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Bildung & Erziehung Gesellschaft

111 Jahre Pauken am Zugweg – ein kölsches Schuljubiläum

Montag, 21. Februar 2011 | Text: Wassily Nemitz | Bild: Anke Westermann

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

An der Grundschule Zugweg kommt in diesem Jahr alles zusammen: 111-jähriges Schuljubiläum und 60 Jahre Teilnahme an den Schull- und Veedelszöch. Zeit, Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu schauen. Wer könnte das besser als Schulleiter Bruno Praß? Der Interviewtermin fällt, wie es der Zufall will, auf den 11.02.2011. Am gleichen Tag, im Anschluss an das Interview, wurde die Ausstellung „Kölnbilder“ von und mit der Künstlerin Gerda Laufenberg eröffnet. Als Gäste waren rund 25 interessierte Gäste gekommen, darunter einige Schüler der Grundschule. Die Laudatio hielt der oft als „Karnevalsphilosoph“ bezeichnete Wolfgang Oelsner. In seiner sehr kindgerechten Rede bezeichnete er die Werke Laufenbergs als „moderne Wimmelbilder“. Organisiert wurde die Ausstellung von den Elternvertretern Carolin Pfeil und Cornel Wachter.

Herr Praß, kommen Sie aus Köln?
Ich bin nicht in Köln geboren, ich lebe aber über 50 Jahre in dieser Stadt und fühle mich daher als Kölner und vor allem dem Brauchtum verbunden.

Wie würden Sie einem Nicht-Kölner erklären, warum in Köln 111-jährige Jubiläen wichtiger sind als 100-jährige?
Das 100-jährige Jubiläum haben wir natürlich in großem Rahmen gefeiert, 111 Jahre ist ein karnevalistisches Jubiläum, die Zahl hat hier eine wichtige symbolische Bedeutung, z.B. 11. 11.11.11 Uhr,  dies wollen wir natürlich im Rahmen der Brauchtumspflege gebührend feiern.

Ist Ihre Schule also eine karnevalistische Schule?
Der Karneval hat an unserer Schule eine lange Tradition. Als sich vor 17 Jahren für mich die Möglichkeit ergab, sich um die Schulleitung am Zugweg zu bewerben, habe ich dies gerne getan.

Jetzt fällt Ihr 111-jähriges Jubiläum in das Jahr 2011, außerdem sind Sie seit 60 Jahren bei den Schull- und Veedelszöch dabei – hat das jemand geplant?
Nein, das kann man nicht planen, die Schule wurde im Jahre 1900 notwendig durch die Stadterweiterung gebaut und entwickelte sich vor allem nach dem 2. Weltkrieg zu einer Schule, die im besonderen Maße das Brauchtum und den Schulkarneval pflegte. Schulleitungen und Lehrerschaft haben dies über all die Jahre stets gefördert, sodass diese langjährige Tradition entstehen konnte. Zunächst wurde 1951 ein Kinderzug initiiert, an der einige Schulen der Innenstadt teilnahmen, erst ein Jahr später wurden daraus dann die klassischen „Schull- und Veedelszöch“ etabliert, da der Kinderzug sehr erfolgreich war. Diese Schule ist von Anfang an ohne Unterbrechung in jedem Jahr dabei. Viele andere Schulen waren zwar auch 1951 schon dabei,  haben aber eine Zeit lang pausiert.


Was ist in diesem Jubiläumsjahr alles geplant?

Natürlich wird das Jubiläum sich in unseren karnevalistischen Aktivitäten niederschlagen. Zunächst ist es Thema in unserer traditionellen Schul- und Kindersitzung, vor allem aber ist es unser Motto bei den Schull – un Veedelszög „Zick 11 Johr dun mer am Zochwäch fließig schunkele – uns Pänz dobei als Stäncher funkele“

Worum handelt es sich bei dieser Schulsitzung genau?
Die Sitzung wird von unseren Klassen gestaltet, die Eltern und andere Interessierte werden dazu eingeladen. Das ist lange Tradition so; unsere Schule hat diesbezüglich schon einen Namen. Die Sitzung war zeitweise sogar bundesweit bekannt, denn der WDR übertrug die Sitzung in den 60er/70ern einige Jahre lang im Hörfunk. Später wurde sie auch im Fernsehen übertragen, vom WDR und auch von RTL, aber das hat uns nicht so gut gefallen. Da stand die Sitzung nicht mehr im Mittelpunkt, sondern die Fernsehaufzeichnung. Das ist nicht Sinn der Sache.

Was war für Sie persönlich das schönste Erlebnis in der Zeit an der Schule?
(Bruno Praß überlegt) Ein konkretes Ereignis kann ich nicht benennen, was ich aber die ganze Zeit über toll fand, war unsere Tradition im Karneval und vor allem die Kölsch-AG, die ich selbst leite. Dabei hatte ich eine Reihe von Erlebnissen, die unvergesslich geblieben sind; vor allem Kinder mit so einer Originalität, die wirklich was drauf haben. Wir sind mit der Kölsch-AG immer dabei, wir sind in der Adventszeit auf dem Severinskirchplatz, bei Schulfesten oder wir besuchen Altenheime. Das macht mir sehr viel Spaß.

