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Kolumne

Mach dat See nich Pippi

Mittwoch, 28. Mai 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Eschweiler? Da muss man vermutlich nicht gewesen sein. Und seitdem Walter Eschweiler nicht mehr Bundesliga pfeift, kommt einem der Name im öffentlichen Leben ja höchtens noch bei Staumeldungen auf der A 4 unter. Aber vor einer Woche machte die Kleinstadt Richtung Aachen mal richtig von sich reden. Mit einer Entscheidung, die die Republik noch mächtig erschüttern könnte. Genauer gesagt, waren es Mitarbeiter des Standesamtes Eschweiler. Nun stelle ich mir das Leben eines Standesbeamten im Regelvollzug nicht sonderlich spannend vor. Immer nur Treueversprechen beglaubigen, Paare grinsend zum Knutschen auffordern, Sterbe- und Geburtsurkunden ausstellen – da geht man doch auch nicht mehr jeden morgen frohgemut zum Dienst. Doch dann stand da eines Morgens ein Paar im  Amt und wollte die Geburt seiner Tochter melden.

Eschweiler? Da muss man vermutlich nicht gewesen sein. Und seitdem Walter Eschweiler nicht mehr Bundesliga pfeift, kommt einem der Name im öffentlichen Leben ja höchtens noch bei Staumeldungen auf der A 4 unter. Aber vor einer Woche machte die Kleinstadt Richtung Aachen mal richtig von sich reden. Mit einer Entscheidung, die die Republik noch mächtig erschüttern könnte. Genauer gesagt, waren es Mitarbeiter des Standesamtes Eschweiler. Nun stelle ich mir das Leben eines Standesbeamten im Regelvollzug nicht sonderlich spannend vor. Immer nur Treueversprechen beglaubigen, Paare grinsend zum Knutschen auffordern, Sterbe- und Geburtsurkunden ausstellen – da geht man doch auch nicht mehr jeden morgen frohgemut zum Dienst. Doch dann stand da eines Morgens ein Paar im  Amt und wollte die Geburt seiner Tochter melden. Auf die Frage, wie das Kind denn heißen solle, verkündeten die stolzen Eltern: “Jacqueline!“. „Aha, noch eine“ oder sowas wird sich der polyglotte Mann (oder war´s eine Frau?) hinterm Schreibtisch gedacht haben. Aber als er dann den Namen routiniert in seine Tastatur zu hacken begann, begehrten die Antragsteller unvermittelt auf. Nein, nein, so ausländisch wollten sie den Namen nicht geschrieben wissen. Sondern? „Schaklin“! Alle geduldig vorgetragenen Hinweise auf die doch irgendwie gebräuchlichere Schreibweise wollten nichts fruchten. Das Paar blieb hartnäckig bei „Schaklin“.



 

Schaklin ist okay


So zog man sich im Standesamt Eschweiler vermutlich zur Beratung zurück, studierte Paragraphen und verkündete dann: „Okay, geht.“ Begründung: Weil das phonetisch mit der korrekten Schreibweise übereinstimme, müsse man das von Amts wegen so durchgehen lassen. Die zufriedenen Eltern mussten lediglich noch unterschreiben, dass der Beamte sie ordnungsgemäß darauf hingewiesen hatte, dass ihre Buchstabierung des Namens nicht ganz die korrekte ist. Werden sie locker gemacht haben. Womöglich gehören sie zu jenen Zeitgenossen, die Rechtschreibung ohnehin für Geschmacksache halten und sich durch sowas wie Grammatik in ihrer freien Entfaltung beeinträchtig fühlen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass sie es in erster Linie auch für Oma und Opa gemacht haben. Das mit „Schaklin“. Da muss Senioren doch das Herz bluten, wenn sie die Vornamen ihrer niedlichen Enkelchen nicht aussprechen können. Ich erinnere mich jedenfalls noch gut an einen rüstigen Rentner auf dem Spielplatz An der Eiche, der regelmäßig einen Jungen mit Schüppchen und Eimerchen zu sich zitierte, indem er etwas rief, das mir immer wieder wie „Pieselbär“ klang. Bis sich dann eine junge Frau, die Mutter vermutlich, dazu gesellte und den Kleinen fröhlich mit „Hallo, Pierre Gilbert!“ begrüßte. Wie würde man das auf Eschweilerisch wohl schreiben? Womöglich „Piäa Schilbäa“. Aber in manch kölschem „Üffes“ steckt schließlich auch nur ein kleiner „Yves“. Großeltern, da bin ich mir sicher, wären jedenfalls dankbar, wenn die Namen ihrer Enkel auch so geschrieben würden, wie sie gesprochen werden. Also, irgendwie richtig. So freuen wir uns auf Zeitungsannoncen, in denen Eltern zunehmend die Geburten von Rottschas, Nänzys, Schantals oder Schaninas bekanntgeben.
Womit auch der Klassiker des Kevinismus (Oma mit Enkelin im Streichelzoo: „Schantal, mach dat Mäh ma Ei“) auch in der Schriftform schon fast korrektes Deutsch wäre. Fragt sich nur, ob die neue Freizügigkeit aus Eschweiler auf Eigennamen beschränkt bleiben soll oder wir in absehbarer Zeit auch Schickoree, Schpagetti, Kisch und Börga futtern müssen.  


