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Kolumne

Die Rindfleisch und der Könik

Montag, 12. März 2012 | Text: Kathrin Rindfleisch

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Der Tag, an dem der König sein erstes Ich von mir bekam, erinnert mich emotional an meine erste Kocherfahrung bei Cousine Uschi in Italien: Wie, gute Butter ist kein gutes Fett? Was? König endet nicht auf ik?
Wenn Welten zusammen brechen, weil sich etwas, dass man seit jeher auf eine bestimmte Art getan hat, als falsch herausstellt, hat das erstaunlicher Weise ja immer zwei Effekte.

Der Tag, an dem der König sein erstes Ich von mir bekam, erinnert mich emotional an meine erste Kocherfahrung bei Cousine Uschi in Italien: Wie, gute Butter ist kein gutes Fett? Was? König endet nicht auf ik?
Wenn Welten zusammen brechen, weil sich etwas, dass man seit jeher auf eine bestimmte Art getan hat, als falsch herausstellt, hat das erstaunlicher Weise ja immer zwei Effekte. Im ersten Moment schmeisst man sich instinktiv schützend vor die gute alte Gewohnheit, das könne nicht sein, da liege sicher ein Missverständnis vor, wobei der Schutz dann rasch übergeht in Selbstschutz, fühlt man sich plötzlich doch ganz schön bloß gestellt. Dass man das nicht gewusst hat…tststs…
Hat man dann erst mal die Ungeheuerlichkeit der wankenden Welt verdaut und sämtliche Eitelkeiten über Bord geworfen, eröffnet die neugewonnene Sicht auf Altvertrautes Horizonte. War es vor Jahren das Olivenöl, dass gottlob Einzug hielt in Pfannen und Töpfe, und damit für neuen Geschmack, frischere Küche und schlankere Hüften sorgte, ist es heute die sprachliche Differenziertheit, die mir von nun an Honich beschert und einen Könich, der sich königlich benimmt. Hätte mir jemand eine grammatikalische Besonderheit der finnischen Sprache erklärt, man hätte mich nicht mehr beeindrucken können.

Doch es ist nicht finnisch, das ich in dieser Sprachtherapie lerne, die ich gerade aus nun offensichtlichen Gründen (hey, seit 34 Jahren denk ich, alles sei so richtik, habe nie was gehört von wichtich und nichtich) mache, es geht um die richtige Aussprache meiner Muttersprache. Oder sagen wir besser, des Hauptsprachstamms. Muttersprachlich bin ich nämlich im rheinischen Dialekt zu Hause. Böse Zungen verfrachten mich auch gerne nach „Holland Süd“, kommt meine Familie väterlicherseits doch aus der Heinsberger Ecke. Sieht man von diesen Feinheiten ab, betreibe ich Singsang, verwechsele ich ch und sch und war ich mir – bis quasi heute – ganz sicher, dass es eben Könik heisst und nicht Könich.

 


Unweigerlich schmunzeln musste ich beim Hören meiner aufgenommen Stimme, hörte ich sie doch alle heraus: meinen Vater, Onkel Jüpp und Tante Karin. Ich hörte meine Herkunft und, so oft ich mich vormals wegen der Fichs und Fleichs geniert habe, so stolz war ich in diesem Moment. Ein gutes Gefühl von Verwurzelung und Heimat. Alleine Eines scheint mir ungeheuerlich: wie kommt es, dass ich über dreißig Jahre lang ernsthaft geglaubt habe, dass man wenik sagt und nicht wenich? Und traurik und nicht traurich? Auf der Suche nach dem verlorenen ich, stoße ich auf ein Wort, das so ausgesprochen nur jemandem über die Lippen kommen kann, der weiss, wie man sich abhebt von der einfachen Landbevölkerung. Eine Nachbarin meiner Eltern schuf es  und ich finde es so wunderbar, so herrlich möchtegern, spricht mich ab jetzt jemand auf meine ich-Störung an, werde ich mit diesem Wort alles erklären: das Babygäckchen. Ein Babygäckchen ist wahrlich mehr als ein Kleidungsstück für kleine Menschen, sagt es doch so viel aus über die, die es aussprach. Schick sollte es klingen, weltgewandt, alles, bloß nicht provinziell.

 

Unsere Eliza Doolittle aus Holland Süd hat mich sehr kreativ auf die Wurzel meiner eigenen Sprechstörung hingewiesen. Das arme Jäckchen-J abgehärtet, ganz genau so wie mein König-G. Weil Jott, genauso wie Ceha und Esceha, weiche, ja gar matschige Bauerntölpel-Laute sind. Unfein, unklar, platt. Und bevor Schlimmstes geschieht und aus dem Könich gar ein Könisch wird, sagen wir vom Rheinland bis nach Holland Süd lieber Könik. Na, wenn das nicht mal eine clevere Vermeidungstaktik ist…

Ich für meinen Teil gehe nun aktiv raus aus der Vermeidung und rein in ein weicheres Sprachbild. Und bin sehr gespannt, was es mit der Sprecherin macht, matschige Bäuerin oder doch weltgewandt – und jetzt aber richtig?

Text: Kathrin Rindfleisch

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