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Kultur Südkids

Schneewittchen und der Schönheitswahn

Donnerstag, 28. April 2011 | Text: Beate Fechtig | Bild: Matthias Baus

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

– Uraufführung der Kölner Kinderoper im Alten Pfandhaus. „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die böse Königin singt in schrillen Höhen, der menschliche Spiegel stammelt zum Trompetenstaccato eine halbwahre beschwichtigende Antwort. Das Tremolo der Streicher deutet an: Gleich gibt’s hier einen Riesenstreit. „Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr!“. Jetzt ist es raus, die böse Königin ist nicht Germany´s next Topmodel. Auweia.

Die kleine Hannah drückt sich in den Arm ihrer großen Schwester, die Sechsjährige hat schon ein bisschen Angst. „Weil die böse Königin, also Schneewittchens Stiefmutter, so fiese Sachen macht“, sagt die zwölfjährige Alina. Zusammen mit Ihrem gemeinsamen Cousin Raphael (7) sind sie in die Kinderoper gekommen, ins Alte Pfandhaus in der Südstadt zur Uraufführung von Schneewittchen. Das Märchen kannten sie natürlich schon, aber als Oper ist es vielleicht noch ein bisschen gruseliger. „Also ich hätte am liebsten Schneewittchen gespielt“, sagt Raphael aus Köln-Zollstock, „obwohl ich ja eigentlich ein Junge bin.“

 

Foto: Matthias Baus

Denn Schneewittchen (Ji-Hyun An) ist zart und fein – und singt mit Engels-Sopran. Sie schwebt leicht über die Bühne und wirkt so kindlich, dass der elfjährige Vincent laut fragt: „Wie alt ist die denn? Das ist doch noch ein Mädchen, warum kann die dann so singen?“ Wenn „Deutschland-sucht-den-Superstar“ überhaupt der Menschheit einen Dienst erwiesen hat, dann ist es das neue Interesse am Gesang. Auch an klassischem Gesang, denn Kinderohren machen wenig Unterschied. Zuhause hört Raphael Kinderlieder und sehr gerne auch Kölsche Musik, hier lauscht der Siebenjährige der Klassik und kann sogar „die Harfe heraushören“.

Gerade kleinere Kinder haben noch diese Offenohrigkeit gegenüber nicht durchgängig tonaler Musik, wie sie die Kölner Schneewittchen-Oper anbietet. Der Berliner Komponist Marius Felix Lange hat im Auftrag der Kölner Kinderoper sowohl das Libretto als auch die Musik dazu geschrieben. Im Wechsel von Illustration und eigener Thematik wird ein ganz besonderes Klangspektrum geschaffen – nichts zum Mitsingen – aber interessant auch für erwachsene Ohren.

 

Von links: Ralph Caspers, Elena Tzavara, Marius Felix Lange / Foto: Beate Fechtig

Und witzig: Der Jäger (Yong Doo Park), eigentlich eine tragische Figur, tritt auf zum fröhlichen Jagdhorn und schießt mit einem Konfetti-Gewehr. Er soll Schneewittchen umbringen und bemitleidet sich selbst so humoristisch und mimisch originell, dass die leichtere Musik perfekt passt. Auch wenn die sieben Zwerge ihre Auftritte zelebrieren, wird es lustig und melodisch untermalt, der Gesang ist einstimmig und endlich auch gut zu verstehen. Sehr schön der Zwergen-Kanon mit den berühmten Fragen: „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Und wer hat aus meinem Becherchen getrunken?“ Vor allem der dicke Zwerg mit der tiefen Bassstimme hat es den Kindern angetan. „Den“, sagt Vincent,“den würde ich auf jeden Fall spielen wollen.“

