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Kultur

Wenn die blonden Haare wehen

Dienstag, 19. September 2017 | Text: Alida Pisu | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Der Bus fährt vor und heraus steigen 20 Mädchen, um im Kindererholungsheim Seebühl am Bühlsee ihre Ferien zu verbringen. Eigentlich steigen sie nicht wirklich aus, man sieht nur hinter dem Klavier 20mal in fliegendem Tempo eine blonde Perücke vorbeiwischen und damit sind schon die zwei wichtigsten Requisiten genannt, die in „Das doppelte Lottchen“ eine Rolle spielen. Die Inszenierung des Kinderbuchklassikers von Erich Kästner hat die Vorlage kräftig entstaubt und in die Gegenwart versetzt. Das macht auch Sinn, gab es zu Kästners Zeiten zwar durchaus schon Scheidungskinder, aber von der heutigen, bunten Vielfalt an Patchwork-Familien konnte 1949, als der Roman erschien, natürlich noch keine Rede sein.

Lotte (Peter S.Herff) aus München, eine der Neuen und Luise (Manuel Moser) aus Wien, die schon länger im Ferienheim ist, sehen sich ähnlich wie ein Ei dem anderen. Das kann nicht sein, oder? Es Kann! Waren doch Lottes Mutter und Luises Vater (Liliom Lewald), die Elternteile, bei denen die Kinder leben, mal miteinander verheiratet und hatten beide nach der Scheidung je ein Kind zu sich genommen. Beiden Kindern wurden die Existenz der Zwillingsschwester und des anderen Elternteils verschwiegen. Kein Wunder also, dass Lotte und Luise aus allen Wolken fallen, als sie sich gegenüber stehen.

 

Regisseur Frank Hörner hat um die sattsam bekannte Geschichte eine Rahmenhandlung gelegt: drei Halunken, die in der Justizvollzugsanstalt Ossendorf einsitzen, sind mit dem Stück auf Tournee, um zu zeigen, dass man alles erreichen kann. Begleitet werden sie dabei von einer Justizvollzugsbeamtin (Sibel Polat), die ihnen auch schon mal Handschellen anlegt, gehörig den Kopf wäscht und bei Streit schlichtend eingreift.  Alle vier tragen eine blonde Pagenkopf-Perücke, sind schwarz gekleidet und sehen sich ähnlich. Das doppelte Lottchen mal zwei? Nein, aber die Darsteller schlüpfen doch munter von einer Figur in die andere. Als die Kinder ihre Rollen wechseln und Lotte als Luise nach Wien und Luise als Lotte nach München fährt, zeigt nur der Wechsel eines Zopfes an, wer jetzt wer ist.

Zuvor aber liefern sich die Mädchen zu fetziger Musik noch einen erbitterten Kampf mit den als Ninjas verkleideten Ferienhausleitern, die ein Foto der Zwillinge an die Zeitungen schicken wollen. Überhaupt die Musik. Mal schwelgt sie in der guten alten Zeit mit ihren Wiener Liedern, mal hört man „Frühling, Frühling, Frühling, wer liebt dich nicht wie ich“ aus der 50er Jahre Schnulze „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, die ein ähnliches Szenario hat: zerstrittene Eltern, die einzige Tochter, von der ihr Vater nichts weiß, wächst bei der Mutter auf.

Nach dem Rollenwechsel gelingen spannende und rührende Momente. Die Ankunft der beiden Kinder etwa, an den Bahnhöfen in München bzw. Wien. Das die Bühne beherrschende Haus teilt sich, Nebel wabern, Showdown, wenn die Mädchen aus dem Nebel treten und in Empfang genommen werden. Oder wenn Lotte als Luise in Wien, auf das Klavier gestützt, einen Theaterbesuch beschreibt, bei dem sie ihrem Vater, dem bekannten Kapellmeister, beim Dirigieren einer Oper zusieht. Luise als Lotte in München schiebt unversehens einen Herd herein und wird durch Luises Beschreibung Teil der Opernhandlung. Das ist geschickt und schön gemacht und verweist immer wieder auf die Zusammengehörigkeit der Kinder. Sehr bewegend auch, wenn Zeit und Raum übersprungen werden und Mutter und Vater, sich am Klavier treffend, erzählen, warum sie sich dereinst getrennt haben. Die Kinder, die sich diese Frage auch schon gestellt hatten, sehen ihnen schweigend zu. Was sollen Kinder auch anderes tun, sie haben oftmals keinen Einfluss auf die Entscheidungen ihrer Eltern und können sie manchmal auch nicht verstehen.

 

Die Zeit vergeht und durch die Kinder, die – das war den Eltern immerhin schon aufgefallen – völlig verändert aus den Ferien gekommen waren, ändern sich auch ihre Eltern. Der Kapellmeister-Vater, eigentlich nur mit dem Komponieren oder einem Opernfräulein beschäftigt, wird häuslich, komponiert sogar eine Kinderoper, alles sehr zum Ärger des Opernfräuleins. Die vielbeschäftigte Mutter in München, deren Leben eigentlich nur aus Arbeit besteht, besucht mit ihrer Tochter eine Kirmes, es ist der schönste Tag im Leben des Kindes.

Selbstverständlich gelingt in der Kölner Inszenierung die Familienzusammenführung: durch den Rollentausch der Kinder kommen die Eltern wieder zusammen und wenn „Frühling, Frühling, Frühling, wer liebt dich nicht wie ich“ dann in schmissigen Pop-Version erklingt und die blonden Haare im Tanz nur so wehen, ist das Happy-End perfekt.

Scheidungskinder, ein schwieriges Thema, das in dieser Version von Kästners Geschichte mit viel Leichtigkeit, Schwung und Witz abgehandelt wird. Peter S. Herff und Manuel Moser zeigen ihre ganze Wandlungsfähigkeit in den Figuren der Kinder, geben als Knackis aber auch mal die harten Kerle. Sibel Polat verkörpert ebenso überzeugend das raffinierte Opernfräulein wie die resolute Beamtin. Und Liliom Lewald als egozentrischer Musiker mit wallender Mähne, die ihm ins Gesicht hängt, ist nicht nur eine Augenweide.
Die Kids sind begeistert. In diesem Herbst liebt man den Frühling!

 

„Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner

Regie: Frank Hörner
Mit: Peter s. Herff, Liliom Lewald, Manuel Moser, Sibel Polat
Comedia Theater – Vondelstraße 4-8, 50677 Köln
Weitere Termine: 19., 20. September, 4., 5., 6. Oktober, 23., 26., 27., 28., 29. Dezember 2017

 

Text: Alida Pisu

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