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Kultur

Alles kann Kunst sein

Dienstag, 3. Juli 2012 | Text: Nora Koldehoff | Bild: © The Andy Warhol Foundation

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Zum 50. Geburtstag der legendären „Factory“ zeigt die Galerie Thomas Zander Fotounikate von Andy Warhol.
Eigentlich, sagt Thomas Zander, habe er Andy Warhol nie ausstellen wollen: „Da ist doch schon alles gezeigt worden – von den großen Gemälden über seine Zeichnungen und Druckgrafiken bis hin zu den Polaroids und den Time Capsules, in denen er Tausende private Erinnerungsstücke aufbewahrt hat.“ Und nun steht der Galerist doch in seinen Räumen an der Schönhauser Straße, und an der Längsseite hängt Warhol – in mehreren Reihen übereinander, locker über die Wand verteilt. Nicht als Maler allerdings, sondern – wie von einer der wichtigsten deutschen Fotogalerien zu erwarten – als Fotograf. Im Nachlass des Künstlers, über den eine Stiftung wacht, fand Zander mehrere Dutzend Silbergelatine-Abzüge 20 x 25 cm groß, die in den 1970er- und 1980er-Jahren in New York entstanden. Hier hatte Warhol vor fünfzig Jahren seine „Factory“ gegründet, jene heute legendäre Bilderfabrik, in der zunächst er selbst, später dann aber ein Heer von Assistenten Warhols Ideen umsetzten. Den „American Way of Life“ wollte er bildwürdig machen – das Land mit seinen hellen Glamour- und Kommerzseiten, aber auch mit den dunklen Seiten zeigen, die dieses Leben mit sich brachte. Deshalb erhob er Elvis, die Coke-Flasche und die Campbell-Suppendose zum Bildmotiv, brachte aber auch riesige Verkehrsunfälle und Elektrische Stühle auf die Leinwand.

Die Vorlagen für diese gemalten und gedruckten Werke lieferte Warhol immer wieder die Fotografie. Leicht zu handhabende Kleinbild-Automatikkameras waren in Manhattan sein ständiger Begleiter, und was ihn interessierte, fotografierte er sofort. Die Auswahl dieser Aufnahmen, die nun an der Schönhauser Straße zu sehen sind, repräsentieren deshalb Warhols ganz unmittelbaren und noch nicht durch die Malerei verfremdeten Blick auf eine Gesellschaft voller Widersprüche: Regale voller Cowboystiefel hängen neben Bettlern auf der Straße. Lebensmittelgeschäfte bemühen sich, ihre Auslagen möglichst grandios zu inszenieren, während ein Straßenhändler unter einem Sonnenschirm seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Nüssen zu bestreiten versucht. Papierkörbe am Straßenrand, der Räumungsverkauf einer kleinen Kunstgalerie, der Ausverkauf von Frauenkleidern: Fast scheint es, als seien die in Köln gezeigten Bilder der Versuch, Warhols inzwischen veröffentlichtes, fast manisch geschriebenes Tagebuch zu bebildern: Nur keinen Gedanken, nur keinen Anblick vergessen. Und hinter allem die Erkenntnis, die Warhol gemeinsam mit den Pop-Art-Künstlern zehn Jahre früher umgesetzt hatte: Alles ist bildwürdig, alles kann Kunst sein.

Die Sammler hätten den kulturellen Wert dieser Entdeckung verstanden, erzählt Thomas Zander. Zu den Vintages, die Warhol nicht als Auflage sondern als Unikate in nur jeweils einem Exemplar abzog, zeigt er in einer kleinen Koje an der Stirnseite zwölf „Screen Tests“ – kurze Filmaufnahmen von jeweils knapp drei Minuten, für die Warhol prominente Atelierbesucher vor eine laufende Kamera setzte, um sie dann mit ihr allein zu lassen: Bob Dylan und Marcel Duchamp, Lou Reed und Denis Hopper. Schon am Abend vor der offiziellen Eröffnung waren bei Campbell’s Tomatensuppe rund 30 der angebotenen Fotografien verkauft – zum Teil in Dreier- oder Vierergruppen, für jeweils 12.500 Euro. Die Nachlassverwaltung habe bereits angekündigt, die Preise bald zu erhöhen, sagt Thomas Zander und lacht: „Aber noch sind die Bilder hier in Köln, und da bleiben sie den Sommer über auch.“

Andy Warhol – Photographs and Screen Tests.

Galerie Thomas Zander, Schönhauser Straße 8

Öffnungszeiten: Di.-Fr. 11-18, Sa. 12-18 Uhr und nach Vereinbarung

www.galeriezander.com

 

Bild: © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts; courtesy Galerie Thomas Zander, Köln und Timothy Taylor Gallery, London

Text: Nora Koldehoff

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