Natürlich hilft die schöne Sieben-Berge-Szenerie im Alten Pfandhaus dabei, aufmerksam zu bleiben. Zwar scheint die Altersempfehlung ab fünf Jahren etwas jung angesetzt, aber gerade die kleinen Kindern genießen es sichtlich, mitten in der Szenerie auf den Stufen sitzend „dabei zu sein.“ Jeder Platz ist hier die erste Reihe, und es ist auf jeden Fall prickelnd, der bösen, eitlen und fiesen Königin-Stiefmutter in die funkelnden Augen sehen zu können. Sandra Janke singt und spielt überzeugend, ihre türkisblaue Doppelhochfrisur bebt vor Wut, wenn ihr der Spiegel (Werner Siedemann) wieder einmal genervt sagen muss, dass sie eben nicht die Schönste ist. „Aber deshalb bringt man doch keinen um“, empört sich die achtjährige Azra Takisoglu,die zum ersten Mal in der Oper ist, „da muss man doch völlig balla-balla sein.“

Azra hat die Message perfekt verstanden: der Schönheitswahn und die mediale Überhöhung von Äußerlichkeiten, auf dieses aktuelle Thema spielt die Schneewittchen-Inszenierung von Elena Tzavara an. Die Leiterin der Kinderoper stylt ihre böse Königin-Hauptfigur grell und imprägnant, ein Hingucker. Leider ist die durch und durch unsympathisch und hat natürlich nie Zeit mit dem lieben Schneewittchen zu spielen: „Nerv mich nicht!“ Für die Erwachsenen eine Mahnung, sich für die wirklich wichtigen Menschen Zeit zu nehmen. Für die kleine Azra aber ist die Königin eine Mischung aus abstoßend und imposant – und deshalb wohl auch faszinierend: „Wenn ich nicht Schneewittchen spielen würde, dann wäre ich auch gerne die böse Stiefmutter. Also, irgendwie schon.“

Aus Mülheim an der Ruhr kommt Azra, die Geige spielen lernt und zur Zeit bei ihrer Kölner Oma die Ferien verbringt. Die Achtjährige hat keinen MP3-Player und keinen Computer, sie ist musikalisch vorerfahren und wohlbehütet. Auch Doro Sturm aus Köln-Zollstock achtet auf die musikalische Sozialisation ihres Sohne Raphael: „Wir waren schon häufiger in der Kölner Kinderoper“, sagt sie, „kaufen immer früh die Karten.“ Bleibt zu hoffen, dass Regisseurin Elena Tzavara mit dieser eindrucksvollen und aufwendigen Inszenierung möglichst viele Kinder erreicht – als Gegengewicht zur Fernseh- und Internetberieselung. „Wir müssen unsere Kinder auf den Arm nehmen und Ihnen neue Horizonte jenseits des Fernsehens zeigen“, sagt auch Ralph Caspers, bekannt aus der „Sendung mit der Maus“. Er ist Schirmherr der Kinderoper, hat beratend bei der Schneewittchen-Oper mitgewirkt und weiß, was wissenschaftlich längst erwiesen ist: Frühkindliche musikalische Erfahrungen prägen uns, aller Anfang ist sozusagen die Kinderoper!
 

Beate Fechtig
 

„Schneewittchen“ – Märchenoper von Marius Felix Lange (Musik und Libretto)- für Kinder ab 5 Jahren und den Rest der Welt!
Regie: Elena Tzavara
Musikalische Leitung: Samuel Hogarth

Bühne: Conrad Moritz Reinhardt

Kostüm: Elisabeth Vogetseder.
Mit Sandra Janke, Ji-Hyun An, Kathleen Parker, Maike Raschke, Evamaria Bauchmüller, Werner Sindemann, Ralf Rachbauer, Lucas Singer, Dennis Wilgenhof, Robert Meyer, Gustavo Quaresma Ramos, Charlie Kedmenec, Yong Doo Park.

Termine:  Samstag, 30. April (11.30 Uhr) , Montag 2.5. (15 Uhr) , Mittwoch, 04.5. (15 Uhr); 11., 17., 19., 24., 25., 27.Mai

02., 04., 15., 17., 22., 24., 25., 28., 29. Juni

01., 07., 08., 13., 14. Juli 2011

Karten:  Oper Köln, Tel. 0221 – 221 28 400

 

Text: Beate Fechtig

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