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Südstadt

Schöner Schein, direkt am Rhein?

Dienstag, 1. Juli 2014 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Keinem Südstädter ist er egal: der Rheinauhafen, der gerade offiziell eingeweiht wurde. Aber ist er auch schön? Muss er das überhaupt sein? Und vor allem: Gehört er zur Südstadt? Wir haben Antworten gesucht.

Annette Hillebrandt ist Architektin und Südstädterin. Bei einem Spaziergang mit ihr lernt man viel. Zum Beispiel, was Corten-Stahl ist, und per Zufall auch, dass es früher eine echte Brücke aus Schiffen hinüber nach Deutz gab. Und dass im Rheinauhafen eines vorherrscht: Unser inneres Bild von einem Hafen und einem Nobelviertel in Uferlage. Die Wirklichkeit allerdings hält nicht immer Schritt mit unseren Bildern. Getting real: der Rheinauhafen hat noch viel vor sich.

Wir stehen zu dritt an den Beachvolleyball-Feldern: die Architektin, der Fotograf Dirk Gebhardt und ich. Bumm, patsch, patsch, bumm: Die Geräusche von vier Teams schallen herüber, etwas weiter entfernt klackern Skateboards auf Stein. Annette Hillebrandt mag das Wort „Geste“. Damit erklärt sie den Gesamteindruck des Viertels von hier bis zum Schokoladenmuseum.

 

Der Charme der „Treppen-Geste“

„Das ist eine anständige Stadtmöblierung“, sagt sie. „Die großformatigen Steinplatten auf dem Boden, der offene Blick, und neben dem Kap die breite Treppe, diese große Treppen-Geste: Das passt zur Rhein-Geste.“ Ich hake nach. Mir fehlen Pflanzen.

„Ja, das kann man verbessern“, meint Hillebrandt. „Die Restaurants versuchen das mit Kübeln. Aber bei der Bebauung stand der Industriecharme im Vordergrund. Den wollte keiner torpedieren. Und die Planer wollten nicht die Lindenallee von der Rheinuferstraße wiederholen. Abgesehen davon, dass unter dem Rheinauhafen die Tiefgarage liegt. Wenn man oben ernsthaft Bäume reinsetzt, kostet das unten viel Platz.“

Wir schlendern an der Freitreppe mit den breiten Stufen entlang Richtung Norden. Rechts ankert ein Tanker, von vorn kommen drei Radler auf uns zu. „We love it“, sagen Marc, Melissa und Arturo aus den USA – allesamt auf Leihrädern, Marke „Radstation“. Tourismus ist ein wichtiger Faktor im Rheinauhafen. Leider fast der einzige, der werktags Laufkundschaft mit sich bringt.

 

Links erhebt sich das alte Speichergebäude, das „Siebengebirge“ mit seinen „Zipfelmützen“, wie Annette Hillebrandt die Giebel nennt. „Vom Rhein sieht die Fassade aus, als wäre sie mit dem Cutter abgeschnitten worden. Das Gebäude ist sehr tief und schwer zu belichten. Da gibt es drinnen dann dunkle Zonen.“ Aber dafür haben die Leute eben das Gefühl, in einem besonders schicken Haus zu leben.

Und schon sind wir im Kern der Diskussion angekommen: „Die Leute finden den Rheinauhafen als Bild schön“, erklärt Hillebrandt. „Darum habe ich kein Mitleid, wenn die Anwohner über Schiffslärm jammern. Denn der gehört auch dazu. Unsere Wahrnehmung ist bildhaft, und das blendet die anderen Sinne aus: Wie riecht es? Was hört man? Wie fühlt es sich an, hier zu leben?“

 

Passt die Wirklichkeit zu unserem Bild?

Fotograf Dirk Gebhardt legt einen philosophischen Einwurf hin. Er verweist auf William John Thomas Mitchell und seine Theorie vom „pictorial turn“. Gemeint ist, dass die Flut der Bilder eine neue Kultur der Wahrnehmung begründet hat. Hier im Rheinauhafen heißt das: Das Bild des futuristischen Hafens im Kopf mag wichtig sein. Aber wenn man es mit dem schnöden Leben füllt, offenbaren sich Grenzen und Schwächen. Teurer Wohnraum, niedrige Decken, Schiffslärm, Touristen, kein Alltagsleben, keine kleinen Lädchen, kein Homing-Gefühl.

Findet Annette Hillebrandt das Grundkonzept der Bebauung im Rheinauhafen denn gelungen? „Die Struktur ist vorgegeben durch die alte Speicherstadt. Wegen der Schiffe standen die Gebäude parallel zum Rhein. Das Prinzip hat man beibehalten. Das ist eine lesbare Struktur. Aber sie wurde hart erkauft.“ Heißt was? „Der Rheinauhafen wirkt abgegrenzt von der Stadt. Wie eine Mauer, halb durchlässig. Das ist die Kehrseite der Struktur.“

Und das macht sich auch für die Bewohner bemerkbar. „Es gibt die A-Seite mit Rheinblick. Und die B-Seite, mit dem Blick in die Gasse zwischen den Häuserzeilen oder zur Rheinuferstraße“, sagt Annette Hillebrandt.
 

Und wie geht es weiter?

Lesen Sie Teil 2 der architektonischen Ortsbegehung im Rheinauhafen.

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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