Er ist wieder hier – der Geschenkeschrank
Mittwoch, 1. Juli 2026 | Text: Judith Levold | Bild: Judith Levold
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten
Er ist wieder hier – in uns´rem Revier, denke ich, in Gedanken einen alten Song von Marius Müller-Westernhagen summend. Endlich repariert und an derselben Stelle wieder aufgestellt: Der Geben-und-Nehmen-Schrank auf dem Eierplätzchen.
Halbes Jahr für Reparatur
Seit seiner Installierung im Jahr 2023 erfreute sich der gläserne Schrank großer Beliebtheit. Gut erhaltene Dinge, die man gern verschenken möchte, weil man sie nicht mehr braucht, kann man dort einsortieren, idealerweise sauber und ordentlich. Und sich selbst wiederum etwas nehmen, das man gebrauchen kann. Nun war er mehr als ein halbes Jahr in Reparatur, die Beschaffung der Ersatzteile an den defekten Türen brauchten Zeit.

Anastasia Bondar hat sich das mit dem Geben-und-Nehmen-Schrank ausgedacht (Bild: Judith Levold)
Hoher Durchsatz
„Erfinderin“ Anastasia Bondar, an der KISD studierte Serviece-Designerin mit halber Stelle im städtischen Innovationsbüro (ja, das gibt es tatsächlich!), freut sich: „Der Durchsatz ist hoch, kaum steht etwas drin, ist es meist auch schon wieder weg. Was in den Schrank schon alles reingegangen ist und jetzt in neuen Haushalten noch seinen Dienst tut, das ist super“, findet sie.

Einige Leute aus der Nachbarschaft sind zur Eröffnung gekommen und diskutieren die Optimierungsmöglichkeiten (Bild: Judith Levold)
Sachensuchen
Die Umstehenden, die bei glühender Hitze zur offiziellen Wiedereröffnung gekommen sind, pflichten ihr bei. „Ich möchte ein winziges Häuschen in Portugal bauen und dafür brauche ich allerlei. Da bin ich hier oft fündig geworden und hab das alles gesammelt“, sagt zum Beispiel eine Nachbarin aus der Titusstraße. Prinzip Sachensuchen, bekannt aus Pippi Langstrumpf.
Das Konzept funktioniere laut Anastasia Bondar, die ihre Idee bislang in Kooperation mit den Abfallwirtschaftsbetrieben in Köln zweimal realisieren konnte: Hier in der Südstadt, und in der Hohe Straße, wo ein altes Telefonhäuschen als Schrank fungiert. „Und jetzt werden noch weitere aufgestellt, dasselbe Prinzip wie in der Hohe Straße.“
Pat*innen erforderlich

Eigentlich ganz klar, was rein kann und. was nicht, oder? (Bild: Judith Levold)
Doch es klappe nur mit Pat*innen, die sich um Aufgeräumtheit und Sauberkeit des Schrankes kümmerten, so Bondar weiter. Denn auch das ist Thema beim Grüppchen aus Nachbar*innen rund um den frisch wieder installierten Schrank: Vermüllung und „Fehl“-Befüllung.
„Na klar wühlen da viele drin rum und lassen alles rausquellen, oder schmeißen Kleidung rein, die wirklich nicht rein soll, ebenso wie Bücher“, sagt eine Dame. „Das räumt man dann halt auf und schmeißt Mülliges eben auch in den Müll.“ „Das ist halt mit allem so, was der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird, es gibt immer welche, die sich nicht dran halten. und hier ist ja viel los, hier steht eigentlich immer jemand am Schrank“, bestätigt ihr Nachbar.
Treffpunkt
Denn der Geben-und-Nehmen Schrank ist mehr als eine Station für Aussortiertes, er ist ein Treffpunkt geworden, oft auch Motiv für Fotos. Und so schwer kann es eigentlich nicht sein, Bücher in den gegenüberliegenden Bücherschrank zu sortieren und alte Klamotten in die Kleidercontainer auf dem 100m entfernten Maternuskirchplatz zu bringen, mag man meinen.
Einfach rausstellen ist in Mode
Dafür braucht es nur ein Minimum an Disziplin und vielleicht eine noch bessere Beschilderung im Schrank und um ihn herum, das jedenfalls diskutieren die Anwesenden bei einem Schluck kalten Wassers. Denn die superbequeme Art (leider auch in der überwiegend akademischen und wohlhabenden Südstadt immer mehr in Mode, Beobachtung der Redaktion), Aussortiertes einfach auf den Bürgersteig zu stellen, mit nem Zettel dran: Zu verschenken!, oder eben alles unsortiert in den Geben-und-Nehmen-Schrank zu stopfen, ist nervtötend für alle und trübt den Spaß am Schrank.
Die Organisationsstruktur wird derzeit neu strukturiert, doch wer gerne als Pat*in mitmachen und sich mit anderen Pat*innen vernetzen will, kann sich kurz per Mail melden, vorläufig noch beim innovationsbuero@stadt-koeln.de.
Dir gefällt unsere Arbeit?
meinesuedstadt.de finanziert sich durch Partnerprofile und Werbung. Beide Einnahmequellen sind in den letzten Monaten stark zurückgegangen.
Solltest Du unsere unabhängige Berichterstattung schätzen, kannst Du uns mit einer kleinen Spende unterstützen.
Paypal - danke@meinesuedstadt.de
Artikel kommentieren






