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Auf ein Kölsch mit... Sport

Charakterstärke.

Freitag, 6. April 2012 | Text: Roger Lenhard | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

 – Ein Interview mit Ex-Radrennprofi Darius Kaiser.

Ostermontag findet das traditionsreiche Eintagesrennen Rund um Köln zum 96. Mal in Köln statt. Es zählt sowohl für Hobbyfahrer als auch für Profis in Deutschland zu den Radsportklassikern.Um 11:10 Uhr startet das Fahrerfeld in Hückeswagen, und gegen 15:15 Uhr ist mit der Zielankunft auf der Bayenstraße in Höhe der Dreikönigenstraße zu rechnen. Für „Meine Südstadt“ ist das der Anlass, mit einem ehemaligen Radsport-Profi über dessen Erfahrungen zu sprechen. Nur wenige wissen, dass Darius Kaiser, der auf der Bonner Straße am Großmarkt seit einigen Jahren schon ein Radsportgeschäft führt. Er wurde 1989 Deutscher Meister im Straßenrennen der Profis, nahm am Giro d’Italia und viermal an der spanischen Rundfahrt teil. Roger Lenhard, hat den 51-Jährigen besucht und mit dem ehemaligen Profi über Lust und Leid dieses zeitintensiven Sports zu reden.

Meine Südstadt: Wie bist du zum Radsport gekommen?
Darius Kaiser: Ich habe früher mehrere Sportarten ausprobiert und habe das auch sehr engagiert gemacht. Doch mein Talent hat nicht ausgereicht, sehr schnell zu laufen oder gut Fußball zu spielen. Irgendwann hatte ich mit meinem Vater Ärger, der sich nachher schuldig fühlte und mir ein Fahrrad schenkte. Ich nahm dann an einem Radrennen teil, was ich auch prompt gewann.

So untrainiert?
Man ist fit, wenn man viel Sport macht. Ich habe nicht nur Fußball gespielt und Leichtathletik gemacht, sondern auch Tischtennis und Volleyball gespielt. Ich war gut, aber nicht spitzenmäßig. Beim Radfahren habe ich gleich die ersten fünf Rennen mit großem Vorsprung gewonnen und festgestellt, dass ich Talent habe – mehr oder weniger. So bin ich hängengeblieben.

Das klingt alles sehr easy. Wie alt warst du und wie sah dein Trainingspensum aus?
Ich bin in einer kleinem Dorf mit 3500 Einwohnern in Polen aufgewachsen (Tychy, 15 Kilometer südlich von Kattowitz). Ich musste 21 Kilometer zu meinem Club fahren und wieder zurück. Wir sind Runden gefahren von 60 – 80 Kilometern. Mit 13 bin ich also jeden Tag fast 100 Kilometer gefahren.

Demnach warst Du ein talentiertes Kraftpaket. Warst du weiter als die anderen Jungen?
Ich war für mein Alter ganz normal. Nicht klein, nicht groß. Ganz normal. Aber beim Radsport brauchst du Charakterstärke: Dass du beißen kannst, dass du leiden kannst. Und das konnte ich. Um 100 Meter in elf Sekunden zu laufen, braucht man bestimmte dynamische Voraussetzungen. Etwas Vergleichbares braucht ein Radfahrer nicht. Talent ist weniger wichtig als Wille und Härte. Natürlich auch gute Lungen und ein kräftiges Herz. Aber als Radfahrer muss man Schmerzen ertragen können. Radfahren ist Schmerz. Ab einem bestimmten Punkt schmerzt jeder Muskel. Wenn man das ertragen kann ist man ein guter Radsportler.

Jetzt haben wir über das Leiden im Radrennsport gesprochen. Gibt es nicht auch die Lust zu fahren, vielleicht sogar auch Glückserfahrungen während ein langen anstrengenden Tour? Freunde von mir, keine Profis, aber gute Fahrer, strampeln ihren Ärger oder Frust regelrecht aus den Knochen und kommen entspannt und glücklich von einer anstrengenden Fahrt zurück. So etwas hört man auch von anderen Ausdauersportlern. Kennst du so etwas auch? Ich rede jetzt nicht von dem Glück, siegreich zu sein.

Ich habe nie gerne trainiert und mein Glückserlebnis war, nach einem harten Training unter der Dusche zu stehen. Man muss den Willen haben jeden Tag den inneren Schweinehund zu überwinden, um die Kilometer und die Einheiten zu machen. Beim Training war ich oft schlechter als meine Kumpels. Doch die gleichen Kumpels waren im Wettkampf zehn Minuten langsamer als ich, und ich habe das Rennen gewonnen. Alles eine Frage des Charakters. Kurz gefasst: Nicht Entspannung und Glück, sondern Entbehrung und Leiden. Man muss das Leiden mögen. Wenn alles schmerzt, ist das kein Spaß. Beim Radrennen entscheiden oft zwei, drei Momente, wo du große Schmerzen ertragen musst. Erträgst du sie, bist du bei der Ausreissergruppe dabei, wenn nicht, eben nicht.

Bist du alles gefahren, Straße und Bahn, die großen Touren?
Bahn nicht, aber sonst alles bis auf die Tour de France, die Telekom-Mannschaft hatte nicht genug Punkte, um mitfahren zu dürfen. Aber Weltmeisterschaften, den Giro d´Italia und 4x die Spanienrundfahrt.

Worin unterscheiden sich die großen Rundfahrten?
Alle gehen um die 4000 Kilometer. Bei der Tour de France hast du zwei Tage Pause. Bei der Spanienrundfahrt nur einen. Es geht durch die gleichen Berge. Die Anstiege sind vergleichbar lang und steil. Die Spanienrundfahrt ist vielleicht noch schwieriger, da die Straßenverhältnisse viel schlechter sind.

1992 hast du deine Karriere beendet und dein Fahrradgeschäft eröffnet. Fährst du noch regelmäßig?
In der Woche habe ich keine Zeit, da ich von neun bis neun arbeite. Doch da ich etwas tun muss, fahre ich am Sonntag Mountainbike im Königsforst.

Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Roger Lenhard

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