Raum für Workshops & Ausstellungen in der kölner Südstadt anmieten

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Auf ein Kölsch mit...

Contenance!

Sonntag, 20. März 2011 | Text: Judith Levold | Bild: Anke Westermann

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wie ein Fels in der Brandung, so erscheint mir die Frau, die ich seit ich in der Südstadt lebe, in ihrem geschmackvoll gestalteten Laden am Ubierring, hinter einem kleinen Empire-Tischchen sitzen und lesen sehe. Immer mit perfekter Hochsteckfrisur, immer elegant im Kleid und mit hohen Hacken. Immer dezent geschminkt und mit aufrechter Haltung.
Lesen tut sie natürlich nur, wenn gerade keine Kundin da ist und ihre Beratung braucht. Ein neues Kleid für den besonderen Anlass, nein, eher das rote, noch einen passenden Schal dazu, oder vielleicht doch diese Jacke? Die Tasche würde auch gut dazu aussehen. Aber die Bluse müsste ein bisschen geändert werden, so, ja, das sieht toll aus.

Seit  mehr als 50 Jahren lebt Irma Grümmer in der Südstadt, seit gut 25 betreibt sie ihr Geschäft GRÜMMER-Moden. Hier findet man anspruchsvollere, klassische und auch elegante Klamotten, nicht nur für 34er-Figürchen. Und eine Fachfrau, die ihr eigenes Sortiment selbst trägt und zu persönlichem Stil aufruft. In der H&M-Look-freien Zone quasi.
Weniger ist mehr, findet Irma Grümmer, und hält auch die Anzahl der Labels im Laden klein. Die Preise changieren zwischen ganz solide und nicht billig, auf jeden Fall aber ist ihre Mode preiswert. Kleider für richtige Frauen, die gerne Frau sind, so könnte man das Angebot beschreiben.

„Ich war immer schon modebewusst, hab´ mich gerne schick angezogen“ sagt Frau Grümmer und zeigt begeistert in einem Katalog, was sie soeben auf der Messe für den kommenden Herbst geordert hat. Und „Zu mir kommen einfach selbstbestimmte Frauen. Ich habe nur nette Kundinnen, mir macht das unheimlichen Spaß.“ Das merkt man schnell, wenn man etwas sucht, aber noch nicht so ganz entschieden ist. Irma Grümmer hat Zeit und den gewissen Blick für das, was einem steht. Hanseatisch zurückhaltend, aber durchaus mit Meinung berät sie ihre Kundschaft, die natürlich nicht nur aus der Südstadt kommt. „Nur von der Südstadt könnte ich nicht leben“, sagt sie, aber die Kunden kommen eben aus allen Stadtteilen und auch von außerhalb Kölns. Manche kommen nur einmal im Jahr und kleiden sich dann bei ihr komplett ein. An der Südstadt mag sie „dass hier wieder so viele junge Leute sind. Hier kriegt man wieder Kinder, es ist laut – herrlich! Und dass es hier so viele selbstbewusste Frauen gibt, das gefällt mir. Ich bin auch immer selbstbestimmt gewesen, habe mich nie nur über einen Mann definiert. Das war mir immer wichtig.“ Und das glaube ich sofort. Auch wenn sie als Nordlicht Ende der 50er Jahre vor der Jugendliebe flüchtete und in der Südstadt ihre zweite Liebe fand: den vor 3 Jahren verstorbenen Kölner Künstler GRÜMMER, von dem sie sich zwar später trennte, mit dem sie aber bis heute viel verbindet, besonders die gemeinsame Tochter, die drei inzwischen auch schon erwachsenen Enkel und die Skulpturen und Bilder von ihm in ihrem Laden. „Das war eine wilde Zeit in den 60ern, wir waren unkonventionell. Die Werkkunstschule hier am Ubierring, da war viel los. Da drüben“, zeigt sie, „neben dem Eisforum, da war in der ersten Etage das Café Orth. Da gingen wir immer hin, da gab´s den besten Kuchen. Und gefeiert wurde da! Und gewohnt haben wir am Oberländer Wall, da waren wir die jüngsten und so gut wie die einzigen mit Kind. Das ist erst später wieder gekommen, dass hier so viel Familien leben.“ Und genau das findet sie eben schön an diesem Stadtteil. Und die Rheinnähe. Und dass hier einfach überwiegend nette Leute wohnen.

Wie man denn durch alle wirtschaftlichen Auf´s und Ab´s so einen kleinen Laden so lange erfolgreich führen kann, ohne Mitarbeiter, frage ich Frau Grümmer. „Also Disziplin ist das A und O. Und Du musst von Dir überzeugt sein, immer da sein. Meine Kundinnen wissen: ich bin im Sommer zwei Wochen weg und über Karneval. Aber ich war in all´ den Jahren nicht einen Tag krank! Rente mit 65? Finde ich schlimm. Da werden die Frauen dann langweilig und krank. Die rennen dann nur noch zum Arzt. Ich mach´ das hier so lange, bis ich im Laden umfalle. Und wer mich dann findet, der übernimmt den Laden.“ Sagt sie und lacht mit extrem jungem Blitzen in den Augen. Da fällt mir nur noch die Frage ein, ob sie denn doch auch mal eine Hose trage? „Ja, schon. Wenn ich mit einem der Enkel meine jährliche Irma-Enkel-Reise mache. Zum Beispiel mit der transsibirischen Eisenbahn. Da habe ich dann eine Hose an. Und flachere Schuhe. Aber natürlich habe ich auch ein Kleid im Gepäck, man kann ja nie wissen.“ Das nenne ich Stil. Und gehe zufrieden mit meinem nagelneuen, herabgesetzten, schwarzen Teddyfellmantel nach Hause.

Text: Judith Levold

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