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Auf ein Kölsch mit...

Auf eine Apfelschorle mit Pfarrer Hans Mörtter

Sonntag, 25. Juli 2010 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Fulvio Zanettini

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Als erstes stopft sich Hans Mörtter bei unserem Treffen eine Pfeife. „Das ist ein besonderer Tabak von ‚Pfeifen Heinrichs‘ am Neumarkt“, meint er. „Da geht auch Tommy Engel hin. Der Laden ist eine Drehscheibe für die Kölner Genussmenschen“. Hans Mörtter trägt ein weißes Oberhemd und ein winziges schwarzes Kreuz um den Hals. „Das stammt aus El Salvador“, sagt er, „und es ist aus einem einzigen Faden geknotet.“ Er lacht. „Also, ich finde dieses Kreuz ganz erotisch.“

Die Fakten: Hans Mörtter fließt der Rhein durch die Brust, wie er es nennt. Er ist Jahrgang 1955, gebürtiger Bonner und überzeugter Kölner. Seit Mai 1987 ist er Pfarrer der evangelischen Lutherkirche, obwohl er anfangs gar nicht Pfarrer werden wollte. „Ich hatte in Bonn gute Professoren. Die haben mich auf die Spur gebracht. Mein Glaube ist bis heute eine Geschichte von Urvertrauen.“ Und noch ein Detail: Als junger Mann wollte Hans Mörtter für ein Jahr nach Neu Delhi – und wurde abgelehnt, weil es dort schon einen Kollegen aus der Heimat gab. Zitat: „Zwei Rheinländer gleichzeitig? Das vertragen die deutschen Auslandsgemeinden nicht“.

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Herr Mörtter, ist die Südstadt ein dankbares Pflaster für einen Pfarrer?
Also, ich erlebe eine Offenheit für religiöse Fragen und für Fragen des Glaubens. Es gibt eine Sehnsucht bei den Menschen. Aber wir müssen an der Verbindlichkeit arbeiten. Beim Public Viewing auf dem Gelände der Lutherkirche oder beim Edelweißpiraten-Festival bringen die Leute sich heute ihr Bier selbst mit. Das ist ein Beispiel für Unverbindlichkeit, und das trägt nicht. Die Leute müssten die Getränke eigentlich vor Ort kaufen, direkt auf dem Fest, damit sich das rechnet für die, die es machen. Oder der Südstadt-Umzug an Karneval: Den finden alle gut, aber kaum jemand fragt sich, wie er funktioniert und wer ihn organisiert. Vor 12 Jahren ist der Zug zweimal ausgefallen, da standen die Kinder mit ihren Plastiktüten an der Straße und haben auf die Kamelle gewartet. Wir haben uns dann mit einem Häufchen von Leuten zusammengetan und das neu auf die Beine gestellt. Beim ersten Mal waren dann 350 Leute dabei, auch die rosa Funken zum Beispiel. Heute machen 80 Prozent der Kindergärten mit und fast alle Schulen. Die Südstädter haben dieses Zupackende, sie haben diesen Biss, aber es sind noch zu wenige.

Was bewegt Sie in diesem Sommer?
Ich sammle Informationen für ein neues Projekt, da geht es um die Flüchtlinge aus Afrika, die über das Mittelmeer nach Europa wollen und tausende sterben dabei. Daran macht sich das Menschsein von uns Europäern fest. Ich möchte ein Signal von Köln aus an die anderen deutschen und europäischen Städte senden, zusammen mit Künstlern. So ein Projekt soll auf jeden Fall anderswo kopierbar sein. Wir haben 2003 unsere Aktion gegen den Irak-Krieg bis in die ‚Tagesthemen‘ gebracht, mit vielen Prominenten und einem Schiff auf dem Rhein, das wir ‚Kölner Signal‘ genannt haben. Was ich möchte, ist eine neue Form von ‚Arsch huh‘. Vielleicht wird es dieses Mal wieder etwas mit einem Schiff, das würde gut zu dem Flüchtlingsdrama passen. Man muss da auch dramaturgisch arbeiten, vor allem mit Bildern, das ist ganz wichtig. Am Ende könnte ein anderer Umgang mit Afrika stehen. Im September oder Oktober möchte ich den kreativen Start machen. Die Zeit drängt.

Woran arbeiten Sie im Augenblick sonst noch?
Zum Beispiel an der Finanzierung des Vringstreffs, weil die Stadt Köln da auch Gelder streicht. Da müssen die Köche bezahlt werden, und wir stellen uns darauf ein, dass wir rund 60.000 Euro pro Jahr selbst aufbringen müssen. Das ist machbar. Und ich finde es falsch, das immer auf die Stadt abzuwälzen: Das ist auch eine Frage des bürgerschaftlichen Engagements.

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Sie bieten in der Lutherkirche seit Jahren eher ungewöhnliche Formen des Gottesdienstes an, zum Beispiel die Talk-Gottesdienste mit Gästen wie dem früheren Innenminister Gerhart Baum. Warum genügen die alten Formen nicht mehr?
Hinter all dem steht doch die Frage: Gehört der christlich-jüdische Glauben zu unserer Kultur, zu unserer Identität? Ich denke: Ja, ganz wesentlich. Und wenn das so ist, dann bin ich gezwungen, eine Sprache zu wählen, die jeder spricht. Ich muss als Pfarrer vor allem eine Übersetzungsarbeit leisten. Ich will mich nicht hinter den alten Formeln verstecken. Der Glaube ist eine Sache von Kopf und Herz. Man muss hinsehen, analysieren, einen Standpunkt entwickeln. Da geht es um Lachen und Weinen, um Stille und auch mal um eine geile Party in der Kirche. Denn die Kirche ist ein Lebensraum, dort findet alles statt, was uns bewegt: Trauer und Schmerz ebenso wie Freude und Ekstase. Die Freude aber bleibt in der Kirche oft draußen vor der Tür. Neue Rituale zu finden, den Dialog zu suchen: Das sind meine Ziele. Also spreche ich meine Gebete zum Beispiel frei, denn ich hasse es abzulesen.

Warum leben Sie in der Südstadt?
Das war von Anfang an mein Zuhause. Für mich gab es nur Köln, also im Grunde gab es nur die Südstadt. Dieses verrückte Durcheinander, diese vielen Gesichter. Da sieht man Türken, Griechen, Italiener, Studenten, Obdachlose, Alt und Jung. Allerdings bleiben die alten Menschen immer mehr auf der Strecke. Sie bekommen Probleme mit dem Gehen und sitzen eines Tages zuhause fest. Mein Traum wäre es, wenn sich eine neue Südstadt-Nachbarschaftskultur entwickeln würde. Einmal hat morgens um halb drei eine Südstädterin bei mir geklingelt. Sie hatte eine obdachlose Frau dabei und meinte, die wisse nicht, wo sie schlafen solle. Da habe ich ihr gesagt: Okay, heute kann sie bei uns schlafen, aber ab morgen musst Du sehen, wie es mit dieser Frau weitergeht. Da hat die Südstädterin geschluckt, aber sie hat’s getan. Ich kann nicht gut zusehen und schweigen. Wenn ich eine Betonmauer sehe, dann renne ich dagegen, bis sie einstürzt. Und dafür suche ich mir Verbündete.

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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