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Familie Gesellschaft

„Patchwork ist, wenn man trotzdem lacht“

Montag, 12. April 2010 | Text: Jens Rosskothen | Bild: Jens Rosskothen

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Es gibt diese Momente, wo es mir auffällt. Dann spreche ich stolz von meiner Tochter und weiß genau, sie würde es nicht mögen, wenn ich sie so nenne. Denn ich bin nicht ihr Vater. Das heißt, ein bißchen Vater darf’s ja sein. Aber erst die Silbe „Stief“ macht es definierbar.

S T I E F V A T E R. Gute Güte, das klingt nach gefühlskalter Märchenfigur. Deshalb ist Stieftochter auch verflucht, den rettenden Prinzen zu finden. Dauert’s etwas länger, hat der dann schon ein Kind aus dem ersten Märchen und Patchwork lebt glücklich bis an ihr Ende…
Siefvater-Mutter-Tochter-Halbbruder: Klappe auf, Patchwork rein, Affe tot.

 

Dies ist nur eine Reihenfolge möglicher Rollenmuster, und eine Prise Liebespaar rundet das  familientherapeutische Formulierungsmenue ab. Doch letztlich schmeckt es fade, denn nichts trifft wirklich die verschiedenen Rollenmuster, die solch eine zusammengepuzzelte Familie mit einem schiefen Grinsen für einen bereithält. Schon die traditionelle Kernfamilie verlangt ja mittlerweile einen für ungelenkige Träumer schmerzhaften Rollenspagat. Und bei Patchwork (= Flickenteppich) reißt es einem die Beine dann schier gänzlich auseinander. Doch darauf will ich mich nicht einlassen. Schon gar nicht auf der begrifflichen Ebene. Denn das wüßte ich, daß mein Sohn nur der Halbbruder der Tochter meiner Frau ist. Entweder ganz oder gar nicht. Ich liebe meine Frau ja auch nicht nur bis zum Bauchnabel. Ach, die Liebe. Letztendlich ja hoffentlich auch bei Patchworkfamilien der entscheidende Grund für die Zusammenkunft von Frau und Mann mit kindlichem Anhang.

Und da sind wir schon beim emotionalen Chaos der ewigen Suche nach dem großen Glück, das, etwas verspätet und wunderschön, erst nach der Schwangerschaft um die Ecke bog. Märchen rückwärts, aber Prinz bleibt Prinz und Liebe kennt keine Richtung. Doch diese Liebe, die bei meiner Frau und mir doch bitte ewig währen soll und bei meinem Sohn just beim Zeugungsakt mitgeliefert wurde, zickt bei der Beziehung zu meiner Sieftochter rum. Bei meinem Sohn reagiert der Bauch, bei meiner Tochter (das „Stief“ hab‘ ich gerade im Klo runtergespült…) schaltet sich auch immer wieder der Kopf ein. Die Liebe scheint nicht automatisch ins Herz gepflanzt.

Doch hat man sich damit erst einmal abgefunden und auf die Vielschichtigkeit von Patchwork eingelassen, jenseits eindimensionalen Vokabulars, ein Grinsen wandert durchs Gesicht. Denn auch die Beziehung zu der Schwester meines Sohnes ist eine ganz große, einzigartige. Manchmal brauche ich nur einen kleinen, sinnlich klaren Blick, losgelöst von allen Erwartungen, wer denn hier wen wie zu lieben hat, und schon sehe ich zwischen dem ganzen Alltagswahnsinn ein Dreamteam. Die besten Sportteams sind Patchwork.

 

Doch wem sag‘ ich das. In der Südstadt ist man als Patchworkfamilie ja nicht gerade Individualist. Da könnte sich glatt ein Wassertropfen im Meer als gewagt außergewöhnliche Materie bezeichnen. Noch ein paar Generationen, und wir sind hier sowieso alle miteinander verwandt.

Im gesamten Lande sind mittlerweile 7% aller Familien Flickenteppiche. Das bedeutet, 1,5 Millionen Kinder wachsen mit einer Stiefmutter oder einem Stiefvater auf. Nicht selten natürlich auch mit Stiefgeschwistern. Kein Wunder also, daß sich auch die Psychologie schon eingehend mit dieser gesellschaflichen Lebensform auseinandergesetzt hat. So existieren in Köln zahlreiche Adressen, die informieren und fachliche Hilfe anbieten.  Da gibt es Gesprächsgruppen für Patchworkpaare  und Selbsthilfegruppen für Stiefmütter und Stiefväter. Nicht um zu lamentieren, sondern um zu relativieren und die eigene Problematik nicht als generell hausgemacht einzustufen. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja dort, tauschen uns aus und kommen ein wenig zu der Überzeugung, daß Flickenteppiche komplizierter aussehen, als sie gemacht sind.

Denn letztlich ist es auch in unserem Fall ganz einfach: Irgendwann hat sich mal ein kleines Mädchen in mich verliebt, worauf ich mich augenblicklich in deren Mutter verliebte, die (das denk‘ ich manchmal) schon alleine deswegen sofort schwanger wurde, in Liebe unseren Sohn gebar, der sich Hals über Nabelschnur in seine Schwester verliebte.
Auf irgendeine Art lieben wir uns also alle irgendwie.
It’s only patchwork, but I like it…!

 

 

Beratungsadressen zum Thema Patchwork:

Kath. Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen
Steinweg 12
50667 Köln
Telefon: 0221  205 15 15
www.efl-koeln.de

Evangelische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Tunisstraße 3
50667 Köln
Telefon: 0221 257 74 61
www.kirche-koeln.de

Erzbistum Köln, Ehe-und Familienpastoral
Marzellenstr. 32
50668 Köln
Tel.: 0221 1642 1172
www.erzbistum-koeln.de/seelsorge/ehe_familie/alleinerziehende/kursprogramm/patchwork.html

Dipl.Psych. Katharina Grünewald
Schumannstr. 22
50931 Köln
Tel.: 0221 2606 0440
www.patchworkfamilien.com

Renate Kellendonk
Simon-Meister-Str. 25
50733 Köln
Tel.: 0221/ 732 9690
www.renate-kellendonk.de/beratung_patchworkfamilien.html
 

Text: Jens Rosskothen

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