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Kolumne

Nackig auf der Müllkippe

Mittwoch, 3. September 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

War am vorletzten Wochenende auch auf dem Straßenfest in der Merowinger Straße. Oder der „Mero“, wie die jetzt offenbar heißt. Alles nett, alles schön. All die hübschen Geschäfte, Bistros und anderen Lokalitäten. Auf der Straße fast nur Bekannte. Man war praktisch unter sich. Feine Sache, aber auch irgendwie blöd. Genau wie die Mero. Könnte auch sagen, die Mero ist fertig. Fertig umgebaut. Im Sinne von durchgestyled. In ihrer jetzigen Anmutung könnte man sie auch in eine angesagte Ecke des Prenzelbergs verlegen, ohne dass sie da negativ auffallen würde. Nachdem inzwischen auch die letzte Discounter-Filiale dichtgemacht hat, gibt’s da kaum noch einen Laden, in dem alteingesessene Normalbürger ohne Hochschulabschluss und/oder irgendwelche kreative Lebensentwürfe anzutreffen wären.

War am vorletzten Wochenende auch auf dem Straßenfest in der Merowinger Straße. Oder der „Mero“, wie die jetzt offenbar heißt. Alles nett, alles schön. All die hübschen Geschäfte, Bistros und anderen Lokalitäten. Auf der Straße fast nur Bekannte. Man war praktisch unter sich. Feine Sache, aber auch irgendwie blöd. Genau wie die Mero. Könnte auch sagen, die Mero ist fertig. Fertig umgebaut. Im Sinne von durchgestyled. In ihrer jetzigen Anmutung könnte man sie auch in eine angesagte Ecke des Prenzelbergs verlegen, ohne dass sie da negativ auffallen würde. Nachdem inzwischen auch die letzte Discounter-Filiale dichtgemacht hat, gibt’s da kaum noch einen Laden, in dem alteingesessene Normalbürger ohne Hochschulabschluss und/oder irgendwelche kreative Lebensentwürfe anzutreffen wären. Dabei singen wir doch alle regelmäßig das hohe Lied auf die Südstadt, weil hier die Mischung der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen noch wunderbar intakt ist. Keine Ahnung, ob sie das noch ist. Beim Straßenfest beschlich mich jedenfalls der Verdacht, dass wir längst Teil jener Gentrifizierung sind, die wir aus guten Gründen doch immer so anprangern. Klar, die meisten von uns fahren weder dicke Autos und haben stattliche Einkommen, noch wohnen wir in schicken, sündhaft teuren Lofts. Wir wurschteln uns eher so durch. Und ich gehe auch nicht davon aus, dass die Läden auf der Mero in absehbarer Zeit durch Gucci- oder Prada-Dependencen ersetzt werden. Trotzdem. Angesichts all der netten Boutiquen und gemütlichen Trattorias drängt es mich irgendwie unbändig, mich für den Erhalt von kik, Ein-Euro-Laden, Kodi und der letzten Eckkneipen auf der Severinstraße einzusetzen. Ich möchte nicht, dass da irgendwann überall Bio-Supermärkte oder Einzelhandelsgeschäfte einziehen, die toskanische oder provencalische Lebensart feilbieten. Und was die Straßenfeste angeht: „Der längste Desch“ muss unbedingt erhalten bleiben! Schon um der Verödung entgegenzuwirken. Und der Mischung wegen.

Sehenswerter Müll

Bei Fahrten über die Dörfer beindruckt mich immer wieder der Drang der Gemeindeoberen, selbst in den kleinsten Nestern möglichst viele Hinweistafeln aufzustellen. Da inzwischen jedes Kaff mindestens eine Partnergemeinde im europäischen Ausland hat, steht da in der Dorfmitte immer eine Tafel, auf der Himmelsrichtungen und Entfernungen der befreundeten Ortschaften ausgewiesen sind. Nun gut, da mag in erster Linie nur der Stolz der Bewohner zum Ausdruck kommen, zwar am Arsch der Welt zu wohnen, aber trotzdem aktiv am europäischen Gedanken teilzuhaben. Dem Bürgerstolz ist vermutlich auch zu verdanken, wenn da ein „Gewerbepark“ ausgewiesen wird, obwohl auf dem Areal nur ein Zwei-Mann-Betrieb einen gut gehenden Schrottplatz betreibt. Auch die Schilder, die auf den örtlichen Fußballplatz, inzwischen gern „Sportpark“ genannt, hinweisen, machen irgendwie noch Sinn. Müssen die Gastmannschaften in diesen 300-Seelen-Nestern nicht endlos rumkurven und sich mühsam zum Aschenplatz durchfragen. Ähnliches gilt für die Hinweisschilder zu Schützen-, Fest- oder Bürgerhallen, in die hin und wieder sicherlich auch auswärtige Bläsergruppen eingeladen werden. Rätselhafter erscheinen mit schon die Blechtafeln, auf denen, meist kurz hinter dem Ortseingangsschild, auf die Zeiten der Gottesdienste am Sonntag aufmerksam gemacht wird. Zum einen ist die Zahl der Kirchgänger ja auch auf dem Land inzwischen stark rückläufig und die letzten Schäfchen werden ja wohl wissen, wann sie sich zum Gebet einfinden müssen.

