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Südkids

Von Königstöchtern und Hirten, von Pennern und Berbern

Donnerstag, 26. Januar 2017 | Text: Alida Pisu | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

„Es war einmal…“, mit diesen Worten beginnen sie, die vertrauten und immer wieder gern gehörten Märchen aus alter Zeit. Am vergangenen Sonntag fand in der Lutherkirche die Zweitauflage des Eine-Welt-Märchenfestivals STERnTALER statt. Dass sich märchenhafte Ereignisse nicht nur in der Vergangenheit ereigneten, machte Pfarrer Hans Mörtter in seiner Begrüßung deutlich. Er erzählte von der „Froschkönigin“, einer Frau, in deren Leben es immer Frösche gab. Als sie in ein Hospiz musste, waren auf einmal keine Frösche mehr da. Die Familie vermisste die Frösche, doch nachdem die Frau gestorben war und die Familie die Tür öffnete, saß ein kleiner Frosch auf dem langen Krankenhausflur, als wäre es ein letzter Gruß von ihr. Eine wahre Geschichte, die eines zeigte: Märchen handeln oft von „wunderbaren“ Begebenheiten und selbst wenn sie Krankheit oder Tod thematisieren, so findet man doch auch Trost in ihnen.

 

Eine bittersüße Liebesgeschichte

Moderatorin Alexandra Stegh, die ebenso witzig und charmant wie Michael Koslar durch das Programm führte, zitierte den großen Psychologen und Menschenkenner C. G. Jung mit den Worten: „Die Märchen der Völker haben sehr viel mit der Mentalität der Menschen zu tun. Wenn man die Sagen und Märchen der Menschen kennt, die mit uns leben, dann versteht man ihre Bräuche und ihre Mentalität.“

Den Märchen-Reigen eröffnete der aus der Türkei stammende kurdische Schriftsteller Hüseyin Erdem mit dem kurdischen Märchen „Die Mohnblumen.“ Eine bittersüße Liebesgeschichte zwischen der schönen Königstochter und dem armen Hirten. Natürlich akzeptiert der König den Hirten nicht als Schwiegersohn, in seinem Zorn will er sie beide töten. Die Königstochter ruft die Winde, die Gewitter zur Hilfe, aber es hilft ihnen nichts, der wütende Vater tötet sie beide. Noch in der Nacht fällt Feuer vom Himmel, vom Schloss bleiben nur noch Ruinen. Aber dort, wo Königstochter und Hirte sich trafen, wachsen zwei Mohnblumen, in denen sie wieder zum Leben erwachen. Liebe ist stärker als der Tod oder anders gesagt: der Tod kann Liebende nicht trennen.

Nicht nur klassische Märchen waren beim Festival vertreten. „Bei diesem Festival kommen alle möglichen Leute zu Wort, wir schaffen so etwas wie ein Haus für alle. Es ist schön, wenn man Menschen, egal ob Künstler oder Zuschauer, Gelegenheit gibt, etwas zu machen und dabei zu sein. Ich gehe wie eine Null in dieses Festival rein und werde voll mit Überraschungen“, so eine Vertreterin der Initiative STERnTALER.

 

Eskandar Abadi erzählte eine Liebesszene aus der persischen Sage: „Das Königsbuch“.

 

Gedichte Karol Wojtylas

Eine große Überraschung präsentierten die beiden Musiker Markus Reinhardt und Rudi Rumstajn mit der Welt-Uraufführung zweier Gedichte Karol Wojtylas, des späteren Papstes Johannes Paul II. Einfühlsam vorgetragen von Inge Drews, musikalisch untermalt von Reinhardt und Rumstajn, thematisch kreisend um das Mysterium Mensch. Sehr berührend auch Rudi Rumstajns melancholisches Lied über das Leben eines Zigeuners. „Leb so weiter, leb das, was du bist…, du lebst in tausend Jahren nur einen Tag.“ Ein biblisches Motiv: „…beim Herrn sind tausend Jahre wie ein Tag.“ Wären das nicht  wirklich märchenhafte Zustände, wenn Zeit bis in die Ewigkeit hineinreichte?

 

Das Leben auf der Platte

Die ehemalige Obdachlose Rhonda Schmitt protestierte lautstark, als Michael Koslar bei ihrer Vorstellung erwähnte, dass man Obdachlose auch als Penner und Berber bezeichnet. Rhonda Schmitt erklärte ihren Protest sogleich: „Ein Berber ist ein Mensch, der obdachlos ist. Ein Penner ist eine Kanalratte, die andere im Schlaf bestiehlt.“ Wie man zum Berber wird? „Bei manchen ist es die Frau, der Mann, der Suff, die Krankheit, bei mir waren es die Eltern.“ In ihrer Performance sang sie vom Leben auf der Platte, wenn vor Kälte die Finger nicht mehr warm werden und die soziale Kälte weh tut.

 

Damen und ihre Anbeter

Aus den weiteren Mitwirkenden seien noch Eskandar Abadi sowie Steven Ouma und Bernd Keul herausgegriffen. Der blinde Eskandar Abadi, der 1980 aus dem Iran nach Deutschland kam und als Redakteur bei der Deutschen Welle arbeitet, erzählte eine Liebesszene aus der berühmten persischen Sage: „Das Königsbuch“. Held dieser Sage ist Rostam, die Szene handelt vom Rendezvous seiner Mutter Rudabeh, einer Königstochter und des in sie, insbesondere in ihre langen Haare, verliebten Zal. Sie ist auf dem Dach, er steht unten und weiß nicht, wie er zu ihr kommen soll, doch da sind die Damen vielleicht zu allen Zeiten findiger als ihre Anbeter. Rudabeh zieht Zal mit ihren langen Haaren aufs Dach, sie zeugen in dieser Nacht Rostam.

 

Der kluge Hase und der Löwe

Ein kenianisches Märchen erzählte, sang und spielte mit musikalischer Begleitung der kenianische Sänger Steven Ouma. Es muss an dieser Stelle unbedingt erzählt werden, weil es eines der Märchen ist, aus denen sich simple Lebensanweisungen erschließen. Ein Hase kommt an der Höhle eines kranken Löwen vorbei und beschließt, ihm zu helfen. Als es dem Löwen etwas besser geht, macht er sich auf die Jagd und schon bald türmen sich Knochen vor seiner Höhle. Eine Hyäne hat Appetit auf die Knochen, doch der Löwe schickt ihn fort, weil er in der Not nicht da war, wie sein Freund, der Hase. Die Hyäne erwidert, dass der Hase auch kein Freund wäre, sonst hätte er den Löwen, der noch eine Wunde hat, völlig geheilt. Der kluge Hase erklärt dem Löwen, er hätte ihn bisher nicht heilen können, da ihm ein Stück Fett einer Hyäne fehlte. Kaum ausgesprochen, reißt der Löwe der Hyäne ein Fettstück heraus. So kann‘s gehen. „Was will uns dieses Märchen sagen?“, fragte  Steven Ouma und gab auch gleich die Antwort: „Sage nichts Falsches über jemand anderen!“ Das gilt wohl nicht nur für Kenianer. C. G. Jung würde sagen: „Es gibt auch Menschliches, was in allen Kulturen zu finden ist.“

 

Das nächste STERnTALER-Märchenfestival findet am 19. März im Bauspielplatz statt. Es wird bestimmt wieder märchenhaft werden!

Text: Alida Pisu

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