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Lükes Liebes Leben

Raucherlungen sammeln – Lükes liebes Leben

Montag, 4. Juli 2016 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ich wusste, dass der Tag kommen würde. Schon bald sogar. Dennoch traf es mich einigermaßen unerwartet, als die Dame im Kiosk meines Vertrauens mir vor ein paar Tagen ein Päckchen Tabak über den Tresen schob, auf dem mein erstes Schock-Bild prangte. Sind seit dem 20. Mai ja vorgeschrieben, die Bildchen, die 65% der Vorder- und Rückseite einer jeden Packung ausmachen müssen. Unschuldige Schachteln dürfen nur noch als Restbestände in den Handel gebracht werden. Bei näherer Betrachtung hatte es der Gesetzgeber aber diesmal noch einigermaßen gut mit mir gemeint. Statt mich mit geteerten Lungenflügeln, schwarzen Raucherbeinen oder einem verfaulten Rachenraum zu konfrontieren, wie ich das von den Franzosen seit Jahren gewohnt bin, hatte mein erstes deutsches Schock-Foto etwas geradezu Anmutiges. Ein überaus adrett gekleidetes Paar (Er im Anzug und brav gescheitelt; sie in einer Art Cocktail-Kleid und mit Pagen-Frisur) stand da gramgebeugt über einem weißen Kindersarg und blickte angestrengt ins Nirgendwo. Eine merkwürdige Pieta-Ikonographie in 50erJahre-Ästhetik. Damit aber nun niemand glauben sollte, das Kleine hätte womöglich in frühester Zeit mehr am Glimmstengel als an der Mutterbrust genuckelt, legten die Warnhinweise nahe, dass wohl die Eltern durch unablässige Quarzerei vor, während und nach der Schwangerschaft Schuld am Ableben des Nachwuchses auf sich geladen hatten. Insgesamt soll es 42 Motive dieser Schockbilder geben. Läge es da nicht nahe, so paninimäßig auch Sammelalben rauszubringen? Wer eins voll hat, bekommt eine Packung Zigaretten geschenkt. Oder so. Und ab wann, liebe EU, darf ich eigentlich damit rechnen, dass mich vom Etikett der Weinflasche einer ruinierte Leber angrient und sich auf Schoko-Tafeln und Tiefkühlpizzen adipöse Zeitgenossen breitmachen?

Angst vor Peter Wohlleben
Wo ich gerade -Achtung, super Überleitung!- bei der EU bin. Das mit dem Brexit war ja wohl ein Witz. Nicht der Ausgang des Volksentscheides, sondern dass er überhaupt stattgefunden hat. Nichts gegen Bürgerbefragungen auf lokaler Ebene. Soll der Vorplatz der Friedhofskapelle überdacht, der Radweg zum Nachbardorf beleuchtet werden oder sowas. Aber bei Entscheidungen von größerer Tragweite bin ich strikt dagegen. Dazu muss ich mir doch nur die SPIEGEL-Bestseller-Liste anschauen. Sachbücher, Platz 1: Peter Wohlleben: „Das geheime Leben der Bäume“, Platz 2: Peter Wohlleben: „Das Seelenleben der Tiere“ (kommt da bald „Die Angst der Steine“?), Platz 3: „Dalai Lama: Der Appell des Dalai Lama an die Welt“. Und bei der Belletristik hat seit Wochen Donna Leon mit „Ewige Jugend“ (ein weiterer ihrer schnarchlangweiligen Krimis für Brigitte- und Landlust-Abonnentinnen) die Spitzenposition inne. In einem Land, in dem selbst die gebildeten Stände (kauft sonst noch wer Bücher?) solche Rankings produzieren, hab´ ich vor bundesweiten Volksentscheiden jenseits der üblichen Wahltermine schlichtweg Angst.

Über die fleißigen Mitarbeiter der AWB, die jeden Morgen im Rheinauhafen ihre Besen zum Glühen bringen, habe ich mich ja schon hinlänglich ausgelassen. Inzwischen werden die Jungs mit den Wägelchen allerdings durch ein hochqualifiziertes Experten-Duo unterstützt. Zumindest sah ich letzte Woche aus der Ferne einen PKW mit heftigst blinkenden gelben Warnlichtern auf der Uferpromenade auf mich zu kommen. Die Lichter hätte man nun wirklich nicht gebraucht -das Gefährt bewegte sich im Schritttempo-, aber sind wahrscheinlich Vorschrift, wenn man motorisiert in Fußgängerzonen rumfährt. Obwohl: Dann müssten ja all die Lieferwagen, die da morgens ein und aus fahren, eigentlich auch so`n Lichterkranz haben. Vielleicht doch nur Wichtigtuerei. Egal. Als der Kleinwagen näherkam, war er jedenfalls als Dienstfahrzeug der AWB zu erkennen, besetzt mit einem Mann und einer Frau. Beide in Zivil. Er am Steuer. Wie sich das gehört.

Krisenfest mit Spachtel
Oha, dachte ich bei mir, die kontrollieren jetzt, welcher ihrer untergeben Einzelkämpfer womöglich in seinem Planquadrat das Moos aus den Fugen nicht ordentlich entfernt oder sonstwie gefehlt hat. Irgendwann stoppte der PKW, der Mann stieg aus und holte aus dem Kofferraum eine Sprühflasche und einen kleinen Spachtel. Was wollte er damit? Moosreste rauskratzen und dem leidigen Wildwuchs anschließend durch das Aufbringen einer hochwirksamen Chemikalie ein für alle Mal den Garaus machen? Nö. Er blieb in aufrechter Position und machte sich mit Flasche und Spachtel an einem Laternenpfahl zu schaffen. Und ich musste mich schon ziemlich nah an den Einsatzort begeben, um den winzigen Aufkleber zu entdecken, der da gerade fachmännisch entfernt wurde. Und als ich noch dachte, die Dame im Wagen sei vermutlich die Angetraute des Akteurs, die sich einen Tag freigenommen hatte, um ihren Gatten einmal in seinem spannenden Berufsalltag zu begleiten, hatte sie sich ebenfalls ins Freie begeben und sich zudem mit Block und Stift bewaffnet. Wollte sie den Liebsten womöglich zeichnen? Auch nicht. Stattdessen notierte sie eifrig Informationen (vermutlich Standort und Nummer der Laterne, Größe und Art des zu entfernenden Sticks), die ihr der Spachtelnde mitteilte. Den Nachmittag hat die Angestellte der AWB dann gewiß damit verbracht, all diese Daten fein säuberlich in ihren Computer zu hacken.Wozu auch immer. Es gibt wahrlich erstaunliche Jobs für hochqualifizierte Fachkräfte in diesem Land. Womöglich bin aber auch nur neidisch auf Menschen mit solch krisenfesten Arbeitsplätzen und bereue einmal mehr zutiefst, nichts Anständiges gelernt zu haben.

Text: Reinhard Lüke

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