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Südstadt

Bienen essen keinen Bienenstich

Dienstag, 2. August 2011 | Text: Sonja Alexa Schmitz | Bild: Sonja Alexa Schmitz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Was man nicht alles nicht über Bienen weiß! Das erfahren meine Kollegin Asle und ich, als wir Frank Methien treffen. Der Südstädter ist seit zwei Jahren Hobby-Imker und hat an verschiedenen Standorten seine Bienenvölker. Wir treffen ihn in Finkens Garten in Rodenkirchen, wo wir uns vier Bienenzargen (so heissen die Kisten, in denen die Bienen „wohnen“) anschauen. Nebendran steht auch ein kleines Holzhäuschen, wo anhand von Postern und einer Musterzarge gezeigt wird, wie Honigmachen funktioniert. An jedem 2. und 4. Sonntag im Monat zwischen 11 und 16 Uhr finden hier Mini-Lehrgänge im Bienenhaus statt, die vor allem für Kinder gedacht sind, aber auch uns Erwachsenen mal klarmachen, was eigentlich hinter den goldenen Gläsern steckt, die wie ganz selbstverständlich auf unserem Frühstückstisch stehen.

 

Zuerst einmal: Falls irgendjemand mal gehört haben sollte, dass es unmoralisch sei, Honig zu essen, weil man den Bienen ihre Nahrung wegnimmt, kann unbesorgt weiter naschen. Honig dient den Bienenbabies als Nahrung und wird als Vorrat für den Winter angelegt. Der Imker sorgt aber für seine Bienen. Er füttert sie zu, wenn, wetterbedingt, zuwenig Blütennahrung zu finden ist, er schützt sie vor Milbenbefall und im Winter ersetzt er den entnommenen Honig durch eine Zuckerwassermasse. Außerdem sorgt der Imker für den Erhalt unserer Artenvielfalt. Bienen bestäuben unsere Blüten, und wenn zuwenig Bienen da sind, können die Pflanzen sich nicht vermehren. Es ist aktuell sogar ein Problem, dass zu wenige Bienen unterwegs sind. Imker organisieren teilweise Bestäubungsaktionen für gefährdete Gegenden (vor allem in den USA). Sie nehmen ihr Bienenvolk (in der Kiste lassen sie sich ganz leicht transportieren), und lassen sie an einem Ort heraus, damit sie dort die Pflanzenwelt befruchten.

 

Neue Imker braucht das Land also und diese brauchen auch Standorte. Frank Methien sucht aktuell in der Südstadt nach neuen Standorten. So wird er demnächst auf dem Dach der Grafikwerkstatt in der Annostrasse ein Volk beheimaten. Er sucht aber noch nach weiteren Herbergen für seine Bienenstöcke. Was er dazu braucht, ist nicht viel: Ein zugängliches Dach, einen Garten oder ein Kirchturm würde sich auch gut eignen. Einmal die Woche kommt er in der Hauptsaison vorbei um nach dem Rechten zu sehen.

 

Aber wenn ich Bienen im Garten habe, dann setzen sie sich auf mein Marmeladenbrötchen, schreit Ihr gleich los. Und gestochen werden will ich auch nicht! „Bienen stechen nicht, höchstens wenn man nach ihnen schlägt. Sie kommen auch nicht an den Tisch. Das sind Wespen, die an jeder Süßspeise und an Fleischgerichten knabbern. Bienen interessieren sich nicht dafür,“ klärt Frank auf. Bienen essen also keinen Bienenstich.

 

Wir Stadtpflanzen erfahren, dass es zwei Honigernten im Jahr gibt. Der Honig des Frühlings ist süßer als der Honig des Sommers. Die Königin kann drei bis fünf Jahre leben, die Arbeitsbienen lediglich bis zu sechs Wochen, und die Drohnen, die männlichen Honigbienen, existieren ausschließlich zur Begattung der Königin. Danach sind sie zum Sterben verdammt. Wir wollen von Frank wissen, ob es eigentlich Bio-Honig gibt. „Der Honig, den wir hier produzieren, ist eigentlich bio, auch wenn es nicht drauf steht.“ Da man nicht kontrollieren kann, von welchen Blumen der Nektar stammt, kann man nicht ausschließen, dass auch chemisch behandelte Pflanzen von der Biene besucht werden.

