Ausnahmezustand in der COMEDIA – Kinder kapern das Theater
Donnerstag, 21. Mai 2026 | Text: Sarah Linßen | Bild: Sarah Linßen
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
„Wenn BOHEI ist, wird die Bude hier übernommen!“, sagt Astrid Hage, Teil des Lenkungskreises der COMEDIA, und meint damit genau das, wonach es klingt: Vom 21. bis 24. Mai gehört das COMEDIA Theater vier Tage lang Kölner Kindern und Jugendlichen.
Und zwar komplett: Alle Säle werden bespielt, überall wird performt, diskutiert, gespielt, gezeichnet und ausprobiert. Es gibt Musik, Ausstellungen und viele weitere Möglichkeiten, selbst auf die eine oder andere Art kreativ zu werden. Wenn das nicht taugt, kann man sich auch einfach nur treiben lassen. Wer an diesem Wochenende Das COMEDIA Theater auf der Vondelstraße betritt, landet mitten in einem Festival, das so lebendig ist, wie die Menschen, die es gestalten.

Möglichmacher*innen: In der Mitte Klaus Schweizer, Geschäftsführer der COMEDIA, links daneben Cathrin Dauven von der Sparkasse KölnBonn, rechts daneben Susanne Imhoff von der Imhoff Stiftung, Manuel Moser künstlerische Leiter, Astrid Hage Leitung Kommunikation der COMEDIA und Mitarbeiter*innen des Teams (Foto: Sarah Linßen)
Wendepunkte
Das BOHEI Festival geht dieses Jahr in die 7. Runde und steht unter dem Motto „Wendepunkte“. Also die Momente, „in denen sich das Leben unumkehrbar verändert“, wie es der künstlerische Leiter der COMEDIA Manuel Moser, erklärt.
„Was sind die Momente, nach denen alles anders ist als vorher? An welchem Punkt geht alles in eine andere Richtung? Was sind die Kipppunkte einer Gesellschaft? Wo geht es jetzt hin und wann kommen wir endlich mal zum Punkt?”
Ein Jahr lang haben sich Kinder und Jugendliche mit diesen Fragen auseinandergesetzt und präsentieren beim BOHEI Festival ihre Ergebnisse.
Ein Jahr Proben für vier Tage Ausnahmezustand
Das Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zwischen 6 und 25 Jahren. 150 Teilnehmende proben ein ganzes Jahr lang einmal pro Woche gemeinsam in Gruppen von acht bis zehn Personen. Diese Kleingruppen teilen sich auf 10 bestehende Kollektive aus unterschiedlichen Disziplinen auf, die die Kinder und Jugendlichen bei der Inszenierung und Produktion der Stücke unterstützen. Heraus kommen Theaterstücke, Tanzperformances, Ausstellungen und künstlerische Experimente, die oft überraschend politisch und nah am Leben sind.
Astrid Hage betont, dass Kinder- und Jugendstücke häufig Themen verhandeln, die auch Erwachsene unmittelbar betreffen, und nennt beispielhaft ein Stück aus der Vergangenheit, welches sich mit Leerstand, Wohnungsknappheit und Miethaien beschäftigte.
„So wie wir hier arbeiten, gehen sogar die Erwachsenen – die oft meinen, ‚nur‘ Begleitpersonen zu sein – immer mit einem Mehrwert aus den Stücken raus.“
Teilhabe statt Ausschluss – Kultur darf kein Luxus sein
Das partizipative Festival wächst seit seinem Debüt im Jahr 2020 stetig weiter. Früher waren es mal sechs Gruppen, „doch der Bedarf wächst!“, sagt Astrid Hage.
Das ist großartig, zeigt aber auch auf, dass es insgesamt zu wenige, kostengünstige/kostenlose Angebote dieser Art gibt. Die Realität ist nämlich die: Kultur kostet. Sie ist oft exklusiv und der Zugang nur wenigen vorbehalten. Das COMEDIA Theater und BOHEI arbeiten dagegen an: Für die Teilnehmenden kommen keine Kosten auf, was ohne die langjährige Unterstützung von Sponsoren wie der Imhoff Stiftung und der Sparkasse KölnBonn nicht möglich wäre.

