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Bildung & Erziehung Familie

Freies Spiel für starke Kinder

Montag, 1. April 2019 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Nora Koldehoff

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

„Betreten des Bauspielplatzes nur für Kinder! Erwachsene ohne Begleitung von Kindern haben keinen Zutritt!“ Seit etwa einer Woche hängt das Schild über dem Weg zum Bauplatz am Bauspielplatz Friedenspark, in der Südstadt von allen „Baui“ genannt. Aufgehängt wurde es vom Team, weil vor allem bei gutem Wetter die Erwachsenendichte auf dem Platz ziemlich Überhand genommen hat. Ein Großteil der Eltern sitzt auf der Freitreppe vorm Adler, andere begleiten ihr Kind beim Bauen und Spielen zwischen den Hütten. „Der ‘Baui‘ ist etwas Besonderes“, sagt Sozialpädagogin Marietheres Waschk, „und für Viele auch erst mal etwas Ungewohntes, insbesondere in der Innenstadt. Die Hütten und anderen Bauwerke, die hier stehen, sind von Kindern und Jugendlichen gebaut und nicht TÜV-geprüft, wie auf herkömmlichen Spielplätzen. Wenn man hier spielt, muss man auch aufpassen, wo man hergeht und klettert. Aber gerade das macht den Platz ja so interessant und wertvoll. Die Kinder sind in ihrer Eigenverantwortlichkeit gefordert. Sie dürfen selbst ausloten, was sie wollen und was sie können – und auch, wobei sie Hilfe brauchen.“

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Selbstbestimmt ausprobieren

Das bedeutet nicht, dass die Kinder hier völlig selbst überlassen wären. Der Bauplatz des Jugendzentrums wird immer von zwei bis drei pädagogischen Kräften betreut. Wer etwas bauen will, kann gegen ein Pfand Werkzeug ausleihen und bekommt gezeigt, was dafür nötig ist: Wie man mit dem Werkzeug umgehen muss, Tricks für gutes Sägen, wie die geplante Hütte auch standfest wird – oder wie man ein Lagerfeuer richtig vorbereitet.

Foto: Dirk Gebhardt

„Wenn dann ein Elternteil danebensteht und sich einmischt,“ weiß David Thorausch, staatlich anerkannter Erzieher am Bauspielplatz, zu berichten, „dann soll das vielleicht beruhigend wirken; tatsächlich verunsichert es das Kind aber eher. Es soll ja selbst spüren dürfen, was es kann oder sich trauen und ausprobieren will. Gerade weil die Eltern für Kinder so wichtig sind, hat ihre Anwesenheit auch immer Auswirkungen auf deren Verhalten. Es ist ja völlig nachvollziehbar, dass alle ihre Kinder in größtmöglicher Sicherheit wissen wollen. Aber in diesem Bemühen dann Kinder in ihren Fähigkeiten zu beschneiden, hemmt sie. Wenn Eltern gerade zu Anfang lieber in der Nähe bleiben wollen, ist das ja auch auf dem Vorplatz oder im Innenhof auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite möglich.“

Zu Unrecht vertrieben?

Die ersten Reaktionen auf das Schild fielen gemischt aus. Während einige die zum „Mütterfelsen“ mutierte breite Treppe gegenüber dem Bauplatz auch vorher schon lieber gemieden haben und andere die Neuerung gleichmütig zur Kenntnis nehmen, fühlten sich wieder andere zu Unrecht vertrieben und beschwerten sich über das Schild. Ein Teil der Eltern nimmt auch weiterhin auf der Treppe Platz und begründet das damit, dass sie ihre Kinder nur begleiteten. Aber auch sie sollen dazu ermuntert werden, ihren Kindern elternfreie Spiel-Zeit auf dem Bauplatz zu ermöglichen.

Zusammen die Kinder unterstützen

Rainer Deimel, Referent beim „ABA Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“, kennt den Bauspielplatz und die Situation dort gut. „Wenn Eltern immer in Sichtweite bleiben und die Treppe bevölkern, ist das sicher gut gemeint – in der Wirkung aber kontraproduktiv“, befindet er. „Das hat ja schon optisch etwas von einer Arena: Die Kinder spüren, dass sie nahezu permanent unter elterlicher Beobachtung stehen. Wenn eine Situation entsteht, die einem Elternteil heikel vorkommt, springt es auf und greift ein. Das muss aber gar nicht unbedingt eine tatsächliche Gefahrensituation oder überhaupt eine Situation sein, mit der das Kind nicht selbst fertig werden könnte. Diese Chance wird ihm aber in dem Moment genommen. Kinder orientieren sich an ihren Eltern. Wenn sie von ihnen gesagt bekommen, sie könnten etwas nicht, ist das ebenso verunsichernd, wie das Gegenteil: Wenn sie hören, sie müssten etwas doch können. Ein sicheres Gefühl dafür, was man kann, muss man aber auch selbst entwickeln dürfen. Verständlich, wenn dabei ein Elternteil auch schon mal Sorge hat, aber wenn sich die Verunsicherung auf das Kind überträgt, ist nun mal niemandem geholfen.“

Rainer Deimel, Referent beim ABA-Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Dabei soll aber in keinem Fall ein Gegeneinander entstehen: „Offene Kinder- und Jugendarbeit braucht die Unterstützung der Eltern“, weiß Rainer Deimel. „Aber Eltern und Kinder brauchen eigene, unterschiedliche Bereiche. Loslassen heißt beschützen. Wohin es führt, wenn Kontrolle Überhand nimmt, zeigt sehr anschaulich die Reportage ‚Amerikas Eltern im Kontrollwahn?‘ Der überkontrollierende Weg, den viele Eltern in den USA gehen, sollte uns unbedingt eine Warnung sein.“


Das Team des Jugendzentrums Bauspielplatz Friedenspark veranstaltet am 4. April 2019 den Themenabend „Freies Spiel für starke Kinder“, zu dem Rainer Deimel am Fachgespräch „Loslassen heißt beschützen“ teilnehmen wird.

Der Themenabend ist offen für alle interessierten Eltern sowie pädagogische Fachkräfte und beginnt um 18.30 Uhr.

Text: Nora Koldehoff

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