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Kultur

Der zweite Untergang der Alexandra

Montag, 10. März 2014 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Was wäre, wenn Alexandra wiederauferstehen würde und heute erneut die Bühne beträte? Alexandra? Ja, die mit der Sehnsucht, dem Zigeunerjungen und dem Freund, dem Baum, der tot ist. Im Freien Werkstatt Theater tritt die im Alter von 27 Jahren gestorbene Sängerin wieder unter die Lebenden und setzt sich dem Showbiz der Gegenwart aus.

Das Kleid ist ein Glitzern in Grün. Hochgeschlossen, lange Ärmel, beinahe bodenlang. So erwartet man es von einer Künstlerin, die in den 1960er-Jahren den Höhepunkt ihrer Karriere erlebte. Und genauso tritt Barbara Kratz als Alexandra auf die Bühne, um ein Konzert zum Besten zu geben. Doch dann geht im Comeback der Sängerin eigentlich alles schief.

Natürlich muss sich Alexandra in dieser Welt erst zurechtfinden. Schließlich sind die Fernsehprogramme überfüllt mit kurzlebigen Stars, die mit zweifelhaftem Können Preise und Auszeichnungen gewinnen. Außerdem sind da auch die alten Freunde der Musikerin, die sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt haben. Dunja Rajter kommt zu Wort, genauso wie Vicky Leandros, Adamo, Heino und Hannelore, Roland Kaiser und Roberto Blanco. Sie alle raten ihr, sich spärlicher zu kleiden und viel Haut zu zeigen. Alles für die Show.

Alexandra ist entsetzt, deprimiert, frustriert. „Nicht nur mein Kleid, auch meine Lieder sind altmodisch“, konstatiert sie. Also verändert sie sich, zieht sich aus, macht auf sexy und versucht sich sogar am Stil Rammsteins. Doch zum Ende gelangt sie zu einer Erkenntnis: „Ich kann mich nicht verbiegen. Die Welt hat sich verändert. Ich passe nicht mehr hinein.“ Also beruft sie sich auf das, was sie will, und kehrt in ihre ursprüngliche Fassung und Natürlichkeit zurück.

Barbara Kratz singt die Lieder der großen Alexandra mit der charakteristisch tiefen Stimme, mit der Wehmut, die in jeder Zeile mitschwingt. Erstes Morgenrot, Zigeunerjunge („darf man das heute noch singen?“), Sehnsucht, Walzer des Sommers, Zwei Gitarren, Schwarze Engel, Mein Freund der Baum, Spiel der Balalaika und Akkordeon als Zugabe. Für wahre Alexandra-Fans gibt es keinen Grund zur Beschwerde – die schönsten Lieder kommen wieder aus der Versenkung und werden großartig vorgetragen.

Warum jedoch neben den oben genannten Musikern auch Wladimir Putin eingespielt wird, erschließt sich nicht. Während die Kollegen auf die Veränderungen des Showbiz anspielen, will der russische Präsident der Sängerin die Staatsangehörigkeit antragen. „So wie Gérard Depardieu.“ Auch der kurze Bezug zu Pussy Riot fällt zusammenhanglos auf die Bühne, ohne sich in das Gesamtgefüge einzugliedern.

Während der Beginn des Stückes noch die Hoffnung schürt, dass die Protagonistin sich irgendwann aus dem Entsetzen über die Neuerungen der Welt erholt, wird im Verlauf des Abends jedoch klar, dass sie keine bemerkenswerte Wandlung durchläuft. Der Charakter wird blass und ohne Tiefe dargestellt, die Quintessenz (sei wie du bist) kommt mit dem Holzhammer daher und erscheint dadurch plump. Auch die Kritik am Fernsehen, an den Bedingungen für junge und alte Schauspieler und Musiker in der Gegenwart und an der Schlagermusik wirken aufgesetzt und effekthascherisch. Die Aufführung zieht sich in die Länge, Lieder reihen sich aneinander, unterbrochen von den Gesprächen und Tipps der Kollegen. Begeisterung kommt nicht auf.

Das Stück ist eine eigenartige Mischung aus Kritik an der Welt der Schlagermusik und der Hingezogenheit zu genau dieser. Die auf die Rückwand der Bühne projizierten Kollegen und die ihnen in die Münder gelegten Worte ziehen diese Musikgattung zwar ins Lächerliche, gleichzeitig wird auf der Bühne genau diese Musikrichtung gefeiert. Das Stück kann sich nicht so recht entscheiden zwischen kritischem Slapstick und der tragischen Schwere der Protagonistin. Das Ergebnis ist Klamauk.

 

Alexandra – Das Comeback im Freies Werkstatt Theater
von Diana Anders
Koproduktion Diana Anders und Barbara Kratz mit dem FWT
Schauspiel: Barbara Kratz
Regie: Diana Anders

weitere Termine
12./13. März 2014, 20 Uhr
20./21./24. April, 20 Uhr
16./21./22. Mai, 20 Uhr
 

Text: Stephan Martin Meyer

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