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Gesellschaft

„Südstadt Rut-Wieß!“

Dienstag, 1. März 2011 | Text: Judith Levold | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

…könnte es heißen, statt Kölle Alaaf! Denn immerhin ist die in unserem Veedel beheimatete Karnevalsgesellschaft der Kölsche Funke Rut-Wieß vun 1823 e.V. das älteste Traditionscorps der Stadt überhaupt. Bevor die Roten Funken 1955 die vom 2. Weltkrieg ziemlich zerstörte Ulrepforte entschutteten und sie fortan zu ihrem Vereinsheim machten, hatten sie gar kein festes Domizil, trafen sich in wechselnden Lokalen.

 

Sesshaft wurden sie erst in der Südstadt, im ehemaligen mittelalterlichen Stadttor, „d´r Ülepooz“. Das Bauwerk atmet Geschichte, und auch die Roten Funken haben hier ihre Geschichte in Wort und Bild aufbewahrt. 440 Mitglieder stark sind sie, die Nachkommen der früheren Stadtsoldaten, die damals wie eine städtische Polizei fungierten und an den Toren Kölns nach dem Rechten sahen. Dass sie dabei gerne einen über den Durst hoben – wen stört das heute noch, zumal das ja auch im Karneval irgendwie konstituierendes Moment ist…

Doch nicht nur im Karneval stehen Rote Funken eng zusammen, sondern auch das ganze Jahr über pflegen sie ein reges Vereinsleben. Zusammenhalt, Geschichtsbewusstsein und freundschaftliches Miteinander sind bei ihnen groß geschrieben, die Mitglieder ihrer vier Unterabteilungen, der sogenannten Knubbel, treffen sich monatlich, man unternimmt Ausflüge, hilft sich privat und auch für die Kinder, die Funke-Pänz, gibt es Angebote.

Jeder Rote Funk hat einen kölschen Spitznamen, satzungsgemäß muss jeder aktive Rote Funk im Rosenmontagszug mitmarschieren und: es gibt keinen einzigen weiblichen Funk, nicht einmal das Tanzmariechen ist Mitglied. Das empört mich einigermaßen, und ich frage Dieter Szary alias Fitschbunn, Pressesprecher und Vorstandsmitglied, warum das so ist und wie man denn eigentlich überhaupt Roter Funk werden kann. Denn das ist gar nicht so einfach. „Die Funken waren ja Soldaten, und es gab eben keine weiblichen Soldaten.“ Aha. Leuchtet ein. Männern wenigstens. „Aber die Frauen kommen ja überallhin mit.“ Na, das beruhigt immerhin, und bis die Jugendlichen 18 Jahre alt sind, dürfen sowieso Jungs UND Mädchen gleichermaßen bei den Funken mitmachen. Danach heißt es für Mädels Tschüssi und für Jungs entweder aufhören oder offizielles Mitglied werden, und das geht so: “Jeder kann sich an die Geschäftsstelle wenden und sein Interesse bekunden, er bekommt dann erstmal einen Fragebogen zugeschickt“ erklärt Szary. Klingt wie bei einer Prüfung oder so. Ist es auch gewissermaßen, denn die Roten Funken „wollen abklopfen, ob derjenige auch geeignet ist.“ Und deshalb wird er dann auch zu Knubbel-Abenden eingeladen, muss ein Jahr hospitieren und kann erst dann seine Aufnahme beantragen. In der Zwischenzeit muss er sich so beliebt gemacht haben, dass zwei gestandene Mitglieder für ihn als Bürgen eintreten. Und dann tagt der Ballotage-Ausschuss, ein Gremium, das dem Gleichheitsgrundsatz der Roten Funken verpflichtet ist, über die Aufnahme neuer Mitglieder. Freilich nicht, ohne sie selbst zuvor nochmal angehört und ausgiebig befragt zu haben.

 

„Wir müssen halt prüfen, ob der Kandidat wirkliches, langfristiges Interesse hat, denn wenn sich jemand nicht klar darüber ist, was da auf ihn zu kommt, dann hat es keinen Zweck. Dann steigt er nach zwei Jahren wieder aus und das ist dann zu viel Aufwand. Auch Kosten – allein eine Uniform liegt so bei 3000,-€. Und man muss auch sicher sein, dass die Familie, der Partner, da mitzieht, sonst geht das nicht.“ Meint Dieter Szary und er muss es wissen, ist schließlich seit 23 Jahren dabei. Wenn der Bewerber dann auch noch Foto und Lebenslauf einreicht, kommt es in 99,9% der Fälle auch zur Vereidigung, noch nie gab es in Folge dann einen Austritt. Einmal Funk, immer Funk. So sieht´s aus.

Während ich all diese Rote Funken-Regeln inhaliere, darf ich mich im Vereinsheim umsehen, der Ülepooz, einem Ort in Köln, den ich nur von außen kenne. Da gibt es neben der Geschäftsstelle das Vorstandszimmer im Turm, mit reichlich bleiverglasten Fenstern – alle Motive zeigen Szenen aus dem Leben Roter Funken, pardon, Stadtsoldaten. Hier stehen prächtige historische Stühlen und ein Tisch, den 1932 ein Funken-Tischler als Intarsienarbeit mit rund 28.000 kleinen Holzstückchen fertigte, zahlreiche Portraits hängen an den Wänden. Es gibt die Kleiderkammer, das Archiv und das Gedenkzimmer, wo jedes verstorbene Funkenmitglied mit Foto verewigt ist und das wie eine kleine Kapelle wirkt. Und natürlich: den Gewölbekeller. Hier wird gefeiert und hier finden auch die Knubbelabende statt – jeder Knubbel hat seine Ecke speziell gestaltet. Es fallen vor allem die Deko-Elemente in Knubbel-Optik auf: Streckstrump für den 1., Öllig für den 2., Dillendopp für den 3. und Stoppe für den 4. Knubbel. Ihre Bei-Namen haben die Knubbel von den Nebentätigkeiten der Ex-Stadtsoldaten, nämlich Strümpfestricken, Kochen, Kinderhüten und Trinken, da sie mit ihrem Aufpasserjob in vornapoleonischen Zeiten wohl nicht ausgelastet waren.

 

Für Kinder sei es doch sicher einfacher, Mitglied zu werden, merke ich bei Dieter Szary an, um auf meine Ursprungsfrage zurückzukommen, wie man denn nun Funk werden kann. „Ja, das sind meistens Kinder von Funken,“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. „aber natürlich können auch Externe kommen. Und die Kinder sind ja auch keine Mitglieder im eigentlichen Sinne, sondern laufen so mit. Die haben ihre Kindertreffen und Ausflüge, laufen auch im Zug mit, aber ordentliches Mitglied kann man erst als Erwachsener werden.“ Siehe oben, denke ich, aber: theoretisch darf auch der Imi aus der Südstadt und mit ihm seine Söhne einsteigen. Er muss nur richtig wollen. Und sich für Geschichte interessieren. Die von Köln im Allgemeinen und die der Funken im Besonderen.

 

Wem die Hürde zu groß ist, der kann auch erst mal nur die Ülepooz besichtigen – es gibt Führungen, ganz besonders gerne auch für KiTas und Schulklassen, da bekommen die Pänz dann einen spannenden Einblick in das Rote Funken-Leben. Alaaf!

 

Text: Judith Levold

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