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Lükes Liebes Leben

Besinnliches Vollstrecken allerseits! – Lükes liebes Leben

Donnerstag, 18. Dezember 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Vor den Berichten über die Bundesliga-Spiele am vergangenen Dienstag kündigte der Moderator auf WDR 2 ein (aufgezeichnetes) Exklusiv-Interview mit Schalke-Kicker Benedikt Höwedes an, das eine Kollegin mit ihm geführt habe. Als es dann soweit war, durfte man sich erstmal über den Ort des Gespräches wundern. Es hatte nämlich nicht etwa in den Katakomben des Gelsenkirchener Stadions sondern auf irgendeinem Weihnachtsmarkt stattgefunden. (Wenn ich mich nicht irre, war es sogar in Düsseldorf, aber egal.) Jedenfalls löcherte die Sportjournalistin den Profi nicht etwa mit beinharten Fragen zum jüngsten Schlamassel der Knappen gegen den FC und die grundsätzlich bescheidene Lage bei S 04. Nein, ihr Informationshunger bezog sich fast ausschließlich auf das Thema, wie es der Kicker denn mit dem Weihnachtsfest so halte. „Haben Sie schon alle Geschenke beisammen?“ Nein, hatte Benni noch nicht, zeigte sich aber guten Mutes, das bis zum Fest noch zu schaffen. Und wie es denn bei Höwedessens so zugehe, an Heiligabend, wollte die Dame dann noch wissen. Ums vorwegzunehmen: So ähnlich wie bei Hoppenstedts. Ziemlich normal. „Wir essen zusammen, dann packen wird die Geschenke aus und anschließend vollstrecken wir noch einen gemütlichen Abend.“ Moment mal. Hatte der gerade wirklich „vollstrecken“ gesagt. Hatte er. Ich habe Zeugen. Sollte sich der wackere Sportkamerad auf dem Weinhachtsmarkt schon den ein oder anderen Glühwein eingepfiffen haben? Möglich. Wahrscheinlicher ist indes, dass er auf solche Fragen einfach nicht vorbereitet war. Und mit verbalen Überraschungen tun sich Profi-Kicker immens schwer. Was man Interviews vor oder nach dem Spiel zu sagen hat, ohne etwas zu sagen, haben sie alle in Rhetorik-Seminaren irgendwelcher PR-Berater brav gelernt. Deshalb entweichen ihnen nur noch solche Floskeln wie „froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte“ oder „müssen unser Potenzial abrufen“. Aber wenn sie dann mal auf Fragen antworten sollen, die im Seminar nicht vorkamen, läuft das nunmal nicht immer unfallfrei ab. Ums im Fußballer-Plusquamperfekt zu sagen: War dann doch noch´n total schönes Interview gewesen. Das, wo von aufm Weihnachtsmarkt.

