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Auf ein Kölsch mit...

Auf eine Limonade mit Martin Stankowski

Donnerstag, 10. Juni 2010 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Er moderiert die literarische Sommernacht, er organisiert und leitet Touren auf dem Rhein. Köln – der andere Stadtführer ist sein bekanntester Buchtitel. Martin Stankowski ist seit vielen Jahren aus Köln und hier vor allem aus der Südstadt nicht mehr weg zu denken. Ich treffe mich mit ihm in der Caffe Bar am Ubierring zum Gespräch. Einen Kaffee nimmt er, eine Limonade und einen Toast. Anstelle eines ausgiebigen Mittagessens. Und weil er auf dem Sprung zum Roncalliplatz ist, um dort die Veranstaltung gegen Sozialabbau zu moderieren. Also muss es schnell gehen.

Was mögen Sie an diesem Ort?
Ich komme hier hin, weil ich Susi, die Chefin mag. Außerdem laufen hier unglaublich schöne Frauen vorbei. Die Businessfrauen aus dem Rheinauhafen – immer in grauen Kostümen, niedrige Stöckelschuhe. Aber wirklich lebendig ist es hier. Handwerker am Morgen, die Designstudenten, allein erziehende Mütter mit ihren Kindern, Kreative und Lebemänner. Alle kommen vorbei.
Ich bin mehrmals täglich hier. Beispielsweise nach dem Schwimmen mit Jürgen Becker. Hier gibt es einen sehr guten Kaffee und Tageszeitungen. Ich sitze vor der Tür, treffe ständig Leute und kann dadurch viele Dinge schnell regeln. Im Vorbeigehen. Es ist für mich wie ein nach außen gewölbtes Wohnzimmer. Was brauche ich mehr?

Warum arbeiten und wohnen Sie gerade in der Südstadt?

Vor 25 Jahren habe ich hier an der Bottmühle eine große Wohnung gefunden, die eigentlich zwei Wohnungen sind. Das war ideal für meine Patchworkfamilie. Mein Büro ist im Haus. Hier treffe ich Jürgen Becker, Frank Schätzing schreibt Fonda gegenüber seinen neuen Roman, und der Michael Erlhoff aus der FH läuft mir über den Weg. Zudem habe ich in den 70ern die erste alternative Zeitschrift gegründet, das Kölner Volksblatt. Damals haben wir über den Abriss der Stollwerck-Fabrik, über die Gestaltung der Mainzer Straße, über Eigentumswohnung und Mietspekulanten diskutiert. Kommunikation und soziale Komponenten sind für mich wichtige Gründe, hier zu leben.
Leider gibt es hier heute keine lebendige intellektuelle Auseinandersetzung mehr. Die meisten politischen Dinge geschehen ja außerhalb der Südstadt. Es fehlt hier dringend ein stadtpolitisches Forum, in dem die Belange der Südstadt diskutiert werden. Zum Beispiel der zukünftige Standort der FH.
Jetzt laufen hier die Anzugträger der Anwaltsgroßkanzleien aus dem Rheinauhafen rum. Das verändert die Südstadt sehr. Man sieht ihren schmalen Ärschen in der Hose die Hungerlöhne an, für die sie als Lohnsklaven schuften. Und ich dachte immer, Bulimie sei eine Frauenkrankheit. Statt der vielen Rechtsanwälte sollte mehr Kunst in den Hafen – die Plan und die Passagen zum Beispiel. Die New Talents sind leider auch abgewandert, weil sie mit der HGK im Rheinauhafen nicht mehr klar kamen. Das ist bedauerlich.

Woran arbeiten Sie gerade?
Am 19. Juni findet die literarische Sommernacht auf Burg Wilhelmstein bei Aachen statt. Der WDR überträgt die Veranstaltung, die ich zusammen mit Roger Willemsen moderiere. Sie steht unter dem Motto „Die sieben Plagen der Neuzeit“, die da wären: der Gau des Lärms, die Qual zur Beschleunigung, das immerwährende Tempo, die Weltflucht, die Kommerzkultur, die Leidenschaft zum Geld, die allgegenwärtige Kontrolle und die Gier nach was auch immer. Außerdem moderiere ich gleich auf dem Roncalli-Platz bei der Protestdemo gegen den Sozialabbau.

Was bewegt Sie in dieser Zeit?
Meine Frau unterrichtet an der Gesamtschule Rodenkirchen unter anderem eine Schülerin aus Äthiopien. Ihr Vater ist auf einer Demonstration ums Leben gekommen, ihre Mutter an Krebs gestorben. Dieses Mädchen kam als unbegleitetes Flüchtlingskind nach Deutschland und wird hier nun geduldet. Dieser Status bedeutet aber, dass sie ihre Aufenthaltsgenehmigung ständig bei den Ämtern erneuern muss. Es gibt keine Ruhe für sie. Nie kann sie sicher sein, ob die Duldung verlängert wird. Die Schule hat ihren Fall einer Stiftung vorgeschlagen, die arme Menschen fördert. Aber sie kann sich nicht bewerben, weil sie keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland hat. Sie darf noch nicht einmal auf eine Klassenfahrt mitfahren, weil die über die Grenzen des Landes NRW hinausgeht. Das ist eine Katastrophe. Wenn da nicht bald etwas Grundlegendes passiert, dann gehe ich persönlich zum Ausländeramt, zur Dezernentin und wenn es sein muss auch zu Armin Laschet nach Düsseldorf. Das ist eine der Situationen, in denen ich meine Bekanntheit nutze.
 

Text: Stephan Martin Meyer

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