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Lükes Liebes Leben

Dalí als Teletubby

Montag, 20. Januar 2020 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Manche finden ja den Advent und die Vorweihnachtszeit mit Keksen, Glühwein und Nikoläusen allerliebst. Nicht so mein Ding. Mir sagt eher das entspannte Nebeneinander der Vorkarnevalszeit zu, wenn Kostümierte mich beim Einkaufen im grauen Januar-Alltag daran erinnern, dass in geschlossenen Räumen längst der närrische Frohsinn tobt. Wenn sich vorm Brauhaus an der Severinstraße jeden Nachmittag rauchende Funken in unterschiedlichen Farbgebungen zum Vorglühen mit Kölsch versammeln und dabei so trübsinnig dreinschauen, als hätten sie gleich einen Zahnarzttermin, kann ich mir kaum vorstellen, wie sie eine Stunde später als Botschafter des Frohsinns mit Humtata und Tätärä in irgendwelche Festsäle einziehen.

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„Das Kölsch ist kalt, der Kaffee heiß und unsere Theke gesellig.“ so beschreibt Wirt Peter „Pitter“ Mathissen sein Lokal. Kaum einen Steinwu…

Aber als echter Funk hat man das vermutlich drauf. Und das ein oder andere Obergärige hilft sicher auch. Eher seltene Exemplare der Spezies lassen sich nicht von der Gattin mit Auto vorm Brauhaus aussetzen, sondern nutzen ökologisch korrekt die KVB. Und da sitzt dann manchmal in der Bahn so ein Karnevals-Funktionär in vollem Wichs neben einem Menschen, der mit Aktentasche unterm Arm gerade von der Arbeit kommt, ohne dass der eine vom anderen groß Notiz nähme. Normal. Ich mag das.

Mit Pappnas overdressed

Aber so langsam stellt sich ja auch für Nicht-Sitzungs-Jecken wieder die Frage, als was sie denn diesmal durch die Tollen Tage toben sollen, bzw. wollen. Für mich als gebürtigem Westfalen ist die Kostümwahl nicht wirklich ein Stressfaktor. Ich werde wieder meine private Altkleidersammlung durchforsten und versuchen, mich ein wenig anders als sonst zu kleiden. Wer mich nicht kennt, dem wird freilich kaum auffallen, dass es sich bei meinem Outfit um eine Verkleidung handeln soll. Kann ich mit leben. Denn im Innersten meines westfälisches Gemüts fühle ich mich schon mit einer Pappnas karnevalistisch overdressed. Was mich allerdings nicht davon abhält, jedes Jahr eifrig die Prospekte der einschlägigen Kostüm-Kaufhäuser nach aktuellen Trends auf dem Markt der textilen Narretei zu durchforsten. Beispielsweise den von ThinkJeck, der mir unlängst ins Haus geflattert ist.

Im Minirock im Knast

Für den Herren gibt’s da das Kostüm „Sträfling“, bestehend aus quergestreiftem Shirt mit passender Hose in Schwarz/Weiß. Wenn man vielleicht im Partnerlook gehen möchte, bietet sich für die Dame ein ähnlich gestaltetes Gewand an. Auch hier gestreiftes Shirt, allerdings kombiniert mit superkurzem Minirock. So weit, so normal. Bemerkenswert finde ich indes, dass die weibliche Variante nicht unter dem Titel „Sträfling“ angeboten wird. Schlicht „Kleid“ steht daneben. Da solche Prospekte ja immer von klugen Menschen gemacht werde, die sich bei ihren Tun irgendwas denken, frage ich mich, ob da einem (oder einer?) der Beteiligten sowas wie der Realismus-Aspekt durch die Rübe gerauscht ist. „Moment mal, das Röckchen entspricht aber nicht der gängigen Kleiderordnung in deutschen Haftanstalten!“. „Stimmt, das hatten wir gar nicht bedacht“. Und so wurde aus „Sträfling“ womöglich kurzerhand „Kleid“. Bei Indianern wusste offenbar keiner im Raum so genau, was die weiblichen Stammesmitglieder heutzutage so tragen. Weshalb der darunter abgebildete, mindestens so kurze Fummel „Indianerin-Kleid“ heißt. Gibt´s bis Größe 2XL. Karneval kann frau ja mal was wagen.

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Dandy im Einteiler

Ansonsten hat es da noch das Karl-Lagerfeld-Set mit Perücke, Sonnenbrille, Kravatte und Nieten-Handschuhen. Ist das noch aktuell? Nun gut, der Mann ist am 19.2. letzten Jahres verstorben und da war es wohl ein wenig knapp, um den Look noch in ansehnlicher Form auf den närrischen Markt zu bringen. Wirklich seltsam mutet mir hingegen die „Dalí-Maske“ für günstige 2,99 Euro an. Ein Gesichtsüberzieher aus Plastik mit einem aufgemalten, nach oben gezwirbelten Schurbart, wie der Maler-Fürst ihn zu tragen pflegte. Wieso jetzt ausgerechnet Dalí erschließt sich mir nicht, ist aber auch egal. Gar nicht geht auf jeden Fall das Restkostüm, in das man den Maskenträger auf dem Foto gesteckt hat. Ein plüschiger Einteiler in Rot, der eher nach Teletubby aussieht. Das hat der alte Spanier, der zeitlebens viel Wert auf seine geschniegelte, dandyhafte Erscheinung inklusive Gehstock mit Silberknauf legte, nun wirklich nicht verdient.

Wochenend-Migranten eingemeindet

Vielleicht sollte man bei ThinkJeck nächstes Jahr noch einen Kunsthistoriker bei der Gestaltung des Karnevals-Prospektes hinzuziehen. Als preiswerteste Artikel zu je 1,99 werden in der Broschüre „Veedelstattoos“ zum Aufkleben feilgeboten. Schon klar. Schließlich geht die Session in diesem Jahr unter dem Motto „Et Hätz schleiht em Veedel” über die Bühne. Südstadt ist bei den Tattoos natürlich auch dabei. Genau wie Nippes, Ehrenfeld und, nun ja, Rondorf und Dünnwald. Durch Rondorf bin ich mal durchgefahren. Nach Veedel sah mir das irgendwie nicht aus. Aber es kommt noch dicker: Auch Bergheim und Bergisch Gladbach sind dabei. Diese Wohnorte der Wochenend-Migranten zu kölschen Veedeln zu erklären, da hört doch auch (oder vor allem) im Karneval der Spaß auf. Also, ihr ThinkJecks: Neben dem Kunsthistoriker demnächst auch noch einen Heimatforscher anheuern. Macht die Prospektgestaltung zwar etwas teurer, dafür habt ihr aber dann am Ende echt ein Qualitätsprodukt, das ich mir nächstes Jahr gern anschauen werde.

Text: Reinhard Lüke

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