Die Imhoff Stiftung und Sparkasse KölnBonn unterstützen BOHEI mit 50.000 € (Foto Sarah Linßen)
Dass das BOHEI inzwischen so groß geworden ist, liegt auch daran, dass ehemalige Teilnehmende geblieben sind. Das selbstverwaltete Hysterika-Kollektiv etwa, entstand aus jungen Menschen, die früher selbst beim Festival mitgemacht haben und inzwischen eigene Produktionen mit Kindern und Jugendlichen entwickeln. BOHEI geht über bloße Theaterproduktionen hinaus – es ist ein Festival, das jungen Menschen Raum zur persönlichen Entfaltung bietet, seine Besucher*innen nachhaltig prägt und wachsen lässt.
Genau das beobachtet auch die Imhoff Stiftung, die das Festival gemeinsam mit der Sparkasse KölnBonn mit insgesamt 50.000 Euro unterstützt. „Das einzigartige an diesem Festival ist, dass die Entstehung von den Kindern und Jugendlichen selbst ausgeht. Sie gestalten das Festival“, sagt Susanne Imhoff bei der offiziellen Pressekonferenz. Cathrin Dauven von der Sparkasse KölnBonn fügt hinzu: „Und was wir über die vergangenen Jahre beobachten konnten, ist, dass die Teilnehmenden sich über das Jahr stark entwickeln. Nach einem Jahr Proben und Planen sind sie spürbar nicht mehr dieselben – im positiven Sinne. Das ist genau das, was die Unterstützung des BOHEI Festivals für uns zu einer Herzensangelegenheit macht!“
Zwischen Bällebad und Bobbycars
Zwischen den Aufführungen wird das gesamte Theatergelände zum Festivalspielplatz. Es gibt ein Bällebad – ausdrücklich auch für Erwachsene -, einen Bobbycar-Parcours, Ausstellungen und viele Orte zum Rumhängen. Schattenplätze, Sonnenplätze, günstiges Essen und Getränke. Für Teilnehmende sogar kostenlos. Ein perfektes Südstadt-Wochenende: ein bisschen treiben lassen, irgendwo sitzen bleiben, spontan noch eine Performance mitnehmen.

Bild: Leo Leowald
Eine Besonderheit in diesem Jahr: „Drawing From Live – Die Festival-Recorder*innen“. Ein Zeichenworkshop mit dem Comiczeichner und Illustrator Leo Leowald. Hier können junge Menschen noch selbst Teil des Programms werden, indem sie drei Tage lang das Festival begleiten, kommentieren und experimentieren. So sollen spontane Skizzen, gezeichnete Tagebücher und visuelle Geschichten – irgendwo zwischen Beobachtung, Backstage-Einblick und kreativem Chaos entstehen. Am Ende werden die Ergebnisse in Form einer kleinen Ausstellung präsentiert. Als gezeichnetes Porträt des BOHEI Festivals sozusagen. Wer sich spontan noch zu dem kostenlosen Workshop anmelden möchte, kann dies hier tun. Aber seid schnell – es sind nur noch wenige Plätze frei!
Ein Programm für Alle!
Pia Heldmann aus dem inklusiven Kollektiv „Theaterkönig”, bringt es auf den Punkt: „Ich finde es einfach schön, dass das BOHEI für jede Altersgruppe ein sehr diverses und offenes Programm bietet.“
Das Theaterangebot selbst ist kostenlos, Festival-Tickets kosten zehn Euro pro Tag. Rund 1000 Tickets wurden bereits verkauft, ein paar gibt es aber noch. Wer also sehen möchte, wie junge Menschen die COMEDIA kapern, sollte sich beeilen. Denn selten sieht man so deutlich, was passieren kann, wenn junge Menschen nicht nur mitmachen dürfen, sondern einfach selbst bestimmen, wie Kunst aussieht.
Mehr Informationen zum Programm gibt es auf der Website des COMEDIA Theater Köln.
Dir gefällt unsere Arbeit?
meinesuedstadt.de finanziert sich durch Partnerprofile und Werbung. Beide Einnahmequellen sind in den letzten Monaten stark zurückgegangen.
Solltest Du unsere unabhängige Berichterstattung schätzen, kannst Du uns mit einer kleinen Spende unterstützen.
Paypal - danke@meinesuedstadt.de
Artikel kommentieren






