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Kultur

Die sich ’nen Wolf tanzen

Donnerstag, 27. Januar 2011 | Text: Antje Kosubek | Bild: Kölsch Jemölsch

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Die Südstadt ohne den Karneval oder den Karneval ohne die Südstadt kann man sich kaum vorstellen – ein Teil von beidem sind „Kölsch Jemölsch“. Wer jemals den traditionellen Südstadtzug an Karnevalsdienstag gesehen hat, wird sie kennen. Aufgefallen sind sie dabei immer – mit ihren kreativen, bunten Kostümen, die eher an aufwendige Theaterproduktionen erinnern, als an den Kölschen Karneval.

Jedoch ein Karnevalsverein, das sind sie nicht – „Kölsch Jemölsch“ sind eine „Interessensgemeinschaft“. Gegründet haben sie sich vor 11 Jahren an einem feuchtfröhlichen Kneipenabend im Haus Müller – damals noch mit einem Teil der Stunksitzungskollegen.

„Kölsch Jemölsch“ bedeutet übersetzt so etwas wie „Kölsches Gemenge“ – das war damals auch die Idee, die dahinter steckte. Man wollte eine Art „Multi-Kulti-Karneval“ im Veedel integrieren und Menschen aus verschiedenen Nationen und Altersgruppen inmitten der Südstadt damit verbinden. Naja… und der Spaß an der Sache sollte auch nicht zu kurz kommen.

Zur Gründung des Vereins wurden die Mitgliederverträge noch auf Bierdeckel geschrieben und ein symbolischer Monatsbeitrag von 11 Mark vereinbart. So trafen sich zur ersten Sitzung von „Kölsch Jemölsch“ rund 40 Mitglieder aus fünf verschiedenen Nationen in der Martin-Luther-Kirche, wo damals noch unter Mithilfe von Pfarrer Mörtter die ersten Treffen stattfanden. Die Förderung der Brauchtumspflege und des multikulturellen Austauschs stand dabei immer im Vordergrund.

Früher, so erinnert sich Maria, ein Gründungsmitglied von „Kölsch Jemölsch“, gab es noch das Sommerfest am Platz an der Eiche und auch der Chor war ein fester Bestandteil von uns. Die Idee des Sommerfestes war, für Alt und Jung im Veedel einen schönen Nachmittag mit Tanz, kölschem Liedgut, Kaffe und Kuchen zu gestalten. So wurde das Sommerfest am 17. Juni 2001 zum „Fest der kölschen Einheit“ .

Doch vieles hat sich verändert in den letzten 11 Jahren, der ehemalige Präsident hat mittlerweile abgedankt, die Kinder sind groß geworden, einige sind aus der Südstadt weggezogen, und auch der Migrantenanteil ist auf 15% geschrumpft. Jedoch die Leidenschaft für den Karneval und die IG „Kölsch Jemölsch“ ist geblieben.

Jeden 1. Dienstag treffen sie sich zum Stammtisch im Chlodwigeck und das ganzjährig, wenn man mal von den Sommerferien absieht. Bei Kölsch und Co. wird organisiert, geredet, geplant, werden Ideen ausgetauscht. Das schwierigste Thema zu Beginn jeder neuen Session ist das Motto. Denn hier wird noch demokratisch abgestimmt: Spätestens ab Oktober wird die engere Auswahl für das Motto diskutiert. Da geht es schon mal hoch her, schließlich hat jeder eigene Vorstellungen und es wird auch schon mal laut, wenn rund 20 Frauen und Männer wild durcheinander reden.Im November sind dann sämtliche Diskussionen beendet, das Motto steht, keine Einwände werden mehr angehört und manche müssen ihre Ideen für das kommende Jahr „aufheben“.

Mittlerweile sind „Kölsch Jemölsch“ weit über die Südstadt und den Karneval bekannt. Im Elferrat der Stunksitzung sind sie jedes Jahr vertreten, ihre Tanzpartys sind ein Erfolg und sie verschönern als das Bild unseres Südstadtzugs. Inzwischen kommt nur noch zwei Drittel der Mannschaft von „Kölsch Jemölsch“ aus der Südstadt. Dazu kommen Ehrenmitglieder, die extra aus Berlin anreisen, um traditionell am Südstadtzug teilzunehmen.

Zum jährlichen Straßenumzug in Berlin, dem „Karneval der Kulturen“ waren sie auch schon mehrfach eingeladen und haben dort den Südstadtkarneval würdig vertreten. Diese Art der „kölschen Entwicklungshilfe“ für die Hauptstädter findet regelmäßig am Pfingstsonntag statt.

