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Kultur

Die Freiheitsstatue hat auch was zu sagen

Donnerstag, 2. Februar 2017 | Text: Antje Kosubek | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Mit ihr möchte ich am liebsten sofort ein Kölsch trinken und über Gott und die Welt reden. Doch daraus wird nichts, denn wir sind zum Interview verabredet und haben wenig Zeit. Gayle Tufts muss gleich zum Soundcheck. Sie tritt am heutigen Mittwochabend und morgen (Donnerstag) mit ihrer Show „Superwoman“ in der Comedia auf. Die dunkelhaarige US-Amerikanerin schreibt und produziert ihre eigenen Shows mit viel Musik, Stand-Up-Comedy und vor allem Herzblut. Sie hat bereits vier Bücher geschrieben und arbeitet nebenbei auch noch als Kolumnistin. 1984 kam sie mit der Tanz-Company „School of Hard Knocks“ zum ersten Mal nach Deutschland. 1991 zog es sie nach Berlin und seitdem steht sie immer wieder auf der Bühne – ob als Solokünstlerin oder Allround-Talent. Sie erklärt den Frauen im schönsten „Denglish“ die Wechseljahre und schwärmt stets für die Oberarme von Michelle Obama. Die Abende von Gayle Tufts sind auch dafür berühmt, dass sie nie aufhören (sollten).

 

Meine Südstadt: Frau Tufts, haben Sie eigentlich schon Ihren amerikanischen Pass abgegeben?

Gayle Tufts: Nein, aber ich bin in Gesprächen, um den deutschen Pass zu bekommen. Nach 25 Jahren als Steuerzahlerin in Deutschland und dieser schrecklichen Wahl in den USA möchte ich nun die deutsche Staatsbürgerschaft. Denn ich habe auch festgestellt, wie wichtig es ist, wählen zu dürfen. Das will ich in diesem Jahr zur Bundestagswahl können, denn auch in Deutschland geht es ums Ganze. Ich bin jetzt wirklich bereit, den amerikanischen Pass abzugeben. Diese Trump-Regierung möchte ich auf keinen Fall unterstützen. Meine Lebensplanung war zudem nie, irgendwann wieder zurück zu gehen.

 

Superwoman und Trump passen ja auch nicht wirklich zusammen.

Well, ich habe gewusst, dass war die Gefahr, als ich mit meinem Programm „Superwoman“ angefangen habe. Ich hatte das Ende der Wahl wirklich nicht für möglich gehalten. Ich glaube, viele Leute sind immer noch traumatisiert. Und zwar jeden Tag ein bisschen mehr. Aber das Programm „Superwoman“ steht ja auch dafür: Wir müssen alle unsere Kräfte sammeln. Meine Freunde und meine Familie in den USA machen das gerade. Sie sagen sich, wir sind hier und gucken nicht weg.

Die New Yorker Freiheitstatue zeigt es in meiner Show, sie ist nicht traurig und starr, sondern wütend und kämpferisch.

 

Fließt das auch in Ihr Programm ein? Also aktuelle tagespolitische Ereignisse?

Oh ja, so tagesaktuell, dass ich es nicht gedacht hätte. Was haben wir jetzt, Tag 11, Tag 12 seit der Amtseinführung von Donald Trump?! Ich wache jeden Morgen auf, mache das Radio an und denke, bitte nicht schon wieder etwas Großes heute. Natürlich sind die Shows etwa 95 Prozent von mir „vorgeschrieben“, aber es gibt auch noch fünf Prozent, wo ich auf das Aktuelle spontan eingehe.

 

 

Sie sind Schauspielerin, Sängerin, Entertainerin, Tänzerin – und das auch noch alles gleichzeitig. Wo lernt man das?

