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Bildung & Erziehung Glaube

„Alte Kirche – neuer Geist“

Samstag, 4. Februar 2012 | Text: Wassily Nemitz | Bild: Dirk Gebhardt/ Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Im Jahr 2005 hatte Köln für wenige Monate seinen schiefen Turm – damals neigte sich der Turm der Kirche St.Johann Baptist wegen eines (von zahlreichen) Fehlern bei den Bauarbeiten zur Nord-Süd-Stadtbahn um 13 Zentimeter, sein Schicksal stand für einige Zeit im wahrsten Sinne des Wortes auf der Kippe. Ende 2005 wurde der Turm wieder aufgerichtet. Die öffentliche Aufmerksamkeit verschwand, der Turm blieb.

Mit ihm fristete die ganze Kirche St.Johann Baptist ihr Dasein, nur noch wenige Gläubige gingen in den Nachkriegsbau am Perlengraben – zu groß war die „Konkurrenz“ durch die nahe gelegenen Kirchen St.Severin und St.Georg. Also dachte man im Erzbistum Köln schon seit längerem darüber nach, aus dem Backsteinbau eine Kirche für die Jugend zu machen.

 

Heute erstrahlt der einst muffig und wenig anziehend wirkende Bau in neuem Glanz: Der eigentliche Kirchenraum ist gedrittelt worden – während zwei Drittel weiterhin als Ort für Gottesdienste dienen, ist der dritte Teil heute ein Café. Modern eingerichtet, viel Lichteinfall, keine christlichen Symbole – man muss wissen, dass man sich in einer Kirche befindet.

 

„Die Jugendlichen kommen aus ganz Köln hierher“, erzählt die Jugendreferentin der, wie sie nach dem Umbau jetzt heißt, „CRUX-Kirche“, Theresa Lorenz. Insbesondere sonntags, wenn die Stadtjugendmesse stattfinde, müssten im Kirchenraum zusätzliche Stühle aufgebaut werden, um dem großen Andrang gerecht zu werden.

Theresa Lorenz berichtet mit Begeisterung von dem, was sie und ihre Kollegen aufgebaut haben: Denn „CRUX“ (der Name kommt übrigens vom lateinischen Wort „Kreuz“) ist nicht nur eine Kirche, die vielfältigsten Angebote werden in der Jugendgemeinde geboten: So finden entwicklungspolitische Fahrten in so genannte Entwicklungsländer statt, dieses Jahr fährt unter dem Motto „Lasst (es) und anpacken“ eine Gruppe nach Peru. Außerdem gibt es Aktiv-Wochenenden, beispielsweise unter dem Titel „Klettern mit der Bibel im Gepäck“. Auch vor Ort gibt es Veranstaltungen, wie Kochduelle oder „Glaubenskurse“.

Stößt eine derart frisch und unkonventionell wirkende Gemeinde nicht auf Missfallen beim Erzbistum, allen voran Kardinal Meisner? Lorenz meint: „Nein, denn auch dort macht man sich Gedanken darüber, wie man Jugendliche wieder mehr für die Kirche begeistern kann.“

Ob sich die meisten Jugendlichen für einen Gottesdienst am frühen Morgen begeistern lassen, das ist zumindest fragwürdig. Einzelne tun es aber offenbar schon: Es ist Dienstagmorgen, 06:30 Uhr. Die Südstadt wacht langsam auf, die Menschen wagen sich dick eingepackt in die eisige Kälte. Ein paar der dick eingepackten Gestalten steuern auf die CRUX-Kirche zu; drinnen ist es zumindest lauwarm. Am Sonntag zuvor war in die eigentliche Kirche eingebrochen worden, deswegen findet das wöchentliche Morgengebet in der kleinen, angeschlossenen „Kapelle der Dienerinnen“ statt.

