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Gesellschaft

„Circus Kasikonde – Hier ist es egal, dass ich kein Geld habe!“

Dienstag, 19. November 2013 | Text: Judith Levold | Bild: Tamara Soliz / Vivienne Lütteken

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Es geht tatsächlich mal um was anderes, als Geld bzw. die Abwesenheit von selbigem. Nämlich darum, gebraucht zu werden, Teil eines Teams, einer Gemeinschaft zu sein, sich zu bewegen, für etwas zu brennen.
So beschreibt Vivienne Lütteken, Jahrgang 1993, gebürtige Südstädterin und ehemals Kaiserin Augusta-Schülerin, den Spirit des Zirkusprojekts für Kinder und Jugendliche in Ugandas Hauptstadt Kampala, an dessen Aufbau sie mitarbeitet. Sie selbst brennt dafür, das Projekt voranzutreiben, hat sich schon bei ihrem ersten Aufenthalt dafür engagiert und reist nun am 1. Dezember erneut nach Afrika. Im Gepäck: Jonglierbälle, Tücher und anderes Equipment für die Zirkusakrobatik.

Meinesuedstadt: Wie bist Du überhaupt in Uganda gelandet nach Deinem Abi letztes Jahr?
Vivienne Lütteken: Ich reise sehr gerne und wollte unbedingt nach Afrika, bin mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts dann im September für ein Jahr nach Kampala gegangen, in ein Projekt vor Ort von InVia Berlin.

Was war da Deine Aufgabe?
Ich habe in einer Einrichtung, einem Heim für geistig Behinderte, gearbeitet. Wir haben ein Café aufgebaut, wo geistig und körperlich Behinderte mitarbeiten können. Ich hab mich viel um PR gekümmert, Events wie Lesungen und Konzerte organisiert, um das Café bekannt zu machen. Außerdem habe ich in meiner Freizeit getanzt – ich muss mich bewegen, tanze schon lange und habe auch in meiner Kindheit beim Kölner Zirkus Linoluckynelli mit gemacht.

…und so bist Du dann an das Zirkusprojekt gekommen?
Ja, durch die Arbeit. Kampala pulsiert, das ist sehr international, auch die Hilfsorganisationen. Ich habe mir da einen guten Kreis von Leuten entwickelt, das dauert ja, bis das Vertrauen wächst. Und durch die praktische Arbeit in der Einrichtung, also so etwas wie Schmuck machen oder Karten drucken, habe ich auch jenseits von Sprachbarrieren guten Kontakt zu den Menschen bekommen. Über die Werbung für das Café geriet ich an einen italienischen Zahnarzt, der dieses Zirkusprojekt gerade gestartet hatte mit einem Freiwilligen aus New York. Also da gibt es erst mal nur einen Raum zum Proben und eine Handvoll Leute. Ich habe gesagt: ich habe Zeit, ich komme wieder und helfe beim Aufbau.

 

 

Und was gibt das den Kindern und Jugendlichen dort?
Also das bringt ihnen viel. Wir sind ja sehr quartiersbezogen, es kommen die Menschen aus der unmittelbaren Umgebung, denn Transport in Kampala ist sehr teuer. Man muss viel Zeit und Geld aufwenden, um von A nach B zu kommen. Und die Kinder und Jugendlichen vor Ort können einfach so bei uns mitmachen, anstatt durch die Straßen zu streifen. Hier ist es eben egal, wenn sie kein Geld haben, hier zählen nur sie.

Und das ist das Wichtigste?
Ja, ich glaube schon. Es ist sehr wichtig für sie, jeden Tag etwas vorzuhaben, jeden Tag Spaß zu entwickeln, für eine Gruppe mitverantwortlich zu sein. Man muss doch für irgendetwas brennen – und mit dem Projekt können wir einen Funken zünden. Es gibt da soviel Potential, man muss den Leuten nur eine Anlaufstelle bieten, die Kräfte bündeln, Auftrittsmöglichkeiten organisieren.

Was haben die Kinder denn sonst für einen Alltag?
Viele gehen noch zur Schule, manche aber nicht. Fast alle müssen arbeiten, Schuheputzen oder Popcorn verkaufen.

Und Du wirst sie trainieren?
Ja, ich liebe Akrobatik, ich bin nicht so der theoretische Typ. Und beim Zirkus kann jeder entsprechend seiner Fähigkeiten mitmachen. Ich wollte auch so etwas Soziales machen, ich bin leicht zu begeistern und will dann ganz viel daraus machen. Da braucht es manchmal nur einen kleinen Anschub und das fasziniert mich, wie daraus etwas Großes entstehen kann. Deshalb erzähle ich das hier auch jedem, werbe um Spenden und Material.

 

Gibt es auch etwas, dass Dich in Uganda nervt?
Auf jeden Fall. Es ist da immer noch eine krasse Männerdominanz zu spüren, das zum Beispiel nervt. Und noch etwas: Du kommst zwar sehr leicht in Kontakt, wirst sofort integriert, eingeladen, mitgenommen – die Gastfreundschaft ist sehr berührend, gerade von den total armen Menschen. Aber: Du wirst immer fremd bleiben, immer der „Muzungu“, der Weiße. Und dann ist es schon manchmal blöd, wenn einem die Kinder hinterherrennen und die ganze Zeit singen „Muzungu, Muzungu!“

Schon Pläne für die Zukunft, wenn Du nach einem halben Jahr am Äquator bei 27° wieder herkommst?
Noch nicht so ganz klar. Ich hatte jetzt ja nicht so viel Zeit hier zu Hause, musste viel arbeiten, um mir den Flug und Aufenthalt dort zu finanzieren. Aber ich war in Essen an der Folkwang Schule, weil ich überlege, eventuell zeitgenössischen Tanz zu studieren. Oder aber Zirkuspädagogik. Irgendwie will ich in den Bereich Kulturmanagement, aber mir liegt eben das Praktische mehr.

Viel Erfolg für Deine Zukunft und herzlichen Dank für das Gespräch!
 

 

Mehr im Netz

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie unter
www.circusinuganda.blogspot.de oder www.hiccupcircusuganda.org
Falls Sie das Projekt finanziell unterstützen möchten schauen Sie bitte hier: www.betterplace.org/p14673

 

Text: Judith Levold

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