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Kolumne

Selfie von der Weihnachtsfeier

Montag, 24. November 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Nun ist er ja doch da, der Herbst. Gut so. Schöne Jahreszeit. War mir irgendwie schon immer die liebste. Jedenfalls im Herbst. Okay, die Wäsche muss im Keller trocknen, die Terrasse ist leider nicht mehr nutzbar und natürlich die Laubpuster. Aber sonst. Draußen klare, kühle Luft, drinnen die pure Heimeligkeit. Danke, Zentralheizung. Da greif ich doch gern auch mal zum guten alten Buch, zünd´ ein Kerzlein an und gieß mir Hochprozentiges aus Schottland ins Glas. Macht aber auch schwerst einsam, dieser Herbst. Wann immer ich derzeit durchs Viertel stromere, sehe ich an diversen Kneipen schon wieder diese Aushänge, die kundtun, dass mir dort demnächst vorübergehend der Zutritt verwehrt wird. „Geschlossene Gesellschaft“ heißt es da.

Nun ist er ja doch da, der Herbst. Gut so. Schöne Jahreszeit. War mir irgendwie schon immer die liebste. Jedenfalls im Herbst. Okay, die Wäsche muss im Keller trocknen, die Terrasse ist leider nicht mehr nutzbar und natürlich die Laubpuster. Aber sonst. Draußen klare, kühle Luft, drinnen die pure Heimeligkeit. Danke, Zentralheizung. Da greif ich doch gern auch mal zum guten alten Buch, zünd´ ein Kerzlein an und gieß mir Hochprozentiges aus Schottland ins Glas. Macht aber auch schwerst einsam, dieser Herbst. Wann immer ich derzeit durchs Viertel stromere, sehe ich an diversen Kneipen schon wieder diese Aushänge, die kundtun, dass mir dort demnächst vorübergehend der Zutritt verwehrt wird. „Geschlossene Gesellschaft“ heißt es da. Garniert mit dem Zusatz „Weihnachtsfeier“. Ich beklage, ich habe noch nie an einer betrieblichen oder sonstwie gearteten, außerfamiliären Weihnachtsfeier teilgenommen. War noch nie geladen. Das hat man offenbar davon, wenn man sein Lebtag als freiberuflicher Einzelkämpfer unterwegs war. Und in dem einen Jahr, als ich doch mal den Titel eines Angestellten führen durfte, gab´s in der Redaktion auch keine Weihnachtsfeier. Mag damit zusammenhängen, dass der Verlag in Hamburg ansässig war und der Hanseat mit derlei Brimborium eher wenig am Hut hat.

Ich will wichteln!

Ich habe auch noch nie gewichtelt. Nur vom Hörensagen weiß ich, wie das abläuft. Nun gut, was die Gattin, die innerbetrieblich an sowas teilnimmt, im Laufe der vergangenen Jahre von diesen Veranstaltungen so nach Haus gebracht hat, war jetzt nicht unbedingt dazu angetan, Jubelschreie auszulösen. Und ich kenne auch Arbeitnehmer, die regelmäßig aufstöhnen, wenn sie nur das Wort „Weihnachtsfeier“ hören. „Der blanke Horror“, sagen sie dann und „sei froh, dass dir sowas erspart bleibt“. Vermutlich haben sie sogar recht. Aber ich stelle mir immer vor, dass man es sich da mit Kollegen doch recht nett und besinnlich machen kann. Muss ja nicht gleich so ausarten, wie beim FC Bayern, wo sich ein Präsident namens Beckenbauer einst hinter dem Tannenbaum (oder war´s in der Besenkammer?) mit einer ebenfalls geladenen Ex-Sekretärin höchstpersönlich um den Vereinsnachwuchs verdient machte. Das Ergebnis des mehrminütigen Techtelmechtels nannten sie dann Noel Maximilian. Was ja immerhin irgendwie passte. Egal. Ich will irgendwann auch mal an einer Weihnachtsfeier (ohne Glühwein!) teilnehmen. Aber vermutlich müsste ich dazu irgendeiner Firma, einem Verein, einer Glaubensgemeinschaft oder einer Partei beitreten. In diesem Jahr wird das also wahrscheinlich nix mehr. Drum werd´ ich mich wohl wie immer so Mitte Dezember zur hauseigenen Weihnachtsfeier vor einen Spiegel setzten und mir zuprosten. Zur Förderung des Betriebsklimas. Muss dringend meinen Steuerberater fragen, ob ich die Kosten dafür eigentlich absetzen kann.

