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Lükes Liebes Leben

Birgit B. ist betroffen

Montag, 16. November 2015 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Am letzten Samstag ist in der Nähe von Straßburg auf einer Testfahrt ein TGV entgleist. Elf französische Techniker kamen dabei ums Leben. Der Unfall hätte normalerweise den französichen Regierungschef in Elsass eilen lassen und womöglich hätte man der Opfer mit einer Staatstrauer gedacht. Doch der 14.11. war nur ein Tag nach dem 13.11. und die Tragödie um den TGV lediglich eine Randnotiz. Ich weiß nicht, ob die Angehörigen die mediale Aufmerksamkeit in diesen Tagen vermissen oder sie eher froh sind, nicht vor irgendwelche Mikrophone und Kameras gezerrt zu werden. Ich kann auch zu den Terrorakten in Paris nichts sagen, was nicht von allenmöglichen Zeitgenossen auf so ziemlich allen Kanälen längst gesagt worden wäre. Eindeutig nervig finde ich jedoch die Art, in welchem Maße inzwischen Fernsehen und vor allem das Radio bei solchen Anlässen fortwährend darum buhlen, dass Hans und Franzi doch unbedingt anrufen, twittern oder facebooken sollen, um ihre Sicht der Dinge mitzuteilen. Ich will nicht hören, dass auch Birgit B. aus Bergisch Gladbach tief betroffen ist und eine Kerze entflammt hat oder dass Kurt P. aus Unna zum Hochzeitstag letztens noch mit seiner Gattin auf dem Eiffelturm war und sich so ein Massaker nie hätte vorstellen können. Ja, und die Gedanken, Gefühle, Herzen oder was auch sonst noch für Organe seien in diesen Stunden total bei den Angehörigen der Opfer. Vielen Dank auch. Geschenkt.

Interaktiver Gartenzwerg
Den Leuten kann man ihre Redseligkeit kaum zum Vorwurf machen. Sie kommen im Radio und die Nachbarn haben´s womöglich gehört. Wohl aber gut bezahlten Redakteuren und Journalisten im WDR, die ihre Hörerschaft massiv zu derlei Unfug auffordern. Und wenn die Angestellten des Öffentlich-Rechtlichen selbst noch beinhart recherchieren, machen sie in solchen Tagen NRW-Bürger ausfindig, die in Paris leben oder aus irgendwelchen Gründen einfach nur gerade da sind. Die werden dann angerufen und sollen ihren Gefühlen Audruck verleihen. „Was empfinden Sie am Tag danach?“ Meine Güte, was soll man da schon empfinden?! Jubel? Ausgelassene Heiterkeit? Und die Berufskollegen haben sich auch diesmal nicht mal entblödet, per Telefon sogar Vertreter muslimischer Gemeinden einzuvernehmen, um ihnen eine Distanzierung von solch mörderischen Formen einer religiösen Praxis abzunötigen. Hat man jemals einen katholischen Bischof angerufen, wenn irgendein getaufter und gefirmter jugendlicher Amokläufer in seiner Schule ein Gemetzel veranstaltet hat? Was in diesen Tage besonders eklatant zum Ausdruck kommt, ist aber auch im unspektakulären Zeiten längst zu Seuche mutiert. Verhieß Interkativität vor Jahrzehnten einmal visionär spannenderes Fernsehen, erschöpft sie sich heute im Zeitalter des technisch Machbaren im fortwährenden  Aufrufen von Befindlichkeitsbekundungen von Hörern und Sehern. Und in den Dritten der ARD gibt’s kaum noch eine Wettervorschau, ohne dass sie von lieblichen Zuschauerschnappschüssen aus ihrem heimischen Gärten bebildert würde. „Dieses hübsche Foto von einem Rotkehlchen auf ihrem süßen Gartenzwerg hat uns Zuschauerin Julia S. aus Schwelm geschickt. Dafür vielen Dank!“ Für meinen Rundfunkbeitrag wüsste ich einfach nur gern gern,  wie´s Wetter morgen wird, nicht aber, ob Julia S. aus Schwelm einen Gartenzwerg hat, auf den eben ein Rotkehlchen gekackt hat.

Handschuhe zu Bermudas
Wo wir schonmal bei der Meteorologie sind. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, mich an dieser Stelle nie über Schreibblockaden oder das Wetter auszulassen. Aber die Temperaturen der letzten Wochen fand ich dann doch geradezu surreal. Wo ich es gewohnt bin, meinen Geburtstag an trüben, nasskallten Tagen zu feiern, hätte ich diesmal glatt eine Gartenparty veranstalten können und den Weißwein, der um diese Jahreszeit sonst längst auf dem Balkon wohnt, hätte ich noch in den Kühlschrank stellen müssen. Und am Mittwoch letzter Woche waren am frühen Morgen beim Schoko-Museum ein paar Männer in kurzen Hosen und ärmellosen Shirts dabei, winterlich anmutende Buden für den Weihnachtsmarkt aufzubauen. Für die Kanaren normal, aber für unsere Breiten doch irgendwie irre. Ist das jetzt Klimawandel, Erderwärmung oder einfach nur so? Eine Laune der Natur? Weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich im daraus resultierenden Textil-Chaos dieser Wochen (Der Winter-Schlussverkauf wird grandios!) den Eindruck gewonnen, dass Rentner ihre Garderobe doch eher stoisch nach dem Kalender als nach dem Thermometer auswählen. So sieht man in diesen seltsamen Tagen bei 18 Grad + Menschen in Bermudas und Tank-Tops einträglich mit Senioren in Winterjacken und mit Handschuhen am Rollator durchs Viertel flanieren.

Parfumierte Sittiche
Aber unsere Halsbandsittiche scheinen sich ja ums Wetter ohnehn nicht zu scheren. Bleiben ja auch im Winter (so es denn einen geben sollte) eisern her. Ich bin kein Ornithologe, aber ich hab´ jetzt mal eine Idee, warum die lärmenden Viecher am frühen Morgen ihre nächtlichen Schlafplätze verlassen. Zumindest für den Sittich-Hot-Spot Drei-Königinnen-, Ecke Rheinuferstraße. Wann immer ich da morgens gegen 8 Uhr für meine Runde durch den Rheiauhafen den Zebrastreifen überquere, ist da noch mächtig Alarm im Baum. Eine Stunde später herrscht hingegen seltsame Ruhe. Alle ausgeflogen. Ich denke, die holde Weiblichkeit trägt daran Schuld. Nicht jetzt unbedingt die Damen aus dem Frauenturm, aber ihre Artgenossinnen, die in den Büros im Hafen einer geregelten Arbeit nachgehen. Und viele von denen steuern ihre Schreibtische löblicherweise umweltbewusst mit Bussen der KVB an. Irgendwann so zwischen 8 und 9 Uhr. Ich habe, weil ich spät dran war, einmal erlebt, wie sich so eine Traube an Sachbearbeiterinnen, Chefinnen oder was weiß ich aus einem Linienbus an der Haltestelle unmittelbar unter dem Sittich-Baum ergoss und mich mit einer Parfum-Wolke umnebelte, die mir als ungefrühstücktem Flaneur fast den Atem nahm. Da wird sich so ein Sittich doch auch seinen Teil denken: „Oh, nö. Bevor ich hier gleich komatös vom Baum falle, mach´ ich doch lieber die Biege.“ Meine laienhafte Theorie stimmt vermutlich nicht, aber nach Feierabend findet sich das gefiederte Kreischvolk jedenfalls vollzählig wieder ein. Die Wissenschaft möge das bitte mal genau untersuchen.

Text: Reinhard Lüke

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