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Kultur

„Tanze Salsa mit mir“ – Auf einen Kaffee mit Moritz Heidelbach

Dienstag, 4. April 2017 | Text: Antje Kosubek | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Südstädter Moritz Heidelbach bekam bereits im Dezember letzten Jahres im Rahmen der 27. Kölner Tanz- und Theaterpreisverleihung den „Puck“ als bester Nachwuchsdarsteller Kölns. Der Preis wird gern auch als „Kölscher Oscar“ bezeichnet und in der Jurybegründung heißt es über Heidelbach: „Immer fesselt er die Aufmerksamkeit der Zuschauer, wirkt aber nicht manieriert.? Er ist ein vielseitiger junger Schauspieler, der längst auch auf dem Bildschirm präsent ist – hoffentlich aber auch noch oft auf Kölner Bühnen“. Heidelbach spielt aktuell im Freien Werkstatttheater das Stück „Ungefähr gleich“. Wir trafen ihn zwischen zwei Proben zum Interview.  

Meine Südstadt Du bist ein echtes „Kellerkind“ (Anm. der Redaktion: so werden die Absolventen der Theaterschule vom „Theater der Keller“ genannt). Was bedeutet das für Dich?
Moritz Heidelbach Dass ich ein „Kellerkind“ wurde, war bei mir eher Zufall. Ich hatte eigentlich nie vor, Schauspieler zu werden. Natürlich waren mir das „Theater der Keller“ und dessen guter Ruf ein Begriff. Dennoch war die Bewerbung eine spontane Entscheidung. Ich war zu dem Zeitpunkt bereits Regieassistent beim Film und habe eher zufällig erfahren, dass man sich noch bewerben konnte.

War es dein Berufswunsch nach dem Abi auf die große Bühne, also zum Theater oder Film zu gehen?
Überhaupt nicht. Ich habe nach dem Abitur ein erstes Praktikum beim Film gemacht und da gemerkt, dass mir die Arbeit dort sehr gefällt. Über diverse Praktika wurde ich irgendwann 2. Regieassistent und dann durfte ich Anfang 2009 bei meinem Vater Kaspar Heidelbach meine erste Regieassistenz im Kölner Tatort machen.
Aus heimlichem Interesse besorgte ich mir über Ecken den Kontakt von Hanfried Schüttler, Regisseur und Schaupielcoach, um mal zu „testen“ und die Erfahrung zu machen, selbst zu spielen.
Hanfried hat mich dann ermutigt, das mal „richtig“ zu machen und über ihn habe ich auch erfahren, dass der Keller noch freie Plätze hatte.
Meinen Eltern habe ich dann erst einen Tag vor der Aufnahmeprüfung davon erzählt, womit ich die dann auch ziemlich überrascht habe.

Was ist das Besondere an der Ausbildung im „Theater der Keller“?
In erster Linie lernt man dort ja ein Handwerk. Das Besondere ist, wahrscheinlich aber auf jeder Schauspielschule: Es geht permanent um einen selbst, mit seiner Stimme und seinen Körper umzugehen. Man hat vielfältige Unterrichtsfächer, wie beispielsweise Fechten oder Tanzen. Es war dann schon speziell, als Unterrichtsstunde montags morgens um 8 Uhr Salsa tanzen zu müssen. In einer kalten Turnhalle im Winter, das ist dann schon etwas surreal. Zudem bekommt man stets von den Dozenten gespiegelt: Wie wirke ich auf andere. Insgesamt lernt man viel über sich selbst. Und es gab da auch Unterrichte, wo ich mich immer wieder gefragt habe, was mache ich hier eigentlich gerade…

Weil?
Es wird viel in Bildern gearbeitet. Zum Beispiel gab´s da mal in einem Bewegungsunterricht das Bild einer Trauerweide im Wind. Da geht es darum, eine Durchlässigkeit im Körper herzustellen. Aber wenn ich dann währenddessen so um mich geguckt habe, und meine Kommilitonen mit geschlossenen Augen die Trauerweide im Wind gegeben haben, das war schon ein bisschen lustig. Aber darum geht es auch, sich auf Dinge einzulassen.

Du hast während Deiner Ausbildung auch schon Engagements gehabt. Zum Beispiel im Kinderstück „Hasenland“ oder an den Wuppertaler Bühnen sowie im Stück „Dunkles Land“ im Comedia Theater. Wie kam es dazu?
Die Schauspielschule war da immer sehr offen. Die Schule ist zwar staatlich anerkannt, aber man zahlt ein monatliches Schulgeld.
Ich durfte bereits ab dem ersten Jahr parallel zur Ausbildung Engagements annehmen, habe auch bei der Keller-Produktion „Waisen“ mitgespielt. (Anm. d. Redaktion: mit dem Stück „Waisen“ gewann das Theater der Keller 2013 den Kölner Theaterpreis).
Mit „Hasenland“ und „Dunkles Land“ waren wir nicht nur in der Comedia, sondern auch auf Gastspielreisen unterwegs. Vor Kindern und Jugendlichen zu spielen, ist eine besondere Erfahrung, denn sie sind viel direkter in der Reaktion auf das, was auf der Bühne passiert.

