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Kultur

Die Theke wird zum Horrorladen

Freitag, 19. November 2010 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: rolfberger.com

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Man sollte doch denken, genug gelernt zu haben. Aber nein, auch einem erwachsenen Menschen unterlaufen zuweilen Missgeschicke, die schwer auszubügeln sind. Oder besser: Aus denen man nicht mehr entfliehen kann. Zumindest dann nicht, wenn man in der ersten Reihe sitzt und von allen gesehen wird. So geschehen am 29. Oktober, gegen 23 Uhr in einem bereits mehrfach erwähnten Theater in der Kölner Kleingedankstraße.

Ich hatte mir nichts Schlimmes dabei gedacht. Ein schöner Wochenabschluss war geplant. Mehr nicht. Den ersten Teil übernahm die katholische Grundschule Zugweg, in der ich mit Kinderlachen und bunt angemalten Gesichtern empfangen wurde. Schönen Geschichten durfte ich lauschen. Streitende Kinder konnte ich beobachten. Ein paar Kostüme waren auch zu sehen… Na, da denkt man nicht gleich an etwas Böses. Die tun ja nichts, die wollen bloß spielen. War auch so. Im Zugweg. Doch im Anschluss war da noch diese neue Institution im Theater der Keller. Hätte ich doch auf die kleinen Anzeichen geachtet…

Das Foyer des Theaters ist beileibe nicht groß. Nein, ich würde es eher als kompakt bezeichnen. Eine Theke. Die Schüssel blutroter Bowle mit einer abgehackten Hand und Augäpfeln darin. Ein paar Holzbänke. Und natürlich eine offenbar immer fröhliche Intendantin, die mir auch sofort ein Glas mit der roten Flüssigkeit in die Hand drückt. Und danach mich auf die Bank. In die erste Reihe. Mit zwei Augen in der Hand. Jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Helloween steht vor der Tür. Licht aus. Film ab.

Der ThekenKeller hat Premiere. Und den Anfang macht Makke Schneider. Ein kurzer Film zeigt ihn in einer Mischung aus Riff Raff aus der Rocky Horror Picture Show und alterndem General. Er schlurft geisterhaft durch einen Keller und taucht schließlich höchstselbst in die Gefilde des Theaters der Keller ein. Er schlurft, er röchelt, er trinkt, er kriecht auf die Theke. Hier beginnt er zu lesen. Steve Niles. Blutige Angelegenheiten.

Kennt ihr das, wenn ihr im Kino sitzt und der Film plötzlich eine Wendung bekommt, die ihr nicht erwartet habt? From Dusk Till Dawn war meine prägende Erfahrung in dieser Hinsicht. Plötzlich ist die Lehne des Sessels vor mir nicht hoch genug – ich passe nicht ganz dahinter. So war es in dieser Nacht im Theater auch. Nur saß niemand vor mir. Kein Sessel. Kein breiter Rücken. Nur der freie Raum zwischen Makke Schneider und mir. Links hinter der Theke die Intendantin. Rechter Hand die Dramaturgin. Direkt neben mir ein nettes Date, dem ich einen schönen Abend versprochen hatte. Und! Dann! Das!

Ich möchte hier nicht in die Details gehen. Nur so viel: From Dusk Till Dawn war dagegen ein lustiger Spaziergang über eine Sommerwiese. Die Geschichte erzählt von einem Ermittler, der auf der Suche nach einer verschwundenen Familie mit einem blutrünstigen Kannibalen konfrontiert wird. Mit Haut abziehen, filetieren und allem PiPaPo.

Ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Makke Schneider hat es geschafft, die Bilder in meiner Vorstellung plastisch werden zu lassen. Aus den Worten wurden kranke Gestalten. Dem Schwindel war ich durchgehend nah. Da half auch keine Augenbowle. Als es vorbei war, da war ich fertig. Mit mir, mit der Welt, mit dem Theater und dem Schneider.

Nur weil die Intendantin mir hoch und heilig versprach, nach der Pause komme Biene Maja, konnte ich mich überwinden, in die Tiefe des Theater zurück zu kriechen. Sie hatte recht: Clive Barkers Haeckels Erzählung mutete beinahe jugendfrei an. Ein Student findet Unterschlupf in dem Haus eines Alten, dessen Frau sich als Nekrophile entpuppt. Einschließlich wilder Kopulationen auf dem Friedhof. Auch dies wieder hervorragend vorgetragen von Makke Schneider.

Am 19. November liest Rolf Berg aus Heines Deutschland. Ein Wintermärchen. Da werde ich mich mal vorsichtig in die letzte Reihe setzen und die Tür im Blick behalten. Wer weiß, was das Theater der Keller daraus macht.

Text: Stephan Martin Meyer

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