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Südstadt

Vringsdings im Severinsviertel

Dienstag, 21. Juli 2026 | Text: | Bild: Bettina Brucker

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

„Wir wollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Vringsveedel stärken“, sagen Susanne Meinel (Projektkontor) und Gerrit Völker (Maternus Buchhandlung).

Die beiden leben und arbeiten in der Severinstraße und haben eine nachbarschaftliche Initiative angestoßen: Vringsdings.

Susanne Meinel und Gerrit Völker wollen die Nachbarschaft stärken (Bild: Bettina Brucker)

Es kann sich alles entwickeln

Schon zum ersten Treffen im Juni waren 42 Menschen aus der Nachbarschaft im Alter etwa zwischen 30 und 80 Jahren gekommen. Bereit, sich mit anderen auszutauschen, Ideen zu sammeln und die Veränderung im Veedel „in kleinen Schritten“, wie Gerrit betont, anzugehen. „Es kann sich alles entwickeln, wobei es vor allem um Klimawandelanpassung, Verkehrsgerechtigkeit und Nachbarschaft geht.“ Die Gründe dafür sind messbar und spürbar. Über 50 Grad zeigte das Thermometer auf der Severinstraße Mitte Juli an. Und der Autoverkehr in der Straße hat durch die neu eröffneten Acai-Bowl-Läden zugenommen und ist aggressiver geworden. Da liegt es nah, über Verschattung, Begrünung, Verkehrsreduzierung und den Zusammenhalt in der Nachbarschaft nachzudenken und zu diskutieren.

Die Severinstraße ist noch immer vom Autoverkehr geprägt (Bild: Bettina Brucker)

Warten bis die U-Bahn fährt?

Dass sich das Vringsveedel verändert, ist nicht erst seit gestern so. „Im Zuge des U-Bahn-Baus gab es die Idee, das Verkehrskonzept in der Severinstraße von den Schwächsten her zu denken, also von den Fußgängern“, so Susanne. Doch das funktioniere heute ebenso wenig, wie die U-Bahn fährt. Autofrei, ja, dafür sei er auch, sagte kürzlich ein Anwohner, aber ohne U-Bahn sei das schwierig. Warten bis die U-Bahn fährt, wollen Gerrit und Susanne aber nicht. Und ihre Unterstützer:innen und Mitstreiter:innen auch nicht.

U-Bahn – seit mehr als 20 Jahren DAS heiße Versprechen (Bild: Bettina Brucker)

Sich die Träume zurückholen

„Wenn wir erst mal ins Gespräch kommen, schaffen wir gemeinsam Veränderung.“ Davon ist Gerrit überzeugt. „Ich bin der Impulsgeber, der die Träume zurückholt, die einem vor der Haustür genommen wurden. Der die Frage in den Raum stellt: Wem gehört der städtische Raum?“ Bei Vringsdings sind damit die Severinstraße als Herzstück sowie das ganze Vringsveedel gemeint.

Good vibes für die Nachbarschaft

Gerrit ist seit 20 Jahren in der Maternus Buchhandlung, seit 6 Jahren als Inhaber. Er sagt: „In der Severinstraße zeigt sich krass, was im Veedel schiefläuft. Weil die U-Bahn nicht fährt, hat sich hier vieles fehlentwickelt. Und von Seiten der Stadt passiert nichts. Kölsche Mangelverwaltung halt“. Doch damit will er sich nicht abfinden. „Ich bin Teil des Veedels. Und ich lebe gerne in diesem heterogenen Stadtviertel. Lass uns also `good vibes´ schaffen“. Auch Susanne betont, dass das durchmischte Leben hier etwas Besonders sei und dass das Severinsviertel sogar unter der Milieuschutzsatzung der Stadt stehe. Ihr ist es wichtig, sich nicht gegen etwas zu positionieren, sondern sich zusammen mit der Nachbarschaft für etwas einzusetzen und aktiv zu werden.

Bäume oder Rosenmontagszug?

Seit dem ersten Treffen „ploppen von allen Seiten immer wieder neue Ideen auf“, so Susanne. Da werden gute Beispiele aus dem In- und Ausland gesammelt und geteilt. „Klar, man muss sich fragen, was wir uns vorstellen können und was von den Wolkenschlössern sich letztlich umsetzen lässt“. Gerrit nickt. „Bäume in der Severinstraße gehen zum Beispiel nicht“, sagt er. „Da ist einerseits die U-Bahn drunter und dann geht da ja auch der Rosenmontagszug durch“. „Und den wollen wir auf alle Fälle behalten“, ruft Susanne und beide lachen.

Manche wünschen sich Tempo 20 auf der Severinstraße (Bild: Bettina Brucker)

Guerilla-Ferien

Gerrit und Susanne, die selbst Kinder haben, würden in Zukunft gerne auch Jüngere bei Vringsdings einbinden. Denn mit ihnen käme noch eine andere Perspektive dazu. Und vielleicht waren es ja Kinder oder Jugendliche, mutmaßen die beiden, die heute auf die Severinstraße mit bunter Straßenkreide als kleine Guerilla-Ferien-Aktion an jeder Kreuzung geschrieben haben: 20 km/h Zone bzw. „Anliegerstraße“.

Mitmachen erwünscht!

Geplant sind bei Vringsdings monatlich ein Stammtisch zum zwanglosen Austausch innerhalb der Nachbarschaft. Außerdem sollen in unregelmäßigen Abständen Veranstaltungen mit Expert:innen und Vertreter:innen der Politik stattfinden. So soll es nach den Sommerferien eine Einladung zu einem Abend mit Julie Cazier, Bezirksbürgermeisterin der Innenstadt, geben.

Der nächste Stammtisch von „Vringsdings“ ist am Donnerstag, 23.07.2026 um 19:30 Uhr im Stollwerk.

Text: Bettina Brucker

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