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Auf ein Kölsch mit... Kultur

„Was war das denn jetzt eigentlich?“

Freitag, 16. März 2012 | Text: Gastbeitrag | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Das war ja kein Interview über LSE?“. Da hat er Recht, der Arno Steffen, das „S“ bei LSE. Vollkommen! Und der Autor hat seinen ersten Auftrag für „Meine Südstadt“, ein Interview anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des LSE-Albums „Für et Hätz un jejen dä Kopp“ zu führen, verfehlt. Schade! Aber eigentlich auch nicht! Denn aus der schnellen Tasse Kaffee und ein paar Fragen wurde ein fast einstündiges Gespräch über Köln, Musik und den Menschen Arno Steffen.

Glück also, dass die „Fonda“ am Sonntag gut besucht ist und Steffen vorschlägt, in sein Studio in der Brunostraße zu gehen. Klein und gemütlich ist es hier, Gitarren liegen herum, eine Mandoline im geöffneten Case. Aber es ist auch das Studio, in dem er an Musik für Film- und TV-Produktionen arbeitet. Keine Musikerromantik, sondern moderne Studiotechnik.

Hier schafft er also. Und dieses Schaffen ist ganz eng mit Köln verbunden. Er fühlt sich wie eine Pflanze, die mit stetigem Wachstum sich immer mehr verbunden und verwurzelt hat. In dieses dichte Geflecht gehören auch die Kollegen Rolf Lammers und Tommy Engel, dass „L“ und das „E“ in „LSE“. „LSE“ haben mit „Sein lassen!“, dem „Saunaboy“ und  dem wunderbaren „Leck ens am Arsch!“ kölsche Songs geschaffen, die trotz „Mit-Sing-Mechanismus“, jeglicher „umta-umtata“ Anbiederung widerstehen. Dem Nicht Kölner, vermitteln diese Lieder einen tiefen Einblick in die kölsche Seele.
Das Verhältnis zu seinen beiden ehemaligen Mitmusikern beschreibt Arno Steffen als „offenen Schlauch“. Meint, auch wenn das Kapitel LSE  abgeschlossen sei, ist die Zusammenarbeit, das gegenseitige Beeinflussen dies lange noch nicht. Die Ideen fließen weiter, zum Beispiel in neue Songs. Bereitwillig öffnet Arno Steffen das digitale Schatzkästchen seines Computers und gibt aktuelle musikalische Ideen und Songentwürfe preis. Diese machen Lust, und man kann nur hoffen, dass daraus bald ein Album wird.

Arno Steffen in seinem Studio.

 

Die Songs sind kölsch, klingen melodisch. Steffen bezieht musikalisch Standpunkt und artikuliert klar seine Kritik an den Zuständen und Entwicklungen dieser Stadt, hübsch verpackt, aber dennoch eindeutig.  Kann man das denn überhaupt auf Kölsch, oder sind Lieder in kölscher Sprache nicht immer gleich karnevalistische Folklore? „Man kann“, sagt Steffen, „man muss es sich nur trauen“. Hier nimmt er die Künstler selbst in die Verantwortung, die sich nicht nur an den Bedürfnissen des Marktes orientieren sollten.

Überhaupt geht Steffen mit Köln als Musikstadt hart ins Gericht. Die Politik der letzten Jahre habe hier systematisch dafür gesorgt, dass dies letztlich bloß ein Etikettenschwindel sei, ein Überbleibsel aus „alten Zeiten“ als CAN, BAP, die Zeltinger Band, aber auch die Elektroniker des Kompakt-Labels diesen Ruf prägten. Diesen Etikettenschwindel sieht er aber nicht nur in der Musik – die Südstadt selbst sei ein Beispiel dafür. Hier kommen die „Pinguine“, wie Steffen sie nennt, um das urige kölsche Flair zu genießen, aber die, die dieses Flair geprägt haben, werden durch hohe Mietpreise systematisch aus dem Veedel gedrängt. Wer oder was sich konkret hinter den „Pinguinen“ verbirgt, lässt Steffen offen, bietet somit aber reichlich interpretative Leerstellen, die jeder selbst besetzen kann.
Die Politik müsse endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und die richtigen Voraussetzungen schaffen. Aus dem ehemaligen Rauenstrauch-Joest-Museum als Beispiel dürfe kein Kommerztempel entstehen, sondern besser eine Musikschule oder eine Kunstakademie.

Aber warum dann Köln? Warum nicht Berlin, London oder die anderen üblichen Verdächtigen? Da ist eben dieses Bild der Pflanze, diese Verwurzelung. Außerdem will er verändern und Einfluss nehmen. Und es gibt eben diese irrationale Komponente: „Warum guck’ ich mir den FC an? Warum tu’ ich das am Samstag?“ Steffen ist in Köln geboren und aufgewachsen, und er mag diese Stadt und ihre Menschen. Hier passierte seine musikalische Sozialisation. Tritt er heute mit der alten Zeltinger Band auf, wie zum Beispiel kürzlich beim Basement-Jubiläum, dann ist das Rock’n’Roll. „Dat mät Spass, is laut und eckt an“, sagt der Südstädter begeistert. „Keiner aus der Band weiß mehr so genau, wie das Arrangement der Songs eigentlich war, aber gerockt wird trotzdem.“
In der Pressemitteilung anlässlich des LSE Jubiläums, das sich zum 20. Mal jährte, heißt es: „Wir drei befinden uns in einem Dornröschenschlaf. Mal sehen, wer als erstes wach geküsst wird.“ Arno Steffen ist wach, und man kann eigentlich nicht glauben, dass er zwischenzeitlich geschlafen haben soll. Er engagiert sich bei  der „AG Arsch Huh“, schraubt an neuen Songs und nimmt die Entwicklungen der Stadt wahr. Am 8.April wird im Odeon außerdem seine Dokumentation über den Kölner Schimpansen Petermann zu sehen sein. Er, für den „Musik sein Inneres ist“, hat Lust gemacht auf. Auf diese Stadt und auf kölsche Musik jenseits des Karnevals.

Sascha Schiffbauer
Der Autor ist ein echtes Südstadtkind, in der Alteburger Straße geboren. Der Schauspieler, Entertainer und Moderator lebt hier im Viertel mit seiner Familie und zwei Katzen.

Text: Gastbeitrag

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