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Gesellschaft

Jugendzentrum digital

Dienstag, 19. Mai 2020 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Nora Koldehoff

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Daniel Heimbach nimmt seine Kopfhörer ab. Der kleine Raum, in dem er mit seinem Kollegen Martin Frings sitzt, ist der Vorraum zu einem selbstgebauten Sendestudio. Alle, die noch vor die Kamera treten, werden hier empfangen und dürfen erst dann in den nächsten Raum weiterziehen, wenn dieser wieder frei ist und desinfiziert wurde. Daniel Heimbach arbeitet sonst im Jugendzentrum „Fzwei“ an der Flemingstraße. Er saß an diesem Tag bereits vor der Kamera und hatte seine Zuschauer gebeten, ihm Audio-Files zu schicken, die er in einen Beat einbaut, so dass ein Lied entsteht. Am gleichen Abend sollen die Ergebnisse im Discord-Chat zu hören sein.

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Als im März mit nahezu allen öffentlichen Einrichtungen auch die Jugendzentren ihre Türen für Besucher schließen mussten, drängte sich für deren Pädagog*innen die Frage auf, wie sie trotz der Kontaktsperre mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt bleiben können. Schnell entstanden Idee und Umsetzung eines digitalen Jugendzentrums.

Spiele-Tipps, Chat und ein Sende-Kanal

Auf der Netz-Hauptseite der Jugendzentren Köln („JugZ“) sind seitdem täglich neue Spiel- und Bastel-Tipps für jüngere Kinder abrufbar. Die älteren, die bereits soziale Medien nutzen, sind dazu eingeladen, Kontakt über den Online-Dienst „Discord“ aufzunehmen, in dem die Jugendzentren mit einem weiteren Träger einen Server für Kölner Jugendliche betreiben. Dort können die Teenies untereinander in Gruppen chatten, per Videoschaltung reden oder sich direkt an Pädagog*innen wenden. Für private Gespräche wird dann allerdings meist ein direkter Anruf vereinbart.

Mehrstündiger Stream

Als zweiter Schritt kam auch ein weiteres großes Projekt zum digitalen Jugendzentrum hinzu: Ein regelmäßiger mehrstündiger Stream auf dem Portal „Twitch“. Von Montag bis Freitag wird seither zwischen 15 und 19 Uhr der Kanal des digitalen Jugendzentrums bespielt. Da aber auch kurz nach dem Start des Streams die Osterferien begonnen hatten, in denen ja immer noch das Kontaktverbot wirksam war, wurde die tägliche Online-Zeit um eine Stunde verlängert und auch auf die Wochenenden und Feiertage ausgeweitet.

Interaktive Chats mit Bezugspersonen

Aus verschiedenen Einrichtungen bespielen Mitarbeiter den Kanal mit den unterschiedlichsten Einheiten. Regelmäßig montags zum Beispiel steht interaktives Spielen mit Marietheres Waschk aus dem Bauspielplatz auf dem Programm, die alle nur „MT“ nennen. Andere beliebte Slots sind „Cizzah’s freestyle Friday“, in dem gerappt wird, Quizspiele und Zirkusangebote aus dem „Juze DachloW“ und dem Kölner Jugendpark.

Zwei Personen vor dem Mikro

Programmpunkte wie Artistikübungen und Yoga werden aus der Kletterhalle der AbenteuerHallen übertragen, in der mehr Platz ist. Ergänzt wird das Programm durch Gastauftritte, wie etwa ein Workshop zum Schneiden von Videos oder dem im Graffity bekanntem „sketching“. Die meisten Slots zielen auf interaktive Aktionen mit den Zuschauern ab, die sich im Chat dazuschalten können. Wenn zum Beispiel wie beim Stream von Daniel Heimbach Audios aus der Community eingebettet werden sollen oder in einem Spiel die Einsendung von Fotos gefordert sind, können diese mit verschiedenen Messenger-Diensten eingesandt werden. Vor der Kamera sitzen immer maximal zwei Personen, die auf einen Mindestabstand achten müssen. Und auch hinter der Kulisse wird streng auf Hygiene- und Kontaktregeln geachtet: Zwischen den Einheiten wird das Studio desinfiziert, und alle Teilnehmenden bewegen sich auf einem klar abgegrenzten Weg, der wie eine Einbahnstraße funktioniert, so dass man sich nicht mehr als nötig über den Weg läuft.

Ergänzung, nicht Ersatz

„51 Einrichtungen nehmen bereits an dem Projekt teil“, erzählt Daniel Heimbach. Er und der Medienkoordinator der JugZ, Salvatore Pendolino, haben das Studio in einem Raum der AbenteuerHallen Kalk eingerichtet – teils mit Material aus verschiedenen Jugendzentren und teils aus privaten Beständen – und betreuen seither den Ablauf auf Twitch und Discord. Unterstützt werden sie dabei von Martin Frings und Alex Wilberz aus dem Krebelshof, die als freiberufliche Medienspezialisten helfen.

Salvatore Pendolino und Daniel Heimbach im Sendestudio

„Das digitale Angebot soll und kann natürlich nicht die direkte und persönliche Arbeit mit den Jugendlichen ersetzen“, sagt Heimbach. „Aber gerade jetzt kann es sie wunderbar ergänzen.“ Die beiden Säulen des digitalen Jugendzentrums werden von der Zielgruppe gut angenommen. Immer wieder äußern Jugendliche in den Chats, dass sie ihre Pädagogen vermissen. Und dass sie genießen, dass auf diese Weise zumindest eine direkte mediale Kommunikation möglich ist und sie ihre Bezugspersonen auch von Zeit zu Zeit sehen können. Und sie freuen sich darüber, mitmachen zu können in einem Medium, in dem sie sich auch in ihrer Freizeit viel bewegen. Ein Jugendlicher, der im Chat als „Quipsy“ an dem Angebot teilnimmt, hat das digitale Jugendzentrum sogar zum Thema seiner Referats für die Schule gemacht und eine Power-Point-Präsentation erstellt.

Aus dem Referat von „Quipsi“, vorgestellt während des Streams

Unklare Anschlussfinanzierung

Da das Feedback so gut ist, wünschen sich Pädagog*innen und Zielgruppe, dass das Angebot auch dann weiter bestehen kann, wenn ein normales Arbeiten in den Jugendzentren wieder möglich ist. Die Bereitschaft und die Lust auf das Projekt sind vorhanden, aber an dieser Stelle geht es natürlich auch ums Geld. Durch die schnelle finanzielle Unterstützung von JugZ, dem Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) und der Stiftung „wir helfen“ ist vor allem die Finanzierung der digitalen personellen Betreuung möglich geworden. Diese Finanzierung läuft aber Ende Mai aus. Mögliche Modelle der Anschlussfinanzierung werden derzeit noch gesucht. Und gebraucht, um das Projekt nicht versanden zu lassen.

Text: Nora Koldehoff

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