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Kultur

„Deutlich weniger Tote“ wirft viele Fragen auf.

Montag, 28. Januar 2013 | Text: Roger Lenhard | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Ein Kriegsspiel nach Falk Richter im Freien Werkstatt Theater.

Theaterkunst widersetzt sich ein wenig dem Trend unserer Zeit. Es verlangt Konzentration auf das Gegenwärtige. Die Fähigkeit, gegenwärtig sein zu können, wird zunehmend durchlöchert von der schnell getakteten Hektik des Alltagslebens und dem Zwang, immer und überall erreichbar zu sein. Nie ist alles erledigt und also ist immer noch etwas zu tun. Zwischendurch wird gemailt, getwittert und gesimst was das Zeug hält. Anders als Filme im Kino oder Livemusik in Konzerthallen wird im Theater die Aufmerksamkeit nicht durch die brachiale Wucht der Bildkaskaden oder durch ohrenbetäubende Lautstärke erzwungen, sondern setzt im hohen Maße die Fertigkeit abschalten zu können voraus, um sich auf das Dargebotene mit Augen, Ohren und Verstand einzulassen. Nicht immer hat man Lust dazu, weil die Sinne mehr nach einfacher, anstrengungsloser Beschäftigung verlangen.

Ein Theaterstück, in welchem offensichtlich das Thema Krieg im Mittelpunkt steht, treibt einen nicht unbedingt an sich aufzuraffen. Doch es lohnt sich. Die anfängliche Skepsis ist schnell verflogen durch die kurzweilige Inszenierung von Judith Kriebel, die zusammen mit der Intendantin des Freien Werkstatt Theaters Inken Kautter auch für die kluge Textzusammenstellung verantwortlich ist. Die zwei spielfreudigen Darsteller Valentin Stroh und René Wedeward können mit der ganzen Bandbreite ihrer Schauspielkunst wuchern: Es beginnt mit einem zehnminütigen bedrückenden Dialog „Deutlich weniger Tote“, 2003 von dem Dramatiker Falk Richter geschrieben. Das wortkarge Gespräch, in dem lakonisch keinerlei Unterschied gemacht wird zwischen der Pflege von Autos, dem Bepflanzen von Gärten und dem täglichen Grauen von Attentaten und brennender Menschen, wird zunehmend zu einem Verhör und bildet den beklemmenden Auftakt des Abends zum Thema Krieg.

 

René Wedeward und Valentin Stroh spielen Krieg im Freien Werkstatt Theater / Foto: Meyer Originals

 

Es wird aus Shakespeares „Henry V.“ und Ernst Jüngers „Stahlgewitter“ klassisch rezitiert, Adolf Hitler und Horst Köhler werden parodiert und stimmlich imitiert. Die verbal-brutale Demütigung eines Soldaten durch seinen Ausbilder aus Stanley Kubricks „Full Metall Jacket“ wird in kaum zu ertragender Eindringlichkeit nachgespielt. Zitate aus der Politik von Merkel, Fischer, Guttenberg, Gauck und anderen werden vorgetragen oder auf Tafeln hochgehalten. Erheiternde Politclownerie wechselt sich ab mit düsterem Entsetzen über die machohafte Schilderung einer Vergewaltigung durch einen Soldaten und geht über in einen kabarettwürdigen Originaldialog aus dem Verteidigungsausschuss, der an Wim Thoelkes Wum und Wendelin erinnert. Das Ganze hat Rhythmus, wechselndes Tempo und ist als eine Zeitreise bis in die Gegenwart angelegt.

Gegen Ende dieses Kriegsspiels im Freien Werkstatt Theater sagt einer der beiden Darsteller, dass die Verantwortung der Bundeswehreinsätze bei kriegsähnlichen Handlungen im Ausland nun an den Bundestag abgegeben wird. Die Fragen, die der Andere daraufhin stellt, lauten: Was bedeutet es denn konkret für die gestorbenen deutschen Soldaten in Afghanistan, wenn die Verantwortung ans Parlament abgegeben wird oder für die tausenden getöteten Zivilisten dort? Was heißt Verantwortung abgeben denn im Falle Syriens, wo Tag für Tag Menschen blutig niedergemetzelt werden und man nicht eingegriffen hat? Was folgt daraus – jetzt aktuell – für Mali, einem Land in dem marodierende Islamisten rücksichtslos morden und die Franzosen militärisch eingreifen?
All diese Fragen und noch andere mehr werden in dem Stück gestellt. Fragen, die unbeantwortet bleiben, die sich aber jeder Einzelne auch stellen könnte.

Weitere Termine dieses lohnenden Stückes im Februar 2013
Do. 14., Fr. 15., Sa. 23. , Mi. 27.02.2013 um 20.00 Uhr

„Deutlich weniger Tote“
Ein Kriegsspiel nach Falk Richter

Mit: Valentin Stroh und René Wedeward
Inszenierung: Judith Kriebel
Bühnenbild: Susanne Weibler

 

Freien Werkstatt Theater, Zugweg 10, 50677 Köln.

Text: Roger Lenhard

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