Nackig im Seniorenheim


Mal wieder was aus der Rubrik „Die spinnen, die Amis!“. Womit ich jetzt mal nicht NSA und Schnellfeuerwaffen unterm Weihnachtsbaum meine. Eher die Meldung, dass an der Ostküste jetzt ein Mann ein Seniorenheim wegen „sexueller Perversion“ verklagt hat. Aha, Missbrauch von Pflegebedürftigen? Geht natürlich gar nicht. Mitnichten. Der Typ hatte im Nachtschränkchen seiner 85jährigen Mutter lediglich ein Foto entdeckt, auf dem zu sehen ist, wie die alte Dame einem fast nackten Muskelprotz ein paar Dollar-Scheine in den knappen Schlüpfer steckt. Entstanden war die Aufnahme während eines Seniorenabends, zu dem sich die Damen ausdrücklich eine Stripshow gewünscht hatten. Das versteht man doch. Immer nur Bingo, sinnfreies Basteln und Volkslieder singen, da verblödet man doch. Weil die Frauen auch die Gage für den Ausziehkünstler -sie soll sich auf 250 Dollar belaufen haben- aus der eigenen Tasche berappen wollten, hatte die Heimleitung dem Ansinnen zugestimmt. Ein männlicher Mitbewohner, so es die da gegeben haben sollte, oder Pfleger wäre vermutlich preiswerter gekommen, aber die Omis wollten lieber was Knackiges. Wenn schon, denn schon. Und ein schönes Erinnerungsfoto war offenbar auch im Preis inbegriffen. Was die Damen damit machen, ist wohl ihre Sache. Wichsvorlage? Sollen sie doch! Spart doch Schlaftabletten ohne Ende. Jedenfalls verstand Junior keinen Spaß, verwies darauf, dass Mutti schließlich lebenslang fromme Baptistin gewesen sei und es sich deshalb nur um eine Art Vergewaltigung handeln könne. Zu dumm nur, dass die lächelnde 85jährige auf jenem Foto definitiv nicht leidend aussieht. Ich finde, Stripshows in Seniorenheimen sollte auch hierzulande Schule machen. Dabei fielen schließlich auch noch ein paar lukrative Nebenjobs für manche Jünglinge ab, deren Schinderei in Mucki-Buden so endlich in eine sinnvolle Tätigkeit überführt werden könnte.  


Keine Knöllchen für Enten



 

Ortswechsel an die Westküste. Portland im landschaftlich recht hübschen Oregon. Dort hat letztens ein nicht mehr ganz nüchterner 19jähriger zu nächtlicher Stunde in einen See uriniert. Ist nicht schön, kommt aber vor. Blöd für ihn, dass seine Tat von einer Überwachungskamera festgehalten wurde. Wäre aber eigentlich auch noch nicht der Rede wert. Aber da es sich bei dem  Gewässer um ein Trinkwasser-Reservoir handelt, hat die zuständige Verwaltung von Portland jetzt entschieden, die 144 Millionen Liter des Sees abzulassen. Komplett. Wegen akuter Trinkwasserverseuchung und Gesundheitsgefahr für die örtliche Volksgemeinschaft. Ich meine, was haut man so raus, wenn man nach einer Zecherei ordentlich Druck auf der Blase hat? Ein halben Liter, vielleicht sogar einen ganzen? Keine Ahnung. Ich habe in solchen Fällen selten einen Messbecher zur Hand. Jedenfalls besteht Pipi zu 95 Prozent aus Wasser, angereichert mit ein Paar Säuren, Salzen und sonstigem Kleinkram. Die Brühe ist nicht unbedingt lecker, führt aber keineswegs zum sofortigen Exitus. Auch pur nicht. Aber in Portland lassen sie deshalb 144 Millionen Liter Trinkwasser ab. Wenn der jugendliche Täter dafür Schadenersatz leisten muss, wird er sich jedenfalls den Rest seines Daseins daran abarbeiten. Das pissende und kackende Viehzeug im, am und auf dem See bleibt von der rigiden Regelung übrigens auch weiterhin ausgenommen. Enten, Schwänen und Fischen kann man finanziell ja eher schlecht beikommen.   

 

 

Foto: JKCarl/ CC-BY-SA-3.0

Text: Reinhard Lüke

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