren hinterlassen haben.  Auf Flur 27 ist in Stein gemeißelt, was Gott laut Bibel dazu zu sagen hat: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“  Für die Zukunft ist die Aufstellung einer Säule geplant, die die Besucher daran erinnert: „Im Hause Gottes sind viele Wohnungen“.

Im Tod sind alle gleich.

 

Am heutigen Tag wirken die Gräber verwaist. Das ist die Ausnahme, versichert uns Kremer. Oft trifft man hier Freunde und Bekannte der Toten an, im Sommer auch mit Klampfe oder Mundharmonika. Bei einer Beisetzung fließt schon mal ein Schluck Bier aufs Grab, als sei´s ein heidnisches Trankopfer für die Verstorbenen; jedenfalls ist die Trauergemeinde bunter und bringt mehr Leben zu den Toten, als „normale“ Friedhofsbesucher. Für manche zu viel Leben, nicht immer verläuft das Miteinander reibungslos: In früheren Jahren wurden auf benachbarten Gräbern Laternen geklaut und „umgewidmet“. Inzwischen gibt es auf dem Gräberfeld Grabkerzen. Trennhecken, die die Anlieger hektisch hochgezogen hatten, konnten wieder entfernt werden, man versucht miteinander auszukommen. Wie war das – im Tod sind alle gleich?!

Auskommen muss man auch mit der Verwaltung, weiß Kremer und erzählt nur der Vollständigkeit halber die Geschichte einer Grabstättenschenkung, die nicht angenommen werden durfte, weil sie die Gräber der Obdachlosen zu „populär“ platziert hätte.  Mit uns über den Friedhof geht er nicht nur, um unsere Artikelserie über Obdachlose in Köln zu vervollständigen, sondern auch, weil er auf das Interesse einer Öffentlichkeit angewiesen ist: Die Interessengemeinschaft benötigt Spenden. Grabstätten müssen vorfinanziert, ausgemusterte Grabsteine neu beschriftet und montiert werden. Einmal im Jahr trifft er sich mit seiner, nun ja, Zielgruppe, an Allerheiligen, und stellt die Frage, wie es weitergehen soll.
Was aber bringt das Engagement der Interessengemeinschaft den Obdachlosen Kölns?

Thomas Kremer, Bestatter und Initiator der „Interessengemeinschaft Bestattung obdachloser Menschen“.

 

Die Gewissheit, über den Tod hinaus für die Freunde „erreichbar“ zu sein, sichtbar, wahrnehmbar in Erinnerung zu bleiben. Einen Ort des Miteinander, des Gedenkens. Und Pflichten, die durchgeführt werden wollen: Mit-Verantwortung zu übernehmen  für die Pflege der Gräber. Nicht immer mit Begeisterung, aber: zu Allerheiligen war alles tipptopp sauber, versichert Kremer.
Von den Betroffenen wird die Idee also gut angenommen. Eine Obdachlose, weiß Kremer, investiert ihr erbetteltes Geld weder in Alkohol noch andere gesundheitsgefährdende Substanzen, sondern: „Die kauft damit Grabschmuck“.

Spenden für die Interessengemeinschaft an Konto Nr. 1475 4040 bei der Pax Bank Köln, BLZ 370 60 193, Betreff: Obdachlosengrab. Für abzugsfähige Spendenquittungen und einen Bedankungsbrief ist es nötig, bei der Überweisung die Adresse des Spenders im Betreff zu erwähnen.

 

 

 

Weitere Artikel zum Thema finden Sie hier:

„Bitte nicht ‚Gott’ erwähnen“ und „Wer kann eine Urne tragen?“ von Sabine Kempf.

 

Übrigens: Auch die evangelische Kirche kümmert sich um Obdachlosen-Bestattungen. „Wenn Obdachlose sterben“ heißt der Artikel von Meine Südstadt-Reporterin Sonja Schmitz .

Text: Susanne Finken

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