Das habe ich in New York studiert. In Deutschland kann man das nicht. Wenn man in Deutschland Schauspiel studiert, studiert man Schauspiel. Wenn man Musik studiert, studiert man Musik. Und dann gibt es noch diese Spaltung in E- und U-Musik (Anm. der Redaktion „Ernste Musik“ und „Unterhaltungsmusik“), das haben wir in Amerika nicht. Ich hatte das große Glück in einem besonderen Programm in New York zu sein, an der New York University. Das war in den 80er sehr viel experimentelles Theater. Wir hatten wahnsinnig gute Professoren und haben alles gelernt: singen, schreiben, tanzen – zudem: wie miete ich ein Theater, wie mache ich Pressearbeit, wie benutzte ich ein Lichtpult und immer wieder spielen, spielen, spielen. Damals zu der Zeit kamen das Theater, der Tanz und die Performance zusammen. Bis heute bin ich jeden Tag für meine Ausbildung dankbar. Wenn Facebook für etwas gut ist, dann das: ich bin mit zwei meiner ehemaligen Dozenten dort befreundet. Nun kommt mein früherer Tanzlehrer auch zu meinen Shows.

 

Woher nehmen Sie eigentlich all ihre Energie?

Heute ist das eine sehr gute Frage, denn draußen ist es extrem grau. Ich bekomme viel Energie von meinen Shows und dem Publikum. Zudem macht es mir viel Freude, mit Marian zu arbeiten, meinem wunderbaren Bühnenpartner. Wer kann schon neben einer amerikanischen Entertainerin mit Frauenproblemen besser bestehen, als ein junger Schwuler aus dem Osten? Marian aus Bad Freienwalde! Wir ergänzen uns sehr gut und haben viel Spaß zusammen, egal ob vor oder hinter der Bühne. Natürlich  habe ich einen Luxusjob, denn ich liebe es, live auf der Bühne zu stehen. Zudem gehe ich gern zu Lesungen oder anderen Veranstaltungen, letzte Woche war ich beim Rundfunkchor in Berlin. Derzeit sind die Nachrichten so schrecklich, die Welt so verrückt geworden, dass etwas, was live ist, Tiefsinn hat und echt ist, mir viel Kraft gibt. Als Kind war ich, wie sagte man früher, eben quirliger. Heutzutage nennt man das wohl ADHS. Ich habe kein Ritalin genommen, sondern bin einfach ans Theater gegangen.

 

Was ist so besonders an den Oberarmen von Michelle Obama?

Die Arme sind so stark! Wir vermissen die Obamas so. Dieses schreckliche Einreiseverbot. Man möchte am liebsten beide anrufen und fragen: Geht es Euch gut? Doch zu den Oberarmen. Ich habe das natürlich als Reim gemacht: „I wanna be Michelle Obama / I want to have her Oberarme.“ – Michelle ist eine wunderschöne und starke Frau, sie hatte die Mischung aus Stil, Eleganz und Natürlichkeit. Sie ist für mich ein sehr positives Beispiel.

 

 

Was sind für Sie Superwomen? Die Heldinnen des Alltags?

Das sind Frauen, wie Meryl Streep, aber auch Aktivistinnen, wie Malala, die jüngste Friedensnobelpreisträgerin. Oder Marianne Buggenhagen, die mit 63 Jahren im Diskuswerfen bei den Paralympics in Rio die Olympiamedaille in Silber gewann. Heldinnen des Alltags sind für mich aber auch Lehrerinnen, Krankenschwestern, Pflegekräfte, Journalistinnen und viele mehr. Die Heldinnen sind überall. Meine Mitbewohnerin in den USA, sie ist jeden Tag auf Demos. Auch eine Heldin. Und natürlich fragen sie sich dort alle, wie lange sie das noch machen müssen. Heldinnen sind alle, die informiert sind, die engagiert sind, und die miteinander kommunizieren. Die zuhören und kein Blatt vor dem Mund nehmen.

Frauen sind nicht automatisch die besseren Menschen, dass erkennt man an Marine Le Pen, Margaret Thatcher oder Frauke Petry. Das sind die Gegenbeispiele. Aber dennoch   gibt es keine einfache Antworten, die Antworten sind komplex. Und doch haben wir Frauen viel Kraft. Superwoman!

 

 

Gayle Tufts ist zusammen mit Marian Lux mit ihrer Bühnenshow „SUPERWOMAN“ bundesweit auf Tour. In Köln tritt Galye Tufts in der Comedia auf.

Text: Antje Kosubek

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