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Kultur

Altbackener Schwank

Freitag, 27. September 2013 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: Barbara Siewer

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Henrik Ibsen und der romantische Nationalismus in Norwegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Norweger verfasste in seinem italienischen Exil ein Gedicht, kurz darauf eine Bühnenfassung mit dem Namen „Peer Gynt“. Einige Kritiker verführte das zu dem Vergleich mit Goethes „Faust“. Edvard Grieg schuf passend dazu die Musik, von der heute in erster Linie die „Peer-Gynt-Suiten“ bekannt sind.
Der Protagonist weiß nicht so recht, wohin mit sich und seinem Übermut. Er stürzt sich in eine Katastrophe nach der anderen, ziellos irrt er durch die Welt, verstrickt sich permanent in Lügen. Er bändelt mit Frauen an, immer mit dem Wunsch vor Augen, eine gute Partie zu machen. Allein seine Mutter liebt ihn über alles und verzeiht im jeden Fehltritt.

Aktuell wird das Bühnenstück im Theater am Sachsenring (TAS) aufgeführt. Ein Theatererlebnis der besonderen Art. Eine schwarze Bühne, nur wenige Kästen stehen als Requisiten auf der Bühne. Peer (Richard Hucke) tritt auf, ebenso seine Mutter (Jennifer Silke). „Du lügst“, schreit sie ihn an und legt damit den roten Faden im Leben ihres Sohnes offen.

Ein Stück in Versform heute aufzuführen bedeutet eine Herausforderung. Die Sprache ist ungewohnt und setzt ein hohes Maß an Bereitschaft voraus, sich darauf einzulassen. Auch die Nachdichtung von Christian Morgenstern macht die Arbeit nicht leichter, ist sie doch in der gleichen Zeit verhaftet. Große Theater haben sich an Neuinszenierungen herangewagt. Das Nationaltheater in Bergen, das Berliner Ensemble, das Burgtheater in Wien. Der Erfolg war hier groß.

Das junge Ensemble des TAS unter der Leitung von Joe Knipp bemüht sich redlich, die kleine Kellerbühne Sachsenring mit Leben zu füllen. So ganz will das Experiment jedoch nicht gelingen. Die Sprache scheint auch den Schauspielern noch fremd zu sein. Hucke erscheint als kräftiger Peer Gynt, der an sich selbst verzweifelt, spricht jedoch so schnell, dass der Zuschauer seinen Worten kaum folgen kann. Silke ist als Mutter wenig glaubhaft, ist sie doch deutlich jünger als ihr Sohn. Und die dritte im Bunde, Signe Zurmühlen, wirkt ein wenig verkrampft.
Die beiden Schauspielerinnen wechseln in hohem Tempo von einer Rolle in die andere, sie erstürmen die Bühne, agieren um Peer Gynt herum, verschwinden wieder. Kaum hat man sie in einer Rolle für einen kurzen Moment erfasst, sind sie schon wieder fort, treten im neuen Kostüm auf. Diesem schnellen Wechsel nachhaltig zu folgen, fällt schwer.

Die Inszenierung bietet wenig Einblick in ein aktuelles Verständnis des klassischen Stoffes. Das Geschehen ist sperrig, der schon im Originalstoff schwer verständliche Zusammenhang der Szenen wird kaum aufgebrochen, Bezüge zur Gegenwart und damit der Zugang zu einem tieferen Verständnis fehlen. Die Szenen wirken aneinandergereiht, die sexuelle Komponente, die ursprünglich nur in Andeutungen vorkommt, wird überdeutlich herausgestellt und in der Verbindung mit der Sprache in seiner Versform bekommt die Aufführung die Anmutung eines Schwankes.

Ibsens Stück heute auf die Bühne zu bringen, erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit den Formen des Gegenwartstheaters, mit seinen Möglichkeiten der neuen Darstellung klassischer Stoffe und der Abkehr von statischen Szenen. Daraus können neue Erkenntnisse zum Verständnis resultieren. Diese Chancen hat der Regisseur mit der Inszenierung des „Peer Gynt“ leider nicht aufgegriffen, sondern konzentriert sich darauf, Textpassagen aufsagen zu lassen und die Figuren in einer etwas verstaubten Weise miteinander agieren zu lassen.
 

 

 

Weitere Termine vom „Peer Gynt“ im TAS

04./05./10./11./12./17./18./19. Oktober, 20 Uhr

Text: Stephan Martin Meyer

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