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Gesellschaft

Soziales Grün – Gartentradition mit aktueller Bedeutung

Montag, 11. April 2011 | Text: Maja Majer-Wallat | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Aus Anlass des 150. Geburtstages von Dr. Friedrich August Ernst Encke (5. April 1861 bis 12. März 1931) luden die „Orangerie e.V.“ und die „Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V. Zweig NRW“ in das Orangerie-Theater (Volksgartenstraße 25) ein.

Man könnte meinen der Volksgarten sei uns allen bekannt. Grillduft, Federbälle und Musik sind ebenso wenig aus diesem Juwel der Südstadt wegzudenken wie Enten und Schwäne auf dem See, ganz zu schweigen von der Trauerweide die – seit fast schon immer – ihre grünen Äste bis kurz über die Seeoberfläche baumeln lässt. Wir haben ganze Sommer auf dem Spielplatz verbracht und bei Platzregen nicht gewusst, wohin mit uns.

Dann gibt es da noch die Gewächshäuser und die Orangerie, ein Ensemble, das erst richtig sichtbar wurde, als die Stadt das Grün beschnitten hat. In der Orangerie wurde nun gefeiert. Kölns ehemaliger Gartenbaudirektor Fritz Encke wurde vor 150 Jahren geboren. 23 Jahre lang machte er sich verdient um die grünen Lungen in dieser Stadt, schuf zahlreiche Plätze, Parks und Sportanlagen und verfolgte schon früh den Gedanken des „sozialen Grüns“. Die Orangerie im Volksgarten konnte jüngst als Wohnsitz Enckes identifiziert werden. Der dort heute ansässige Verein „Orangerie – Theater im Volksgarten e.V.“ und der nordrhein-westfälische Zweig der „Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V.“ ehrten Fritz Encke mit einem Geburtstagsfest. Aber auch überregional hat Encke sich bedeutende Verdienste im Bereich der Gartenkultur erworben. Wir sprachen mit den Vorsitzenden Dr. Hiltrud Cordes und Dorothée Waechter, sowie mit der Autorin des Führers „Das Kölner Stadtgrün“ und stellvertretende Vorsitzende Karla Krieger über das grüne Erbe Kölns.
 
Sie feiern gemeinsam Fritz Enckes Geburtstag. Was hat Sie zu dieser Aktion veranlasst?
Dorothée Waechter: Ein 150. Geburtstag ist auf jeden Fall ein Grund zum Feiern. Mit dem kleinen Festakt in der „Orangerie“, die Fritz Encke als Dienstvilla diente, möchten wir auf das Wirken dieses bedeutenden Gartengestalters hinweisen.
 
Hiltrud Cordes: Wir hatten in der „Orangerie“ schon weit über 10 Jahre Theater gespielt, bevor wir in Erfahrung brachten, wer hier früher gelebt hat. Es ist eine Freude für uns, dass ein so bedeutender Mann wie Fritz Encke hier seinen Wohnsitz hatte. Deshalb möchten wir auch unsere Besucher auf den einstigen Bewohner der „Orangerie“ aufmerksam machen.
 
Welche Grünanlagen und Parks in dieser Stadt tragen Enckes Handschrift?
Karla Krieger: Ein großer Teil der Plätze, Parks, Sport- und Grünanlagen in Köln tragen Enckes Handschrift. Charakteristisch für Encke sind auch die s.g. Sondergärten am Rande der Volksparks, in denen sich Enckes besondere Fähigkeit zur Gestaltung mit Pflanzen zeigt. Sie waren einst besondere Juwelen in der Grünlandschat. Als einen der wichtigsten Parks von Encke kann man den Friedenspark in der Südstadt bezeichnen.
 
Was ist unter dem Begriff „soziales Grün“ zu verstehen?
Waechter: Encke hatte seinerzeit erkannt, dass Parkanlagen die Erholungsräume der städtischen Bevölkerung sind. Das städtische Grün sollte den Menschen ermöglichen, dass sie sich dort erholen und die Kinder sich kräftig entwickeln. Er hat die Grünflächen daher in verschiedene Räume unterteilt, die den Menschen als Rückzugsraum dienten. In einem Bereich beispielsweise können Kleinkinder spielen, zugleich sind Sitzgelegenheiten für die Mütter vorgesehen. Andere Bereiche waren älteren Kindern vorbehalten.
 
Fritz Encke gilt als Reformgärtner. Worin liegen seine Neuerungen?
Krieger: Encke forderte „Ehrlichkeit“ in der Gestaltung und räumte auf mit überkommenen, sinnentleerten Stilvorstellungen. Er schaute schon früh auf das Vorbild der „Arts & Crafts“ Bewegung in England und kämpfte für einen modernen „architektonischen“ Stil. Er verfolgte ähnliche Gedanken, wie sie später die „Bauhaus“-Architekten in der Hochbauarchitektur umsetzten.
 