Warum machen Sie Kölsch-AG? Verkommt die kölsche Sprache?
Es werden immer weniger, die Kölsch von zu Hause aus mitbringen. Einmal hatte ich ein Kind, dessen Mutter Italienerin und dessen Vater US-Amerikaner war – trotzdem war das Kind in der Kölsch-AG (lacht) Das finde ich klasse, denn mir ist der Erhalt der kölschen Sprache wichtig, der Erhalt des Liedguts. Die Auftritte, die wir machen, sind immer ein besonderes Erlebnis. Und es ist immer wieder schön zu sehen, mit welchem Eifer die Kinder dann bei den Auftritten bei der Sache sind.

Angenommen, ich hätte ein 5-jähriges Kind, das im Sommer eingeschult wird. Ich hätte die Wahl zwischen der Mainzer Straße und dem Zugweg – warum entscheide ich mich für Ihre Schule?
Das kann ich so pauschal gar nicht sagen. Man muss sich die Schulen und ihre Profile genau ansehen. Und kann danach entscheiden. Wir haben uns z.B. für eine jahrgansbezogene Schuleingangsphase entschieden. Das Besondere an meiner Schule ist, dass wir bilingualen Unterricht anbieten – und natürlich das Kölsch an der Schule, damit meine ich jetzt nicht das zum Trinken… (lacht)

Wie sieht der bilinguale Unterricht genau aus?
Es gibt in jedem Jahrgang eine deutsch-italienische Klasse, die eine deutsche, aber auch eine italienische Klassenlehrerin haben. Die Kinder erhalten Sprachunterricht in deutscher  und italienischer Sprache. Der Unterricht erfolgt hier jeweils in halber Klassenstärke, so dass die Lerngruppen kleiner sind. Für italienische Kinder ist dies eine intensivere Förderung in der deutschen Sprache, für deutsche Kinder die Chance schon sehr früh eine weitere Sprache zu erlernen. Der Sachunterricht erfolgt in beiden Sprachen und wird im Team unterrichtet.
Die Schule Zugweg hat diese Form des zweisprachigen Lernens in der Grundschule vor zehn Jahren begonnen, mittlerweile wurden nach ähnlichem Konzept auch weitere  bilinguale Schulen eingerichtet.

Schauen wir in die Zukunft – wie sieht die Schule Zugweg beim 222-jährigen Jubiläum aus?
Schule wird sich in jedem Fall weiter entwickeln, und wir werden jeder Entwicklung zum Wohle der Kinder sicherlich Rechnung tragen. Die Anforderungen wachsen und nicht immer sind die räumlichen Gegebenheiten geeignet. Es ist ein wunderschönes altes Schulgebäude – aber schon jetzt zeigen sich Grenzen.

Hat diese Schule im Jahr 2122 vier oder sechs Grundschuljahre?
Wenn es nach mir ginge, sechs Jahre. Auch wenn das ein räumliches Problem ist, ist die langfristige Festlegung nach vier Jahren durchaus überdenkenswert.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Gerda Laufenberg?
Wir haben seit zwei Jahren ein Kunstprojekt an der Schule, betreut durch Eltern. Uns wurde schon eine Menge an Bildern gespendet, es kam sogar eine Künstlerin aus Hamburg an die Schule. Wir haben schon häufig Ausstellungen gehabt, die ausgestellten Werke hatten im Wesentlichen immer etwas mit unserer Schule zu tun. Gerda Laufenberg hat sich im Rahmen dieses Kunstprojekts einverstanden erklärt, ein Bild für die Schule zu malen, worauf Schule, das gegenüberliegende Wasserwerk der RheinEnergie und andere Objekte der Umgebung zu sehen sind. Davon verkaufen wir einen Kunstdruck in einer Auflage von 111 Exemplaren, außerdem hat Gerda Laufenberg die Erlaubnis gegeben, dass wir einen Großdruck des Bildes anfertigen dürfen. Dieser wird unseren Bagagewagen in den diesjährigen Schull- und Veedelszöch zieren.

Was ist das Besondere an der Südstadt?
Das Severinsviertel hat eine Tradition, die eine besondere Ausstrahlung für Leute hat, die es schon immer dorthin gezogen hat. Es gab aber einen Wandel in letzter Zeit; Wohnungen sind nicht mehr bezahlbar.

In letzter Zeit wurde viel über den Laden „Outdoor, Defense and more“ diskutiert – was halten Sie davon?
Der ist unmöglich. Wir haben uns an Unterschriftenaktionen gegen den Laden beteiligt, auch wenn es keine rechtliche Handhabe zu geben scheint.

Merken Sie seitdem Änderungen im Verhalten der Schüler?
Nein, aber das Thema Gewalt muss immer wieder  angegangen werden – wir wollen den Schülern grundsätzlich nahebringen, dass Gewalt keine Lösung ist. Es ist ein ständiger Prozess, der mit den Kindern im Schulalltag immer wieer geübt werden muss.

Die Ausstellung „Kölnbilder“ ist noch bis zum 02.März vor dem Direktorenzimmer der Schule (1.Stock) zu sehen.

Mo – Fr 8 bis 16 Uhr
www.gerdalaufenberg.de

 

Kath. Grundschule Zugweg
Zugweg 42 – 44
50677 Köln

www.kgszugweg.de

 

Text: Wassily Nemitz

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