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Kultur

Tragischer Held mit Kopfweh und Katze

Donnerstag, 19. März 2015 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Majestic/Patrick Wally

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Eigentlich hatte man ja mit ihm reden wollen, dem Hader. Ausführlich. Über seinen neuen Film, das Kabarett und überhaupt. Doch dann hatte sein PR-Begleiter von einem „sehr knappen Zeitfenster“ gesprochen und für ein Interview 15 Minuten in Aussicht gestellt. Wenn alles gut laufe. Maximal ein Viertelstündchen mit dem großen Josef Hader? Das hätte doch eher etwas von Smalltalk am Roten Teppich gehabt. Ach nö, dann lieber gar nicht. Aber so läuft das nunmal, wenn Mimen auf Werbetour für einen neuen Film durch die Lande ziehen. Und Hader musste am vergangenen Donnerstag im Odeon dann auch schnell wieder weiter. Er erklärte nur kurz, das Drehbuch habe man auch diesmal in gewohnter Teamarbeit abgefasst und er noch nicht wisse, wann er dazu komme, ein neues Kabarett-Programm zu schreiben. Vielleicht im Sommer, vielleicht aber auch nicht. Auch für seinen unkleidsamen Schnauzbart hatte er eine plausible Erklärung. Er stehe demnächst als Stefan Zweig vor der Kamera und da sei so eine Rotzbremse nunmal unabdingbar. Sprach´s und verschwand auch schon wieder Richtung Essen, um einer weiteren Vorab-Premiere von „Das ewige Leben“ beizuwohnen. Bei seinem Abschied ließ Hader noch durchblicken, dass ihm dieses Event-Hopping nicht wirklich Spaß macht, er eigentlich lieber in Köln geblieben wäre, statt den Abend einsam in Essen zu verbringen, wo er doch keine Sau kenne. Klang irgendwie glaubhaft.

Der Film: Für die wenigen Menschen, die noch nie von Simon Brenner gehört oder gelesen haben: Der Typ ist die tragende Figur aus den Krimis des österreichischen Autors Wolf Hass. Ein ehemaliger Polizist und beziehungsloser Misanthrop (der Brenner), der sich als Privatdetektiv und in diversen anderen Jobs versucht hat, ohne auch nur annähernd auf einen Grünen Zweig zu kommen. Acht Brenner-Krimis hat Hass inzwischen geschrieben und „Das ewige Leben“ ist nach „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ die vierte Film-Adaption durch Regisseur Wolgang Murnberger. Und verkörpert hat diesen melancholischen Loser von Beginn an Josef Hader, der nie eine Schauspielausbildung absolviert hat, aber seit Jahren zu den profiliertesten Darstellern des deutschsprachigen Kinos gehört. Gleich zu Beginn von „Das ewige Leben“ ist Brenner am Ende.

 

Freund oder Feind? Aschenbrenner (Tobias Moretti) stattet seinem Jugendfreund Simon Brenner (Josef Hader) einen unangenehmen Besuch ab.

 

Keine Arbeit, keine Krankenversicherung, keine Freunde und dazu noch diese ständigen Kopfschmerzen. „Schädelweh“, wie man in Österreich sagt. In dieser misslichen Lage geht er zurück in seine ungeliebte Heimatstadt Graz, wo er vor Jahren das elterliche Haus geerbt hat. Doch das entpuppt sich bei seiner Ankunft als veritable Bruchbude mit Löchern im Dach, höchst störungsanfälliger Elektrik, einem nervigen Nachbarn und einer Katze, die sich in herunter gekommenen Gemäuer häuslich eingerichtet hat. Aber es dauert nicht lange, da labt sich das Tier genüsslich an Brenners Blut. Kopfschuss. Aus purer Verweiflung selbst beigebracht. Was Brenner, der die Nummer überlebt, aber anschließend noch mehr Schädelweh hat, verhement bestreitet. Im Laufe seines Leidens an sich und der Welt gerät Brenner an zwei alte Kumpane, mit denen er einst auf der Polizeischule war. Der eine, Köck, hat es auch nur zu einem armseligenTrödelladen gebracht, während der andere, Aschenbrenner, Karriere gemacht hat und zum Polizeichef von Graz aufgesteigen ist. Doch der, ist körperlich auch nicht ganz beieinander und hat offenbar mächtig Dreck am Stecken.

Bewegten sich die ersten drei „Brenner“-Verfilmungen zwischen absurder Komik und schwarzhumoriger Komik bis hin zu Splatter-Anleihen, ist „Das ewige Leben“ eher ein düsteres Kammerspiel, das enthüllt, warum Brenner so elend ist wie er ist und ganz auf Charakterstudien setzt. Dabei ist Josef Hader ohnehin über jeden Zweifel erhaben, aber vor allem Tobias Moretti beweist als sein Gegenspieler Aschenbrenner einmal mehr, dass er ein grandioser Schauspieler ist und seine alberne Hundenummer („Kommissar Rex“) lediglich ein Brotjob war. Trotz aller trüben Beziehugskrämerei ist der Film ein durchaus spannender Krimi, der nicht zuletzt mit einer der absurdesten Verfolgungsjagden des Genres aufwartet. Dass Brenner den Schlamassel am Ende knapp überlebt, ist gewiss nicht zuviel verraten. Es stehen schließlich noch vier „Brenner“-Romane zur Verfilmung an. Und in denen kann es für den tragischen Helden eigentlich nur aufwärts gehen. Mehr abwärts geht’s schließlich kaum.

„Das ewige Leben“ läuft ab heute (19.03.2015) im Odeon Kino.
 

Text: Reinhard Lüke

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