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Familie Gesellschaft

Kurzarbeit im Baui – Kein Schutzschirm für Jugendzentren

Dienstag, 16. Juni 2020 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Nora Koldehoff

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Gerade erst durften die Jugendzentren unter Hygieneauflagen wieder öffnen. Trotzdem bleibt an den beiden Montagen vor den Sommerferien der Bauspielplatz Friedenspark geschlossen: Da die gesamte hauptamtliche Belegschaft des Trägers Jugendzentren Köln gGmbH („JugZ“) aus finanziellen Gründen in Kurzarbeit gehen muss und der Einsatz von Honorarkräften ebenfalls stark eingeschränkt ist, ist eine Öffnung über die gesamte Woche derzeit nicht möglich. Für die Ferien wird die Kurzarbeit der Mitarbeiter*innen allerdings ausgesetzt, um ein zuverlässiges und umfassendes Freizeit-Angebot zu gewährleisten. Da die Sommerfahrt des „Bauis“ wegen Corona ausfallen muss, ist die Einrichtung in diesem Jahr die kompletten sechs Wochen montags bis freitags für Kinder bis 18 Uhr geöffnet und beginnt das Programm auf dem Bauplatz täglich vier Stunden früher als gewohnt schon um 11 Uhr.

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Ein Kraftakt auch in Sachen Organisation für das Team, dies trotz der angespannten Finanz-Situation anbieten zu können – einen Etat für Materialeinkäufe für das Programm gibt es in diesem Jahr ebenfalls nicht. Doch fällt ja in diesem Jahr nicht nur die Ferienfreizeit aus, sondern für viele Kinder auch der geplante Familienurlaub – sei es aus Vorsicht wegen der Pandemie, oder weil Elternteile gezwungen waren, ihren Urlaub in die Lockdown-Zeit vorzuverlegen, oder weil wegen Einkommenseinbußen in vielen Familien das Geld knapper ist. „Auf dem Rücken der Familien soll der Engpass ja nach Möglichkeit nicht ausgetragen werden“, sagt David Becker, Pädagoge am Baui. „Daher wollen wir die Öffnung in den Ferien-Wochen nicht auch noch beschneiden. Aber unter den gegebenen Voraussetzungen ist das ein Balanceakt.“ Wie genau es nach den Ferien weitergeht, ist noch unklar.

Familien während der Pandemie besonders belastet

Die JugZ gibt es als Träger von Kölner Kinder- und Jugendeinrichtungen seit 1998, mit der Stadt Köln zu 51% und der Jugendhilfe Köln e.V. zu 49% als Gesellschafter. Damals umfasste die gGmbH 19 ehemalige städtische Einrichtungen, inzwischen sind es 20 und das Kölner Fanprojekt. Zwar wird immer wieder darauf hingewiesen, dass gerade Kinder und Familien aufgrund der Pandemie in einer besonders schwierigen Situation sind. Aber diese Sorge führt nicht zu finanzieller Unterstützung: Anders als für große Unternehmen scheint für die Jugendzentren kein Schutzschirm geplant zu sein. Dabei leisten sie mit ihren pädagogischen Konzepten und den offenen Gruppen weit mehr, als nur ein kostenfreies bis kostengünstiges Freizeit-Angebot.

Teile des Budgets selbst erwirtschaften

Das Hauptproblem in der Finanzierung besteht derzeit darin, dass die Jugendzentren einen Teil ihres Budgets selbst erwirtschaften müssen. Das steht wiederum dem Konzept entgegen, ein weitgehend kostenfreies Angebot mit pädagogischen Fachkräften bieten zu können. Im Bauspielplatz zum Beispiel werden die Einnahmen vor allem durch die Vermietung der Räume an den Wochenenden erwirtschaftet. Diese Veranstaltungen fallen aber seit Mitte März aus, keiner weiß, wie lange noch. Allein dadurch fehlen in der Ringfinanzierung des Trägers bereits etwa 20.000 Euro.

Erhöhter Aufwand ohne Einnahmen

Wie dringend die Wiederöffnung der Jugendzentren von Seiten der Zielgruppe erwartet wurde, merkten die Mitarbeiter*innen unter anderem am Feedback, das sie über das ergänzende Angebot des digitalen Jugendzentrums erreicht hatte. „Ich vermisse euch“ und „Wann macht ihr wieder auf?“ waren Fragen, die immer wieder gestellt wurden.

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„Jedoch ist seit der Öffnung der zeitliche und personelle Aufwand im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie ja nicht gesunken“, sagt Marianne Bischoff aus der Geschäftsführung und Fachbereichsleitung Jugend der JugZ. „Im Gegenteil: Durch das Desinfizieren von gemeinsam benutzten Oberflächen wird zum Beispiel mehr Zeit benötigt, und um Hygiene- und Abstandsregeln zu gewährleisten, mehr Personal. Sollten Veranstaltungen und Vermietungen bis zum Jahresende nicht möglich sein, wird sich das finanzielle Gesamt-Defizit auf rund 500.000 Euro belaufen.“

Förderverein kritisiert Fördersystem

Die Geschäftsführung hatte daher sowohl bei der Stadt, als auch beim Land mögliche Schutzschirme abgefragt – doch leider, so Marianne Bischoff, erhielt sie die Antwort, dass diese nicht greifen würden. Auf die Bitte um eine Stellungnahme hat sich die Stadt Köln bislang noch nicht geäußert.

Dass der größte Kölner Träger von Einrichtungen für Kinder- und Jugendarbeit sehr grundsätzlich um sein Fortbestehen bangen muss, hält Gabi Altmann vom Förderverein des Bauspielplatzes für einen Fehler im System: „Es sollte eine Selbstverständlichkeit für Stadt und Land sein, an dieser Stelle in die Bresche zu springen. Es gibt gerade jetzt so viel aufzufangen. Dass für eine qualifizierte offene Kinder- und Jugendarbeit kein Rettungsschirm greift, ist nicht nachzuvollziehen. Es kann nicht sein, dass diese Arbeit davon abhängig ist, ob Gebäude-Vermietungen und Veranstaltungen durchgeführt werden können.“

Text: Nora Koldehoff

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