 

Gekommen sind fünf junge Gläubige, unter ihnen Theresa Lorenz, die Jugendreferentin. In einem kleinen Raum mit winzigen Bänken und Kissen auf der Erde lassen sie sich nieder. An der Stirnseite eine kleine Krippe mit dem Jesuskind, an der Wand hängt der Spruch „Am größten ist die Liebe“. Lorenz begrüßt die Anwesenden, sie singen zusammen ein Lied, begleitet von einem jungen Mann mit einer Gitarre. „Ich finde es ganz besonders schön, dass dieser Spruch an der Wand steht“, sagt Theresa Lorenz in Anknüpfung an die Bibelstelle, die sie im Anschluss vorträgt. Und dann gibt sie den Besuchern Zeit, in der sie über die Frage, was sie heute für sich selbst und andere tun können, nachdenken.

 

Während draußen der Verkehr über die Auffahrrampe zur Severinsbrücke rauscht, herrscht hier absolute Stille. Mittendrin kommt ein weiterer Gläubiger hinein, „ich hab an der Kirche gewartet“, erklärt er entschuldigend. Die Teilnehmer bekommen die Gelegenheit, ihre Wünsche laut zu äußern. Eine Gläubige erklärt, sie wünsche sich, dass der Tag so kostbar werde, dass sie ihn nicht missen möchte. Eine andere möchte der Schwachen gedenken und wünscht sich, dass „Gott ihnen beisteht“.

Nach dem Song „Shine, Jesus shine“ und dem obligatorischen Vater Unser endet die halbe Stunde des Morgengebets. Eine junge Gläubige war noch kurz vor Ende gekommen – als Theresa Lorenz gerade erzählen möchte, wie das wöchentliche Frühgebet zu Stande gekommen ist, bittet sie uns: „Ich wollte noch ein bisschen beten, könntet ihr wohl draußen weiter sprechen?“

Das machen wir gerne, denn unten haben die „Dienerinnen“ in der Gemeinde schon ein Frühstück vorbereitet. Das sei so Tradition, sagt Theresa Lorenz. Ein Gläubiger holt frische Brötchen, wir werden eingeladen, mitzuessen. Währenddessen diskutieren sie über den Einbruch vom Sonntag, „das waren wohl keine Profis“, meint einer. Warum kommen die jungen Menschen so früh freiwillig hierher? „Das ist ein Kontrapol zu unserer hektischen Welt“, erklärt einer, „hier ist der Glaube einfach wirklich da“. „Ich schöpfe aus dem Morgengebet Kraft für den ganzen Tag“, sagt eine andere, „das Thema, heute also die Schätze des Lebens, beschäftigt mich dann noch den ganzen Tag über.“

Seit Sommer 2011 wird das Frühgebet regelmäßig angeboten, erzählt Theresa Lorenz. Damals kam der Wunsch in der Gemeinde auf, nicht nur im Advent und zur Fastenzeit morgens zu beten. Für Lorenz war es das letzte Morgengebet – sie wird für mindestens ein halbes Jahr nach Kanada gehen: „Ich werde sicherlich auch dort immer wieder an die Zeit hier denken“, sagt sie, „und natürlich die Südstadt vermissen“. Für sie ist das Viertel etwas ganz besonderes, die Menschen seien tolerant und lebten in einer familiären Atmosphäre zusammen.

Doch auch ohne Theresa Lorenz geht es am „CRUX“ weiter – zahlreiche Ehrenamtliche arbeiten in der Gemeinde, deren Engagement Lorenz ganz besonders hervorhebt. „Hier ist jeder willkommen“, sagt sie – auch Nicht-Katholiken könnten an den Angeboten teilnehmen. Ein Blick in das Programmheft zeigt, dass auch all diejenigen auf ihre Kosten kommen, die nicht schon um 06:30 Uhr aufstehen möchten.

Fest steht jedenfalls: Man muss nicht gläubig oder Fan der katholischen Kirche sein, um zu hoffen, dass der Backsteinbau am Perlengraben nicht erst dann wieder Aufmerksamkeit bekommt, wenn er sich erneut zur Seite neigen sollte; denn die Jugendkirche versteckt sich eigentlich viel zu sehr hinter der schier unendlichen U-Bahn-Baustelle.

 

Mehr Informationen über die CRUX Kirche erhalten Sie hier: www.crux-koeln.de

Text: Wassily Nemitz

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