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Auf ein Kölsch mit...

Auf einen Milchkaffee mit Petra Zimmermann

Donnerstag, 29. Juli 2010 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Andreas Moll

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Als ich Petra Zimmermann im Schreibwarengeschäft ALEX abhole, gibt es erst einmal Manöverkritik von ihrem Mann Jörg. „Der Artikel auf „Meine Südstadt“  über den Chlodwigplatz, das war ja wohl eine Werbeveranstaltung für die KVB.“ Seine Frau wird mir nachher ihre Sicht des U-Bahn-Baus erzählen und dabei diesen Satz sagen: „Die KVB hat uns damals massiv unter Druck gesetzt und mit Zwangsenteignung gedroht“.
Aber eins nach dem anderen. Das ALEX an der Bonner Straße 11 gibt es schon seit 60 Jahren. Die letzten 50 war er „in Zimmermann-Hand“, wie die Chefin es nennt. Zwei Jahrzehnte lang haben sie und ihr Mann oben im Haus gewohnt. Vor ein paar Jahren sind sie dann nach Keldenich gezogen, Richtung Vorgebirge. „Ich bin ja eh ein Landei und komme aus dem Vorgebirge“, erzählt Petra Zimmermann. Der Weg zur Arbeit: Früher eine Treppe runter, heute eine Viertelstunde mit dem Auto – plus Tiefgaragenplatz in der Elsassstraße. Petra Zimmermann und ich machen uns auf zum Café „Latte Macchiato“, und eins fällt auf dem kurzen Weg auf: Sie kennt fast jeden, winkt und grüßt dauernd, man kommt kaum vorwärts. Und: Petra Zimmermann lacht beim Interview viel, trotz der ernsten Geschichten, die sie zu erzählen hat.

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Frau Zimmermann, was ist Ihnen bislang vom Bau der U-Bahn in Erinnerung geblieben?
„Leider nichts Gutes. Wir sind massiv bedroht worden von der KVB, als das losging. Die Trasse läuft ja unter den Häusern hier, und wir mussten uns damit einverstanden erklären, dass sie in 15 Metern Tiefe unter unserem Haus graben und bohren. Wir waren aber nicht einverstanden, und das ging vielen so. Aber dagegen kommt man nicht an: Eines Tages rückten die mit fünf Anwälten hier an und sind mit meinem Mann hinten ins Büro gegangen. Wissen Sie, eine Zwangsenteignung, das ist ein sehr großes Druckmittel. Wir haben mehrere Anwälte zu Rate gezogen, aber die meinten auch, dass wir keine Chance haben. Am Ende mussten alle unterschreiben.“

Wie haben Sie die Zeit des Bauens erlebt?
„Unsere Stammkunden waren treu und reizend. Die meinten immer ganz lieb, ach Frau Zimmermann, das ist doch nur Staub! Eines Morgens kamen wir dann nicht in den Laden rein, weil die Tür nicht aufging. Das war die Zeit, wo sie unten nach dem Bohren die Tunnelröhre mit Beton ausgespritzt haben. Das neue Einstellen der Tür kostete 180 Euro, und das hat die KVB nach einigem Hin und Her übernommen. Übrigens haben wir die Mess-Protokolle über unser Haus nie erhalten. Da geht es um diese Messpunkte, an denen man ablesen kann, ob sich das Gebäude neigt. Wir haben die Protokolle mehrfach angefordert, aber nicht bekommen.“

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Wie haben sich diese Jahre auf die Nachbarschaft ausgewirkt – und auf ihren Kontakt zu den anderen Geschäften?
„Alle, die jetzt noch da sind – zu denen haben wir ein Superverhältnis. Man versucht sich halt gegenseitig zu helfen und sich auszutauschen. Ich finde das phänomenal, einfach Klasse, zum Beispiel unser Draht zur ‚Apotheke zum goldenen Horn‘, zu ‚Bett und Decke‘ oder zum Strumpfhaus Schmuckat, um nur einige zu nennen. Wir halten zusammen und sind sehr solidarisch. Die Geschäftleute geben sich große Mühe, zum Beispiel mit dem verkaufsoffenen Sonntag und dem Straßenfest.“

Wie sieht denn die geschäftliche Lage inzwischen aus?
„Erholt hat sich das noch nicht. Das liegt bei uns aber auch daran, dass wir nebenan noch eine Baustelle hatten, zwei Jahre lang, bei Nummer 9. Und das Publikum hat sich stark verändert. Viele Kunden, die sehr lange hier gewohnt haben, sind weggezogen, vor allem die mittlere und die ältere Generation. Viele sind wegen des U-Bahn-Baus weggezogen. Jetzt kommen viele Studenten, und es gibt immer mehr ausländische Mitbürger. Das empfinde ich aber definitiv als Bereicherung, zum Beispiel die Italiener mit ihren Cafés. Oder die Spanier, die Portugiesen und der türkische Schuster, den ich supernett finde.“

Machen Sie den U-Bahn-Bau dafür verantwortlich, dass trotzdem einige Läden aufgegeben haben?
„Mit dem Pleitegehen ist das so eine Sache. Man kann nicht alles auf die U-Bahn schieben. Ich kann nicht sagen, dass irgendwer nur deshalb zugemacht hat. Zu kämpfen haben wir alle, aber es wäre unfair, das nur auf die U-Bahn zu schieben. Wir hatten zum Beispiel im ‚Alex‘ vor mehr als 20 Jahren noch 14 Angestellte, nicht nur hier im Geschäft, sondern auch in der Werkstatt, für die ganzen Schreibmaschinen, Drucker und Kopierer. Heute machen mein Mann und ich das allein. Er kümmert sich um den Internetshop und um die Großkunden, ich mache den Laden. (sie lacht) Und unser Sohn, der muss auch mit ran.“

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„So soll es sein“ erwiderte damals der Kellner die Bestellung beim ersten Besuch des Restaurants im Herzen des Vringsveedels – und damit hat…

Bei Ihnen vor dem Laden ist die Bonner Straße inzwischen fertig. Gefällt Ihnen das so?
(Sie lacht wieder) „Nein! Wir haben die Bushaltestelle direkt vor der Tür, und es fehlen die Wartehäuschen. Da haben wir die Leute bei schlechtem und bei gutem Wetter im Eingang stehen. Und die neuen Bürgersteige, die sind zwar schön breit, aber eben fünf Zentimeter zu breit: Darum dürfen sie jetzt auf der Bonner Straße keinen weißen Mittelstreifen ziehen.“

Aber es gibt da so eine Art Radweg.
„Das nennt sich Fahrrad-Sicherheitsstreifen.“

Was bewegt Sie in diesem Sommer besonders?
„Na, eben wie sich die Südstadt verändert durch die U-Bahn. Das haben wir alle in den Köpfen drin, das bewegt uns sehr. Wir fragen uns, wie lange wir noch brauchen, um die Südstadt wieder hochzubringen, also dass wir alle wieder zufriedener sind. Ein Patenrezept gibt es da wohl nicht. Aber die Kunden in der Südstadt, die sind supernett, das muss ich schon sagen.“

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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