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Kultur

Surrealistische Reise durch ein Jahrhundert

Freitag, 28. März 2014 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

„Das Alte stirbt, das Neue kann noch nicht geboren werden.“ Harte Worte fallen in diesen Tagen auf der Kellerbühne des Freien Werkstatt Theaters (FWT). Unter der Regie von Guido Rademachers führt das Rose-Theegarten-Ensemble eine Produktion über das vergangene Jahrhundert auf und greift dabei tief in die Gefühlswelt der Zuschauer ein.

Die neue Bestuhlung des unteren Saales im FWT ist gewöhnungsbedürftig. Anstatt die Bühne am einen Ende zu positionieren, sind die Stühle für das Publikum in zwei Reihen an der Längswand aufgestellt. So entsteht davor die Anmutung eines Laufstegs, auf dem die Modelle eine neue Kollektion vorstellen. Unterstützt wird dieser Eindruck durch einen langen Teppich, der die gesamte Bühne bedeckt. Die Haute Couture kann vorgeführt werden.

Fünf Schauspieler – zwei Frauen, drei Männer – zeichnen das surrealistische Gemälde eines turbulenten Jahrhunderts. Es sind Bilder, Sequenzen, kurze Einblicke in die menschliche Seele, die sich auf dem roten Teppich abspielen. Die Schrecken zweier Weltkriege und anderer militärischer Konflikte kommen dabei genauso zum Tragen wie individuelle Katastrophen. Trennungen und Krankheit, Tod und Einsamkeit. Zwei gegensätzliche Komponenten beherrschen dabei die Szenerie: Im Hintergrund sind immer wieder die Schüsse und Explosionen des Krieges zu hören, während auf der Bühne regelmäßig Unterhaltungsnummern von der Grausamkeit der Realität abzulenken versuchen.

 

In den kurzen Sequenzen spielen sich groteske Szenen ab. Eine Frau wartet in der Einsamkeit auf die Lieferung ihres Sofas und zeichnet die Umrisse des neuen Möbels an die Wand. Ein abgehalfterter Clown läuft wortlos über die Bühne. Mal spielt er Ziehharmonika, mal singt er, mal marschiert er einfach nur. Eine Prostituierte nimmt an sich selbst eine Abtreibung vor und steht danach im Blut. Zwei Comedians führen ihre Nummern auf, die immer rasanter und skurriler werden. Und schließlich wird die gesamte Show von einem Conferencier moderiert, der beinahe teilnahmslos durch das Programm führt. Untermalt wird das Geschehen von eingespieltem Applaus und künstlichem Lachen.

Fünf großartige Schauspieler zeigen über 90 Minuten eine rasante Leistung, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die phantastische Bettina Muckenhaupt stellt wieder einmal ihr ganzes Können unter Beweis und führt vor Augen, dass Theater nicht vom gesprochenen Wort lebt, sondern viel mehr von den kleinen Gesten und mimischen Ausdrücken. Claudia Holzapfel tobt über die Bühne, springt von einer Rolle in die nächste. Charles Ripley lässt sich erschießen und wechselt die Figuren ebenfalls permanent. Adrian Ils, der auch für die Musik verantwortlich ist und den wir gerade erst im Comedia Theater in einem Jugendstück (Edelweißpiraten) gesehen haben, mimt den sprach- aber keinesfalls ausdruckslosen Clown. Und Thomas Wenzel moderiert und kommentiert gekonnt durch den Abend.

Mit „Am Ende der Nacht“ inszeniert Guido Rademachers ein Stück, das sich auf die Grundzüge des Theaters beruft, indem es die Gefühle anspricht. Nicht die erzählte Geschichte, nicht die Worte, nicht die einzelne Sequenz stehen im Vordergrund, sondern vielmehr das Amüsement, das Entsetzen, die Langeweile, die Angst und die Liebe. Zuneigung und Ekel wechseln sich ab, laute und stille Momente stehen im Kontrast, Helligkeit und Düsternis zerren an den Nerven des Publikums. Es ist ein emotionaler Abend, der bedrückt und irritiert, dabei aber keine Sekunde langweilig ist.

Foto: Meyer Originals

 

Am Ende der Nacht mit Rose-Theegarten-Ensemble
Mit: Claudia Holzapfel, Bettina Muckenhaupt, Charles Ripley, Thomas Wenzel, Adrian Ils?Regie: Guido Rademachers?Ausstattung: Regina Rösing?Musik: Adrian Ils?Produktionsassistenz: Raoul Migliosi

Weitere Termine
9./10. Mai 2014
19./20./28./29. Juni
5./6. Juli
jeweils 20 Uhr
 

Text: Stephan Martin Meyer

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