Komplett ratlos machen mich indes die Dinger, die sagen, wo die Zwergschule, gern „Schulzentrum“ genannt, der Friedhof, die Kläranlage und die örtliche Müllkippe zu finden sind. Letztere hört heute auch vielfach auf den Namen „Wertstoff-Zentrum“. Auch auf dem Land wissen Schüler gemeinhin, wo´s zur Schule geht. Auch wo sie ihre Verstorbenen zur letzten Ruhe abgelegt haben, ist Angehörigen in der Regel erinnerlich Ähnliches dürfte für die örtliche Mülldeponie gelten. Was soll das alles? Wollen die Verantwortlichen diese Notdurft-Einrichtungen für Scheiße und Restmüll womöglich als Sehenswürdigkeiten ausweisen, um damit den ländlichen Tourismus anzukurbeln? Aber wie stellen die sich das vor? Dass da Sonntagsausflügler gemütlich durchs Bergische oder die Eifel zockeln und bei den entsprechenden Hinweisschildern denken: „Ach, der Ort hat eine Kläranlage und eine Müllkippe. Das ist ja interessant. Die schau´ ich mir jetzt aber gleich mal an und mache ein paar hübsche Fotos.“?  Genau. Und einmal auf den Geschmack gekommen, buchen die Durchreisenden dann womöglich gleich eine Woche mit Vollpension im örtlichen Gasthof „Zum Hirschen“. Typisch  deutsch? Nicht ganz. Auch in Frankreich verzichtet nach meinen jüngsten Urlauberfahrungen kaum ein Kaff darauf, den Weg zur örtlichen Déchèterie auszuweisen. Aber das ist immerhin noch eine Mülldeponie. Kein „Wertstoffpark“.   

Rührend nackig

Wieder daheim, dachte ich, ich müsste abends eigentlich öfter RTL gucken. Rein von Berufs- wegen. Kann mich aber nie dazu durchringen. Ich persönlich kenne jetzt auch niemanden, der seine Abende mit den Erzeugnissen der Kölner Gute-Laune-Fabrik verbringt. Aber irgendwer muss sich all die Casting- und Dating-Shows reinziehen, die den Sender regelmäßig zum Marktführer machen. Ist wahrscheinlich wie mit ARTE. Nur umgekehrt. Der Kulturkanal liegt bei Umfragen auf der Beliebtheitsskala bekanntlich immer ganz vorn, aber die Quoten bewegen sich kaum oberhalb der Messbarkeitsgrenze. Egal. Jedenfalls hat RTL, dessen Kürzel anfangs mal für „Rammeln, töten, lallen“ stand,  mit „Adam sucht Eva“ jetzt donnerstags ein Kuppelformat im Programm, bei dem sich Männlein und Weiblein auf einem Südsee-Atoll total nackig näherkommen sollen. Nackig!!! Irre!!! Abgesehen davon, dass es kaum was Unerotischers als Nacktheit gibt, rührt einen die Vorstellung doch irgendwie, dass die RTL-Strategen ernsthaft glauben, mit derlei Ringelpiez ließe sich 2014 noch irgendwer hinter dem Ofen hervorlocken. Zumal die beiden Versuchskarnickel der ersten Ausgabe – ich hab´ sie mir in der Mediathek angesehen; rein von Berufs wegen – sichtbar nur obenrum blank waren. Unten hing entweder keusch ein Zweiglein vorm Gemächt oder es kam die Pixelei zum Einsatz. Meine Güte, da waren ja die Schulmädchen- und Hausfrauen-Reports in den 70ern vergleichsweise rattenscharfe Filmkunst. In den USA soll das Format allerdings wie Bolle laufen. Was nicht verwunderlich ist in einem puritanisch verklemmten Land, das täglich nahezu 1000 neue Porno-Streifen mit gigantischem Silikon-Einsatz auf den Markt wirft, aber Oben ohne an öffentlichen Stränden mit der Todesstrafe ahndet.
 

 

Bild: Strandkörbe / Foto: MrsMyer CC-BY-SA-3.0

Text: Reinhard Lüke

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