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Kultur

Soundcheck auf der Pfanne?

Montag, 14. November 2016 | Text: Judith Levold | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Für Ela Querfeld kein Problem. Die 28jährige Wahl-Südstädterin hat sich ins Finale eines Talentwettbewerbs gesungen und gekocht, der, sagen wir, speziell ist. Gerade würzt sie den Jogurt-Dip, mit dem sie ihr herbstliches Lamm verfeinern will, Marc Espig, Dozent hier an der Kochschule, schmeckt für sie ab. „Die haben hier nur Kuhmilch-Jogurt, da bin ich gearscht, ich kann keine Kuhmilch vetragen.“ erklärt Ela salopp, ist sonst aber guter Dinge für das Gelingen ihres Gerichts. „Ich wollte was jahreszeitlich Passendes machen“, fügt sie hinzu, während drei Meter entfernt ihr Wettbewerbs-Konkurrent, Tenor Michael Hasenfratz, „This ist the Moment“ aus dem Musical Jekyll&Hyde ins Mikro schmettert – der Soundcheck läuft parallel zu den Vorbereitungen am Herd. Doch zurück auf Anfang.

Kräuter, Lamm, Granatapfel

Fotografin Tamara und ich betreten die hinterm Neptunbad in Ehrenfeld gelegene Kölner Kochschule – und schauen uns fragend an: Party? Eine riesige offene Küche mit großzügigen Arbeitsflächen und top Ausstattung, auf den Freiflächen davor im gesamten Raum verteilt: Instrumente, Technik und Live-Musik. Es duftet, wuselt, dampft und klingt, als hätten sich hier ein paar Freunde zum Spaß-Kochen verabredet. An den offen da liegenden Zutaten wie Kräutern, Kürbissen, halbierten Granatäpfeln und Fleisch: Die acht Kandidaten, die sie sich in bundesweit vier Vorentscheiden bis hierher gekocht, und: gesungen haben.

Koch&Sing Dich auf den Underberg

Blitzlichtgewitter, ein Kameramann und ein Jury-Tisch mit Namensschildern sowie reichlich Underberg-Flaschen sind die einzigen Hinweise auf die Tatsache, dass die Kräuterschnaps-Firma vom Niederrhein hier das Finale eines Wettbewerbs abhält. Der Traditionsdigestif -übrigens als einziger seiner Art gänzlich ohne Zugabe von Zucker und Farbstoffen hergestellt- soll im Kontext von Genuss, gutem Essen und Kultur daherkommen. Das Ganze eine PR-Aktion anlässlich der beiden Jubiläen 170 Jahre Familienunternehmen und 40 Jahre „Komm´ doch, mit auf den Underberg!“, wie Dr. Hubertine Underberg-Ruder uns erzählt. „Wir sind stolz auf unsere Firmengeschichte und der Song ist ja ein Werbe-Klassiker.“
Den jeder mitsingen kann, Ela Querfeld sowieso.

„Immer wieder!“

2009 kam die gebürtige Potsdamerin nach Köln, um an der Musikhochschule Jazz- und Rockgesang zu studieren, im Juni erst trat sie beim Südstadt-Veedelsfest auf der Bühne an der Alteburger Straße mit ihrer Ela-Querfeld-Band, vier ehemaligen Studienkollegen, auf. „Seit zwei Jahren sind wir mit meinem Soloprogramm unterwegs, ich mache alles selbst, die Texte, die Komposition, den Gesang. Und die Band begleitet mich. Ich hab zwar klassischen Jazz studiert, bin aber mehr im Pop zu Hause und deshalb machen wir jetzt auch Pop-Musik.“ Im Finale des Wettbewerbs heute tritt sie mit ihrem Lied „Immer wieder“ an, begleitet sich selbst auf der Gitarre. Wie kam sie drauf, hier mitzumachen?

 

„Eine Freundin hat mich darauf hingewiesen, die hatte das wohl auf der Homepage von Underberg gelesen und ich fand die Idee irgendwie aberwitzig. Die meisten hier sind ja in erster Linie Sänger und kochen nebenbei, nur bei wenigen ist es umgekehrt. Und sich singend zu präsentieren, ist man ja als Sänger gewohnt, jetzt kommt noch das Kochen dazu. Ich hab mein Herbstlamm einmal geübt mit einem Freund, der hat mir noch Tipps gegeben, er ist Koch.“ erzählt Ela lachend. Sie sei im Grunde ständig auf Achse, spiele Konzerte deutschlandweit und erst gerade von ihrem Tourabschluss-Gig zurück, dazu eine Fernbeziehung. „Dann bin ich froh, wenn ich bei mir in der Bonner Straße zu Hause bin und dann koche ich eben sehr gerne, am liebsten für Zwei.“ verrät sie. In Köln vor sieben Jahren gelandet, lebte sie zuerst in Ehrenfeld, „aber ich wollte immer schon mal auch in die Südstadt.“ Erst vor zwei Jahren habe sie mit dem Kochen überhaupt angefangen, sei also keine geübte Köchin und bereite querbeet zu, auf was sie grad Bock habe, „gerne vegan, muss aber nicht!“.

 

 

Aufregung spürt man Ela Querfeld nicht an, die junge Profi-Sängerin wirkt konzentriert, aber entspannt und kraftvoll. Beim Foto-Shooting mit der Underberg-Chefin lacht sie locker in die Kamera und regelrecht gechillt verlässt sie die Pfanne, in die ihr Lamm gleich soll, um sich ihre Gitarre zu schnappen: sie ist an der Reihe mit Soundcheck. Jetzt können Tamara und ich noch kurz ihre Röhre hören, bevor wir los müssen zum nächsten Termin und leider nicht mehr in den Genuss von Elas Herbstlamm kommen – nachmittags dann erreicht uns ihr Anruf: sie hat den 2. Platz belegt und damit 1500€ und einen High-End-Kochkurs gewonnen.
Wir gratulieren und hoffen, sie bald wieder hier bei uns im Veedel singen zu hören – nachdem wir schon ihr letztes Konzert im Tsunami-Club verpasst haben!

 

Mehr im Netz

www.elaquerfeld.com

www.udo-lindenberg-stiftung.de/bands-2016.33045.htm
 

Text: Judith Levold

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