Spürt man eigentlich die Anzahl der Zuschauer oder auch Begeisterung im Publikum oder spielt man einfach, sobald der Vorhang aufgeht?
Natürlich, das spielt eine große Rolle und ist auch das ganz Besondere am Theater.
Dieser direkte Kontakt mit dem Publikum. Man spürt total, ob ein Publikum „dran“ ist an der Geschichte. Also eben nicht nur bei Komödien, wenn die Leute lachen oder nicht.
Es kommt aber auch immer mal wieder vor, dass Leute in der ersten Reihe sitzen, ihr Bonbon auspacken und sobald das Licht ausgeht, die Augen schließen. Da wurde noch nicht mal der erste Satz gesprochen. Das nimmt man dann schon sehr deutlich auf.
Ich durfte in Saarbrücken am Staatstheater vor 1000 Zuschauern spielen, das bedeutet aber nicht, dass ich vor 99 Zuschauern im Theater der Keller weniger aufgeregt bin.
Bei mir hat die Aufregung auch viel mit dem Ersten Auftritt zu tun, also dem Moment, wie man zum ersten Mal auf die Bühne kommt.

 


„Man spürt total, ob ein Publikum „dran“ ist an der Geschichte“.

Du hast auch in Kinofilmen in einer Nebenrolle mitgespielt, wie „Suite Francaise“ immerhin mit Michelle Williams und Kristin Scott Thomas. Was wurde daraus?
Der Film lief im Ausland erfolgreicher als in Deutschland. In Köln noch nicht mal im Kino, sondern nur in Leverkusen. Das war schon spannend. Ich hatte zwar nur zwei Drehtage, musste aber mehrmals zu Kostümproben und auch zum Haare schneiden nach Belgien fahren, wo der Film gedreht wurde. Allein das Set und der riesige Trailer Park waren schon sehr beeindruckend. Zudem waren bei der Produktion auch bekannte deutsche Schauspieler dabei, wie Tom Schilling oder Heino Ferch. Zu der Rolle kam ich über ein E-Casting, das sind Castings übers Internet, in denen man eine Szene aus dem Drehbuch mit der Handykamera o.Ä. aufnimmt und dann an die Produktion schickt. Der Kontakt kam übrigens über das Theater der Keller zustande, wir wurden eingeladen, Bewerbungen zu schicken.

Wofür schlägt Dein Herz mehr? Kino oder Theater? Oder doch lieber YouTube? Du drehst immerhin auch kleine Clips für das Internet.
Diese kleinen Szenen mache ich zwischendurch mit Freunden, vor allem als „Fingerübung“ und um sich auszuprobieren. Ich hatte irgendwann gedacht, ich könnte doch die Dinge, die ich auch als Regieassistent gelernt habe mit der Schauspielerei verbinden. Zudem kann man mit den heutigen technischen Möglichkeiten mit relativ wenig Aufwand schon richtig gute Sachen drehen und wer weiß, wer das vielleicht mal gucken wird…

Du wirst in diesem Jahr 30 Jahre alt. Was sind Deine Ziele, was steht für 2017 an?
Ich habe gerade in Berlin gedreht. Mit dem Regisseur Gregor Erler, Absolvent der Filmakademie Ludwigsburg, seinen Debüt Kinofilm. Ein Thriller mit dem Arbeitstitel „Reissleine“, der sich mit dem Thema Gentrifizierung in der Hauptstadt auseinandersetzt. Ich habe da eine der Hauptrollen bekommen, neben mir spielt Pegah Ferydoni, die man als Schwester von Elyas M’Barek in Türkisch für Anfänger kennt. Derzeit ist der Film in der Postproduktion, es dauert noch, bis er zu sehen ist und zwar erstmal auf Festivals. Vielleicht dann irgendwann auch im Odeon, hier in der Südstadt.
Ich will natürlich weiterhin drehen, Theater spielen, als Sprecher arbeiten und irgendwann an dem Punkt ankommen, wo ich mir die Rollen aussuchen kann – da ist noch Luft nach oben.

Derzeit sieht man dich im Stück „ungefähr gleich“ einer Komödie des schwedischen Autors Jonas Hassen Khemiris. In der Ankündigung heißt es: Auf eine nordisch-skurrile und bitterkomische Weise erzählt das Stück vom Scheitern am kapitalistischen System und lässt dabei keinen noch so absurden Weg aus. Worum geht es?
Es geht um das Scheitern von vier Menschen mit individuellen Schicksalen im kapitalistischen System. Menschen wie Du und ich, die eigentlich alle das Gleiche wollen: Erfolg und Lebensglück. Da ist die Suche nach der ersten Festanstellung, aber auch die Angst vor Arbeitslosigkeit und da sind Menschen, die auf der Straße leben. Alle beschreiben auf unterschiedliche Weise, wie sie sich durchschlagen müssen und dabei sind die einzelnen Geschichten immer wieder miteinander verwoben.

 

Wenn Du nicht drehst, wo trifft man Dich in der Südstadt?

Ich spiele gern Fußball. Zudem ist das Eierplätzchen immer noch ein beliebter Treffpunkt, ansonsten bin auch gern am Rheinufer oder in der Ubierschänke.
 

 

Mehr dazu
Im Freien Werkstatt Theater läuft am 6. und 7. April „ungefähr gleich“ jeweils um 20:00 Uhr. Es gibt noch Karten.

Kinofilm „Reissleine“ von Gregor Erler

Link zu den Videos „Feierabend“  und „Hier fährt heute nichts

 

Text: Antje Kosubek

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