Tränen unterm Weihnachtsbaum
War ich kurz vorm Fest noch beim Friseur gewesen. Im Salon meines Vertrauens liegen zwar auch  „Stern“ und „Spiegel“ aus, aber ich greife da lieber zu den Erzeugnissen der Regenbogenpresse. Kommt unsereins ja sonst nicht zu und man will schließlich umfassend informiert sein. Und wie ich da durch so eine „Mutti mit Herz“ oder „Frau hinterm Spiegel“ blättere, bleibt mein Blick bei einem hübsch bebilderten Beitrag über Andrea Berg hängen. Ich könnte jetzt war keinen Titel von der Frau nennen, weiß aber, dass sie im deutschen Schlagergeschäft schwer angesagt ist. „Drama um Andrea Berg!“ hieß der Titel des ganzseitigen Artikels. Unterzeile: „Tränen unterm Weihnachtsbaum“. Nanu, sollte ich da womöglich eine uralte Ausgabe erwischt haben? Nö, es war, wie die Titelseite verriet, durchaus das aktuelle Heft. Richtet man bei Bergs den Tannenbaum also schon Anfang Dezember her?Auch nicht. Wie sich bei der Lektüre herausstellte, bezog sich der Text auf eine uralte Begebenheit. Danach hatte das Andrea seinerzeit mal ganz dolle darauf gehofft, dass ihr neuer Lebensgefährte ihr zum Fest einen Heiratsantrag machen würde. Was der Dödel aber dann nicht getan hatte. Weshalb Frau Berg angeblich ein paar Tränchen rausgekullert waren. Unterm Weihnachtsbaum. Aber ein paar Monate oder Jahre später hatte der Liebste dann doch um ihr Händchen angehalten. Laut Suchmaschine ist das Berg seit 2007 glücklich verheiratet. Hatte sie diese Schnurre jetzt, warum auch immer,  höchstselbst an die Öffentlichkeit gebracht oder die Redaktion eine Story von anno Tobak pünktlich zum Fest nochmal aufgewärmt? Vielleicht hatten sich die Schreiberlinge den Sermon auch einfach aus den Fingern gesogen. Man weiß es nicht. Aber dass es Millionen von erwachsenen, wahlberechtigten Menschen (vornehmlich Frauen) gibt, die solch brisante Nachrichten mit echter innerer Anteilnahme aufsaugen und dafür Woche für Woche auch noch Geld abdrücken, stimmt mich so kurz vorm Fest denn doch irgendwie betrübt.

Stressfreier Stress
Irgendwann ging es dann beim Friseur noch um das Thema, was man denn an Heiligabend so an Kulinarischem auf den Tisch bringt. Außer mir waren nur noch drei betagtere Damen anwesend. Das Ergebnis der internen Umfrage durch die Friseusen: 2:1 für Kartoffelsalat mit Würstchen, gegen Fondue. (Mich hat keiner gefragt.) „Mit „Dicke Sauerländer““, setzte eine Frau aus der Kartoffelsalat-Fraktion noch hinzu. „Wie jedes Jahr“. Für alle Vegetarier: „Dicke Sauerländer“ sind armdicke Bockwürste, die mir früher schon so manchen Kindergeburtstag gerettet haben. Die drei Damen gehören halt einer Generation an, die nicht soviel Gewese ums Essen unterm Tannenbaum macht. Was mir durchaus sympathisch ist. Zumindest geht mir dieser, besonders unter erklärten Konsumverweigerern verbreitete, Hype um die Nahrungsaufnahme zum Fest gehörig auf den Wecker. Ständig treffen ich Bekannte, die seit Wochen grübeln, was sie denn Erlesenes zubereiten könnten und Panik schieben, dass sie die Vorbestellung des Bio-Bratens in ihrer unbedingt glaubwürdigen Metzgerei womöglich verschwitzen könnten. Unter fünf Gängen scheint da bei vielen nichts zu gehen. Und dann müssen ja auch die passenden Weine ausgesucht werden. Und: „Was reichen wir als Aperitif?“. Lustig nimmt sich der ganze Bohei ja im Pantoffelkino aus. Da gibt es in diesen Tagen kaum eine Magazin- oder Ratgebersendung, in der nicht massenhaft Bastel-, Deko-, Koch- und Geschenktipps verabreicht werden, damit es ein rundum gelungenes Fest wird. Gleichzeitig werden da, teils in den selben Formaten, ständig irgendwelche Psycho-Berater aufgeboten, die mahnend erklären, wie man sich dem ganzen Weihnachtsstress entziehen kann. Ich soll also virtuos werkeln wie Bolle und mich dabei total entspannen. So muss der geneigte Zuschauer doch gänzlich kirre werden.  Da lob´ ich mir doch meinen kleinfamiliären Mikrokosmos in der Südstadt. Wir müssen keinen sehen, den wir nicht sehen wollen und können essen, wann und was wir wollen. Ist der pure Luxus, ich weiß. Aber den gönne ich mir. Ansonsten: Schöne Tage allerseits. Von Herzen. Echt.

Text: Reinhard Lüke

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