Waechter: Jede Art von Garten erfüllt auch einen sozialen Zweck, nämlich das Treffen von Menschen, die miteinander reden. Das gilt für den Hausgarten ebenso wie für den öffentlichen Park.
 
Was hat uns Fritz Encke heute noch zu sagen? Hat er noch Aktualität?
Waechter: Aktuell redet man von den „liveable cities“, den lebenswerten Städten, die ihren Bewohnern etwas bieten sollen. Dabei spielt nicht nur die kulturelle Unterhaltung eine Rolle, sondern auch die Möglichkeit, Entspannung und Ruhe an der frischen Luft zu finden. Im Zusammenhang mit dieser Diskussion wird das Beispiel New York mit dem Highline Park genannt, der ganz neu auf einer alten Bahntrasse angelegt wurde. In Köln gibt es diese Parkanlagen bereits seit Encke, man muss es nur erkennen, welche Perlen vorhanden sind.
 
Krieger: Encke scheint heute so aktuell wie damals. Es ist beeindruckend wie extrem differenziert die Parks damals gestaltet wurden und wie differenziert sie auch heute noch genutzt werden können. Neben Spiel, Sport und Erholung dienten sie seinerzeit schon als Bühne für Kulturereignisse. Encke hatte im Fritz-Encke-Volkspark ein Freilichttheater, einen Reigenplatz und eine Lesecke eingebaut. Wer das Edelweißpiratenfestival im Friedenspark besucht, kann sich von der Aktualität überzeugen.
 

Geht die Stadt sorgfältig mit ihrem grünen Erbe um?
Cordes: Fritz Encke hatte auch hier an seinem Wohnhaus einen Garten angelegt, aber von dieser Anlage ist heute fast nichts mehr zu erkennen. Wir bemühen uns jetzt mit einer Gruppe von ehrenamtlichen Gartenfans, das Gelände einigermaßen in Schuss zu halten. Die Unterstützung der Stadt hält sich dabei leider sehr in Grenzen.
 
Krieger: Die Stadt bemüht sich. Da es jedoch kaum – wie in anderen Städten üblich – professionelle Erhaltungskonzepte gibt, die unter Beachtung der historischen Strukturen Pflege- und Entwicklungskonzepte für die Zukunft entwickeln, weiß die eine Hand oft nicht was die andere tut. Die Zahl der städtischen Gärtner ist gering, die Ausbildung den besonderen Anforderungen an historische Grünanlagen nicht immer angemessen. Das führt in Teilen zu erheblichen Substanzverlusten an den denkmalgeschützten Parkanlagen. Ich habe hierfür einmal das böse Wort vom „administrativen Vandalismus“ geprägt.
 
Sie wollen nun mit der Anbringung einer Schrifttafel an der Orangerie an die besondere Bedeutung des früheren Gartendirektors erinnern. Unterstützt die Stadt diese Aktion? Was geschieht zur Rettung der Bausubstanz?
Cordes: Die Schrifttafel ist eine Initiative vom Trägerverein der „Orangerie“ und der Gartengesellschaft. Als Theater werden wir vom Kulturamt gefördert und auch in unseren Bemühungen zur Rettung des denkmalgeschützten Gebäudes unterstützt. Es müsste aber ein breiter aufgestelltes Interesse für unser Projekt geben, damit sich etwas bewegt. Bislang ist noch keine Verbesserung der Lage in Sicht, obwohl eine Sanierung wirklich dringend notwendig wäre.
 
Nach dem ersten Weltkrieg wirkte Encke mit Unterstützung von Konrad Adenauer beim Ausbau der Kölner Festungsringe zu  Grüngürteln mit. Fehlt es heute vor allem an den erforderlichen Mitteln für solche Großprojekte? Oder mangelt es ganz allgemein an solch weitsichtigen Politikern?
Waechter: Meines Erachtens geht es zum einen ganz sicher um die Weitsicht, dass man Vorhandenes entsprechend zu Ehren kommen lässt und nicht versucht, sich mit Neuem zu schmücken. Ein ganz wichtiger Aspekt ist aber auch, dass die Projekte leider nicht mit der notwendigen Fachkenntnis und der notwendigen Sensibilität behandelt werden. In einem vorhandenen Park gibt es bereits Nutzer, deren Interessen und Wünschen es mit Respekt zu begegnen gilt.

 

Text: Maja Majer-Wallat

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