 

Hier in der Stadt werden die Pflanzen in der Regel nicht gespritzt. Sie stehen in Gärten oder wachsen wild. Darum ist es eigentlich auch besser Honig aus der Stadt zu kaufen. Und man sorgt dadurch auch für den Erhalt einer grünen Vielfalt. Rapshonig, Lindenblütenhonig, Tannenhonig, woher weiß man denn, dass die Biene nur bei einer dieser Pflanzen war? „Die Biene schwärmt nur im Umkreis von drei Kilometern aus. Setzt man den Bienenstock also in ein Rapsfeld, wurde natürlich so gut wie ausschließlich, Rapsblüten angesteuert.

 

 

 

Frank Methien hat seinen Honig bisher nur verschenkt. Zwölf Kilo waren letztes Jahr das Ergebnis seiner liebevollen Mühen. Das ist die Menge Honig, die ein Bienenvolk in einem Jahr durchschnittlich schafft. Für ein Kilogramm Honig besucht eine Biene 10-12 Millionen Blüten. Die Bienen werden nicht umsonst mit dem Adjektiv „fleißig“ attributiert: Machen sie doch täglich im Schnitt 4.000 Sammelflüge! Kostbares Gut also. Darauf sollte man vielleicht achten, wenn man Honig kauft. Wie bei so vielen Lebensmitteln, macht es Sinn, wenn er aus der Region kommt. Gut zu erkennen ist das zum Beispiel an den uns wohl bekannten, alt-traditionellen grün-goldenen Etiketten. Honig mit diesem Etikett kommt garantiert aus Deutschland, und wurde von einem Imker hergestellt, der dies gelernt hat.

 

Apropros lernen: „Frank, wie und warum eigentlich, bist du Imker geworden?“ wollen wir wissen. „Das war eigentlich Zufall. Eines Tages kam der Vorsitzende des Imkerverbandes zu uns in die Feuerwache (Frank arbeitet bei der Feuerwehr in Weidenpesch). Er wollte fragen, ob wir auf dem Dach der Wache Platz hätten für Bienenstöcke. Er war auf der Suche nach Stellplätzen, so wie ich jetzt. Die Feuerwehr hat das gemacht, und bei brachte das was ins Rollen gebracht. Ich hatte schon seit langem das Gefühl, der Natur nicht mehr nah zu sein. Ich wollte mal wieder etwas Ursprüngliches in meinem Leben.“ Er hat dann ein paar Lehrgänge gemacht, die kosten pro Mal ca. 25 Euro. Es gibt keine Mindestanzahl besuchter Lehrgänge, um sich Imker nennen zu dürfen. „Aber es macht Sinn, sich da immer mal wieder weiter zu bilden. Mehr zu erfahren über Bienen, die Haltung von Bienen und was man bei einem Milbenbefall machen kann und wie Honig produziert wird.“

 

Bienenzucht scheint gerade ein Trend zu werden. In New York hat man sie auf Dächern, in Berlin und Bonn werden die Museumsdächer mit Bienenstöcken ausgestattet, in Köln auf dem Dach des Pullman-Hotels, und bald summt es hoffentlich vermehrt in der Südstadt. Aber auch in Ehrenfeld hat sich eine Gruppe gefunden, die die Bienenzucht populär macht. Dieser Gruppe kann man auf Facebook beitreten. Am 25. August veranstalten sie einen Workshop zum Thema Imkern. Das ist mal ein schöner Trend. Er sorgt für Nachhaltigkeit, Bewusstmachen von Natur, und wer einen Standort anbieten kann, dem sei frischer, hauseigener Honig sicher.

 

Interessierte melden sich bei Frank Methien per Mail: hallo@hundert11.com.

Infos gibt es zudem beim Kölner Imkerverein, die Ehrenfelder findet man hier auf Facebook.

Und wer (wie unser Kollege Reinhard Lüke brennend) wissen möchte, warum der Bienenstich-Kuchen Bienenstich heißt, der schaut hier nach.

Text: Sonja Alexa Schmitz

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