„Das Schönste für uns“, so erklärt mir Gabi, die während des Stammtischs eine Art Fuchsschwanz als Kopfschmuck ausprobiert, „ist unsere „Warm up“-Party vor Karneval im Baui – auch wenn das für uns die meiste Arbeit ist.“ Denn dafür ist eine straffe Organisation nötig, alle Aufgaben sind klar vergeben. So arbeiten für und auf der Party alle von „Kölsch Jemölsch“ in Schichten, jeder packt hier mit an und es werden schon mal 48-Stunden Dienste geschrubbt. Besonders Maria ist dabei sehr kreativ tätig und vieles der Dekoration ist reine Handarbeit.

Seit kurzer Zeit steht das „Kölsch-Jemölsch-Telefon“ nun kaum noch still, denn fast die komplette (Süd-)Stadt wartet auf die Ankündigungen und die ersten Plakate. Alle wollen endlich wissen, welches Motto es dieses Jahr geben wird. Denn ohne Motto kann keine Kostümsuche beginnen.

In der ersten gemeinsamen Session mit „Kölsch Jemölsch“ war das Motto noch thematisch an die Gründungsidee angelehnt: jeder sollte eine andere Nation darstellen. So entstand eine bunte Truppe vom türkischen Expressverkäufer bis zum persischen Funkemariechen und alles in den Farben rot und weiß.

Die Themen der vergangenen Jahre waren immer kreativ und oft gab es auch einen Bezug zur Südstadt, so beim Motto 2009 „Kölner Straßennamen“ – hier war durchaus beliebt, sich als Rosenstrasse oder Eierplätzchen zu verkleiden. Vergangene Session brauchten viele weibliche Mitstreiterinnen beim Motto „Sieben Todsünden und drei kölsche“ wenig Stoff für ihr Kostüm, denn die Todsünde „Wollust“ war der Hit. Beeindruckend dabei ist, dass wirklich jedes Kostüm individuell und keines wie das andere ist.

Zu meiner Verblüffung beginnt die Kostümauswahl bei „Kölsch Jemölsch“ erst einen Monat vor der Party. Bika erzählt beim Stammtisch, dass es früher auch mal eine Kostümgruppe gab, die sich einmal in der Woche zum Schneidern getroffen hatte. Doch seit dem Internetzeitalter wurde alles flexibler – vieles kann man nun einfach bestellen, egal ob Perücken oder Stoffe und muss nicht mehr durch die ganze Stadt hetzen.

Gabi, die sich beruflich eher der Botanik unter dem Mikroskop widmet, öffnet mir ihre Türen und ich darf einen Blick in die Kostüm-Schatztruhe werfen. 25 (!) gesammelte Werke finden sich hier, neben Theaterschminke, diversen Perücken, Hüten und Hardware (u.a. Pistolen, Peitschen, Säbel) auch viele edle Stoffe, ein Mitbringsel aus diversen Urlauben im Süden.

Diese Sammlung von Kleidern und Kostümen hat natürlich ganz pragmatische Gründe, denn man kann die Kostüme immer wieder mit anderen Motiven bestücken und mal lang oder kurz tragen – eben je nach Motto!

Inspirationen werden das ganze Jahr über gesammelt: in Karnevals- und Modezeitschriften, auf dem Laufsteg, im Internet und auch schon mal bei Ebay. Und, wenn es gar nicht anderes geht, kann man sich auch einfach etwas schneidern lassen.

Auf meine Frage, ob „Kölsch Jemölsch“ bei so vielen verschiedenen Menschen und Interessen immer so harmonisch funktioniert oder ob es auch mal Spannungen oder Streitpunkte untereinander gegeben hat, sind sich beim Stammtisch alle einig: Auch wenn sich vieles in und um die „Kölsch Jemölsch“ verändert hat und es natürlich auch hin und mal wieder Zoff gibt, gibt es doch einen festen Zusammenhalt untereinander. Ein freundschaftliches Netzwerk, wo sich jeder auf den anderen verlassen kann. Und Maria zwinkert mir zu, dass sie sich mit allen vorstellen könnte, Pferde zu stehlen.  

Für das diesjährige Motto „Wer sich nen Wolf tanzt“ (Untertitel „Mit Jippieh ins Tippieh“) sind der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Vom Cowboy bis Indianer, Wolf und die sieben Geißlein, als Wolf(gang) Petry oder als Bully-Herbig-Winnietouch – lasst Euch etwas einfallen.

Für „Kölsch Jemölsch“ beginnt jedenfalls direkt nach Aschermittwoch wieder die neue Session: mit ihrem ersten Stammtisch! In diesem Sinn: Kölle Alaaf!

Die Kostüm-Tanz-Party findet am Samstag, 19.2. ab 21 Uhr im Baui/Friedenspark statt.
Hilfe ist übrigens herzlich willkommen: für das Aufräumen am Tag danach werden immer Freiwillige gesucht.


Internetauftritt von Kölsch Jemölsch
mit diversen Infos und Fotos

Zusatzinfo:
In der aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum über die Stunksitzung kann man sie auf ein paar Fotos als Elferrat sehen.

 

Text: Antje Kosubek

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