Besondere Anlässe

Letztens hat mir ein Freund einen guten Tropfen vorbeigebracht und beiläufig gesagt, der sei „schon eher was für besondere Anlässe“. Und dann setzte er noch hinzu, der Rote sei „problemlos 15 oder auch 20 Jahre lagerfähig. Mindestens“. Toll. Solche Geschenke stressen mich immer mächtig. Wann ist ein Anlass „besonders“ genug, um so eine edle Flasche zu öffnen? Soll ich sie mir schon im kommenden Jahr zum Geburtstag einpfeifen oder doch lieber auf einen noch besondereren Anlass warten, der ja in den kommenden 19 Jahren durchaus noch kommen könnte. Dabei fällt mir auch noch ein, dass der Rebensaft womöglich länger haltbar ist als ich selbst. Wäre doch schön blöd, irgendwann den Löffel abgeben zu müssen und die Flasche ist noch zu. Nix da, ich spendiere mir das Getränk zur diesjährigen, innerbetrieblichen Weihnachtsfeier. Beschlossen. Und dabei mache ich dann ein Selfie und schicke es irgendwem. Machen ja jetzt alle.
Früher gab es sowas für einsame Herzen noch nicht. Wer da ein Selbstporträt schießen wollte, musste entweder zum Selbstauslöser greifen und sprinten oder Wildfremde bitten, doch netterweise aufs Knöpfchen zu drücken. Oder so einen Passbild-Automaten aufsuchen, der für zwei Blitze und ein paar Mark gleich vier Fotos ausspuckte. Braucht´s ja heute alles nicht mehr. Vor allem keinen Abstand. Mit Handykameras kann man die eigene Nasenbehaarung ablichten und das Bild wird trotzdem unappetitlich scharf.

Selfies mit Stöckchen

Obwohl Nähe beim Selfie offenbar nicht alles ist. Zumindest sehe ich bei meinen gelegentlichen Aufenthalten in Dom-Nähe zunehmend Touristen aus vieler Herren Länder, die ihr Mobiltelefon an einem Stock befestigt haben. Inzwischen weiß ich, dass diese Armverlängerungen aus Metall oder Plastik offiziell „Sticks“ heißen und mit einem Auslöser unten am Griff für so ziemlich jedes Handyfabrikat im Fachhandel zu durchaus moderaten Preisen erhältlich sind. Wozu der moderne Mensch das braucht? Nun ja, es vergrößert den Bildausschnitt. Was insofern praktisch ist, dass der Selfie-Macher nun seinen 100 000 Freunden in den Netzwerken beweisen kann, dass er auch wirklich da war. Ganz persönlich und total echt in Köln. Sieht man ja ganz deutlich, weil auf dem Bild hinter seinem grienenden Gesicht noch ein Stück vom Dom zu erkennen ist. Nun gut, das hätte er auch daheim bequem mit Photoshop oder anderen Programmen hinbekommen, ohne extra aus Asien rüber zu jetten, aber Köln ist doch immer eine Reise wert. Könnte natürlich auch sein, dass es manchem Selfie-Macher mit Stöckchen eher um die Illusion zu tun ist, dass er als arme Sau nicht wieder mal mutterseelenallein unterwegs war. „Das Bild hat meine liebe Reisebegleitung xy gemacht“, könnte er an Vati und Mutti posten. Und die würden sich vermutlich für ihren Junior freuen. Weil man ja genau sieht, dass er das Foto unmöglich selbst geschossen haben kann. Sooo lange Arme hat der Sohn schließlich nicht. Brächte mir so ein Stöckchen womöglich auch einen Zugewinn für meine Selfie-Weihnachtsfeier? Eher nicht.
 

 

Foto: Reinck/CC-BY-SA-3.0-DE

Text: Reinhard Lüke

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